[SciFi-LARP] Exsolaris Episode 1– „Der Aufbruch“

Smarty war erneut auf LARP und berichtet:

LARP-Name: Exsolaris Episode 1– „Der Aufbruch“
Genre: Science Fiction
Setting: Startplatz des letzten Evakuierungs-Shuttles, das Menschen von der sterbenden Erde auf die Arche-Raumschiffe bringt
System: G.A.R.S
URL: http://www.exsolaris.de
Datum: Freitag, 12.02.2010 bis Sonntag, 14.02.2010
Ort: Nähe von Butzbach / Hessen
Teilnehmerzahl: 25 SC, 15 NSC, 15 Orga
Veranstalter: Lost Ideas Orga
Teilnahme als: SC, Beta (Wissenschaftler)

Eine kahle Installation inmitten des periphären nirgendwo des Metroplexes Berlin. Vor Jahren aufgegeben wurde sie erst vor kurzem ein letztes mal reaktiviert, um ihrer finalen Bestimmung zu genügen: Den letzten Menschen als Evakuierungsstützpunkt zu dienen. Als Startplatz des Shuttles in eines der gigantischen Arche-Schiffe im Orbit, die die Menschheit zu einer neuen Heimat tragen sollen. Den letzten Menschen die wertvoll genug sind gerettet zu werden. Zurückbleiben die vielen Milliarden Menschen, für die kein Platz auf den Archen ist.
Exsolaris spielt in den letzten Augenblicken einer Welt, die schwerelos zwischen Utopie und Dystopie zu schweben scheint. In einer Welt, in der unzählige Milliarden Erdenbewohner sich in unendlichen Städten auf der geschundenen Erde drängen, die nur noch durch den massiven Einsatz von Technologie am Leben zu halten ist. In einer Welt, in der die Technologie alles möglich macht, sogar den Tod besiegt. In der jeder Mensch gemäß seiner Aufgabe aus dem optimalen genetischen Material gezüchtet wird. In der der Mensch das Sonnensystem besiedelt hat. In der sich der Mensch zum letzten verbleibenden Gott aufgeschwungen und sich sogar das Feuer seines eigenen Gestirns zum Untertan gemacht hat.
Doch etwas ist schief gegangen – die Menschheit ist auf ihrem Flug des ewigen Wachstums, dem dauernden Aufstieg zu mehr Effizienz und Wissen, dem Flug zum ewigen „mehr“ zu hoch geflogen und hat ihre Flügel verbrannt. Beim Anheizen des nuklearen Höllenfeuers ihres Zentralgestirns selbst ist ein Fehler passiert. Die Sonne stirbt. Und in einem letzten Aufbäumen wird Sie die alle Planeten mit sich in den Untergang reissen.
In aller Eile wurden Archen errichtet, um zumindest einigen Menschen die Chance zu geben die sterbende Erde zu verlassen und vielleicht – nur vielleicht – eine neue Heimat irgendwo in den kalten Weiten des Weltraums zu finden.
Das letzte Shuttle soll unter größter Geheimhaltung starten.  Minimaler Footprint, minimale Aufmerksamkeit – eine kleine Truppe von Gamma-Soldaten sorgt für Sicherheit. Die letzten Beta-Wissenschaftler hoher Priorität, ein Team von Delta-Medizinern und Logistikern und eine Gruppe von Epsylon-Arbeitern, alle angeführt von Alphas. Der letzte Abflug von einer dem Untergang geweihten Welt. Alles ist vorbereitet, in weniger als 30 Stunden soll das Shuttle starten.
Doch es muss etwas nach draussen gelangt sein. Plötzlich fällt die Kommunikation aus. Die Evakuierungsbasis wird angegriffen. Aus einer geordneten Evakuierung wird ein Kampf auf Leben und Tod.
Exsolaris ist das neuste Projekt der Lost Ideas Orga. Die erste Episode „Der Aufbruch“ soll der Auftakt zu einer LARP-Serie sein.
Die Location war ein Pfadfinderheim in der hessischen Provinz. Als ehemalige Zivilschutzeinrichtung (incl. Schutzräumen im Keller mit eingebauter Bar und einem ausgewachsenen und sogar noch aktiven Atombunker im Vorgarten) bot es hervorragende Voraussetzungen für das Setting. Insbesondere der Atombunker bot (bei seiner Erstürmung in völliger Dunkelheit) unglaublich intensive Eindrücke.

Ein Highlight war die Nutzung von (bereitgestellten) Lasertag-Waffen. Diese Gattung von Waffen ist im Gegensatz zu Paintball sehr sicher und verursacht auch im Gebäude keine Sauerei. Treffer werden klar sichtbar registriert, die Waffen sehen gut aus, und es liegen nicht überall Geschosse rum. Ich denke die Waffen haben sich (trotz einiger durchaus vorhandener Schwächen – Stichwort friendly fire) gut bewährt. Insbesondere die ständige Geräuschkulisse des Nachladens der Waffen (um Timeouts nach zehn Minuten Inaktivität zu vermeiden) wird mir noch lange in Erinnerung bleiben.

Der Hintergrund und das Konzept sind erfrischend. Science Fiction abseits des Main Streams. Irgendwo zwischen Mass Effect, Babylon 5, Star Trek, Brave new World und Paranoia.  Keine im-Schlamm-robben-körperliche Selbstkasteiung wie einige Enzeit-Larps. Hart (man kann durchaus auch endgültig sterben, jeder Spieler hatte einen Ersatz-SC mitgebracht), aber nicht zu hart (die medizinische Technik ist doch extrem fortgeschritten, es ist unwahrscheinlich „zufällig“ endgültig zu sterben).
Die Umsetzung war zum Teil sehr liebevoll. So war das Essen „modifiziert“ (also mit Lebensmittelfarbe bearbeitet) und sehr futuristisch angerichtet (und überraschend schmackhaft). Das Delta-Revier (also die „Krankenstation“) war genau wie die Waffenkammer (die Heimat der Epsylons) sehr liebevoll ausgestattet. Das Labor (die Heimat der Betas) war hingegen sehr lieblos bis gar nicht ausgestattet und war auch so ab vom Schuss, dass kaum jemand vorbei kam. Hier wäre viel mehr möglich gewesen.

Ich nehme an, dass die Con-Erfahrung der einzelnen Klassen sehr unterschiedlich war, auch bedingt durch die sehr unterschiedlichen Aufgabenbereiche. Aber ich denke, dass für jede Klasse etwas geboten war. Mein „zweiter Mann“ auf dem Con schwärmte mir vom Leben als Epsylon vor und hatte viele spannende Geschichten zu erzählen. Die Gammas schienen sehr durchgängig in Kampfhandlungen verwickelt zu sein – waren immer bei der Action und hatten die Aufgabe, auch innerhalb der Installation die Ordnung aufrecht zu erhalten und Insubordination unter den Epsylons zu unterbinden, was ziemlich lustige Züge annahm. In einzelnen anderen Con-Berichten wurde angeregt, die Abgrenzung der Aufgabenbereiche der einzelnen Klassen untereinander anzupassen. Ich bin vielmehr der Meinung, dass die Zusammenarbeit, oder besser das „Zusammenspiel“ der Klassen untereinander intensiviert werden sollte. Insbesondere die Betas und Deltas hätten durchaus gemeinsam Forschung betreiben können, die Epsylons hätten verstärkt für die Durchführung herangezogen werden sollen – so hätte jeder mehr vom Plot der anderen mitbekommen. Ich denke dass die Betas hier eine stärker integrierende Rolle hätten spielen können – die Tatsache das ihr Labor so weit weg vom Schuss lag und quasi nicht ausgestattet / dekoriert war half hier sicherlich nicht.

Ein interessantes und für mich bei diesem Setting etwas überraschendes Prinzip war „Es funktioniert nur, was auch wirklich funktioniert“. Was ja in gewissem Maße durchaus sinnvoll ist (Ein Funkgerät funktioniert nur, wenn es ein echtes Funkgerät ist und eine Batterie drin ist) führte gerade am Anfang insbesondere bei den Betas intensiven Diskussionen was denn nun in einem high-SciFi Setting möglich ist und was nicht. Ich denke aber das hat sich über die Zeit ganz gut eingespielt.
Die Gewandung war recht standardisiert (Overall in der Farbe der jeweiligen Klasse), was zum einen den Aufwand minimierte, zum anderen aber auch die Klassen ganz klar erkennbar machte und ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl erzeugte. Gerade die Gamma-Uniformen wirkten unglaublich martialisch. Eine Reihe von Spielern trugen durch weiteres mitgebrachtes Equipment zum Ambiente bei – hier seien zum Beispiel die Hitzeschutzanzüge genannt – vielen Dank an den Herren von der Feuerwehr.
Das Niveau der Spieler war meiner Einschätzung nach in Ordnung. Insgesamt sind mir keine größeren Ausfälle aufgefallen, und insbesondere bei meinen Betas waren einige doch sehr engagierte Hobby-Physiker, Tech-Babbler und Flash-Künstler dabei, die ordentlich Stimmung machten und sehr im Detail erklären konnten wie Wurmlochnavigation genau funktioniert. Insbesondere die Seminar-Reihe („Sagen Sie Herr Kollege, an welchem Projekt arbeiten SIE denn gerade?“) war sowohl spassig als auch herausfordernd – da wurde einem nichts geschenkt.

Eine Herausforderung für mich war, dass mein SC (Beta-Stereotypengerecht) als arroganter Arsch angelegt war („Tempus Fugit, meine Herren, Tempus Fugit“ oder „Epsylon Alpha 2, ich requiriere ein Omnitool“), weswegen ich mit sauertöpfischer Mine viele andere SCs recht kurz angebunden abfertigen musste. Auch den Alpha von der Innenrevision habe ich recht unleidlich behandelt („Jede Minute die ich hier mit ihnen Spreche verschwendet meine Zeit“) – ich hoffe dass ich da nicht zu viele Egos beschädigt habe, ich bin sonst erheblich netter.

Mein Eindruck von der Leistung der NSCs/Festrollen war positiv. Die jeweiligen Klassen wurden von (NSC)-Offizieren angeführt. Deren Performance war soweit ich es beobachten konnte gut. Die Adversary-NSCs waren engagiert und trugen die Tatsache dass sie permanent zusammengeschossen wurden mit Fassung. Die SL trat nicht ausgiebig in Erscheinung, was aber nicht negativ auffiel. Im Detail gab es eine Reihe kleinerer organisatorischer Hiccups. Diese waren zwar durchaus merklich, hatten aber keine negativen Konsequenzen auf den Verlauf des LARP.
Einige organisatorische Details wären noch zu verbessern gewesen. So gab es recht wenig Parkplätze, und das Briefing zu Beginn war zumindest in meinem Fall etwas dürftig. So hätte ein IT/OT-Merkblatt zu Beginn geholfen (Willkommen im Evakuierungszentrum, dort ist der Check-In, so ist der generelle Ablauf, so funktionieren die Waffen, ihr könnt die Schilde NICHT selber wieder aufladen…)
Der Plot an sich war in Ordnung. Immer wieder war für jede Klasse etwas geboten, und immer wieder kulminierten Plotstränge (neben einigen Belanglosigkeiten) in wirklich stimmungsvollen Szenen, die mir noch lange in Erinnerung bleiben werden. Man denke da an den Sturm des Bunkers oder die finale Abholung durch das Shuttle.
Ich denke, dass das Konzept Zukunft hat, und ich werde nächstes mal wieder dabei sein – mit mehr Ausrüstung, mehr eigenem Plot und mehr Show – frei nach Dexter: „Anotherr good day forr SCIENCE“.

Fazit: Frisches Konzept mit viel Potenzial, Lasertag ist ein echter Adrenalingarant, Empfehlung für SciFi-Freunde.

Smarty, Email smarty4@gmx.net
(C) der Bilder liegen bei der Lost ideas-Orga

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Eine Antwort to “[SciFi-LARP] Exsolaris Episode 1– „Der Aufbruch“”

  1. Alpha CI Says:

    Schöne Con-Zusammenfassung wir sehen uns bei Exsolaris 2

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