[Rezi] Fetzer (das Zombie-Hörspiel von Markus Heitz)

Christophorus hat sich Fetzer vorgenommen, in welches man schon in der DIE HÖRSPIEL reinhören konnte. Nun aber:

STORY
Deutschland im Jahre 2015: Dank des Ausbruchs des sogenannten »Carnivore-Virus« gehören schlurfende, gehirnsaugende Zombies mittlerweile zum (schlechten) Stadtbild. Doch in einer Zeit, in der die Medien als vierte Staatsgewalt fungieren, wird aus der Not eben eine Tugend und aus Untoten echte Filmstars gemacht.

Unter Horror-Fans verkaufen sich die Splatter-Orgien wie geschnitten Brot, ist es doch nunmehr nicht mehr nötig, auf sündhaft teure Special-Effects zurückgreifen zu müssen. Ein echter Zombie, der echten – wenn auch in der Regel todkranken – Menschen das Gehirn aus dem Schädel puhlt, macht eben viel mehr her und ist zudem auch noch preiswerter.  Als Branchenführer in diesem noch jungfräulichen Massenmarkt sind die »Fetzer Filmstudios« natürlich sehr stolz auf ihre Werke, und ihr unumstrittener Superstar ist der hochintelligente Untote Gilberto Friemannsdorf-Hallorsen.

Dieser wird während der Dreharbeiten zu einem neuen Film jedoch von der jungen Miré, frischstes Mitglied einer speziellen Kampftruppe des Staatlichen Institutes für Seuchenkontrolle, kurz SIS, versehentlich aus dem Weg geräumt. Denn: Zwischen Institut und Filmbranche herrscht eine Art Friedensabkommen, das besagt, dass nur Zombies vernichtet werden dürfen, die in keinem Zusammenhang mit den Studios stehen und ihre Lust auf menschliche Gehirne nicht kontrollieren können. Leider vergaß Miré im Vorfeld, genau das zu kontrollieren.

Für Bot, den Einsatzleiter der Kampftruppe, eine echte Katastrophe. Und gerade, als die Fetzer Filmstudios ihn und seine Mitstreiter auf Schadensersatz in Millionenhöhe verklagen wollen, erreicht ein Notruf das Team, der alles verändern soll…

KRITIK
Die im Vorfeld der Veröffentlichung angekündigte »zynische Abrechnung mit der Mediengesellschaft« war natürlich nur PR-Trommelei, denn mehr als nur an der Oberfläche kratzen und ein amüsiertes Lächeln hervorzaubern kann »Fetzer«, die exklusive Zusammenarbeit zwischen Erfolgsautor Markus Heitz (»Die Zwerge«, »Collectors«), der die Vorlage lieferte, und dem Hamburger Hörspiel-Label LAUSCH, nicht. Vielleicht war das aber auch gar nicht der dringendste Gedanke der Macher, denn eher als eine Abrechnung steht die Unterhaltung an erster Stelle – und in dieser Disziplin kann das Hörspiel gut Punkte sammeln.

Die Geschichte rund um ein Einsatzteam, das immer dann gerufen wird wenn es die Zombies ein bisschen zu bunt treiben und das sich nun vor einer großen Filmfirma rechtfertigen muss, ist vor allem eines: gradlinig und schnörkellos. Es wird geballert, es wird gestöhnt – und spätestens, wenn die Schädeldecken knacken und Gehirne mit schmatzenden Geräuschen entnommen werden, wird’s auch schön ekelig. Wer also ob der »zynischen Abrechnung mit der Mediengesellschaft« Tiefe und ausgefeilte Charaktere erwartet hat, dürfte enttäuscht werden.

Dialoge gibt es verhältnismäßig wenige, den größten Part nimmt der Erzähler in Form von Einsatzleiter Bot bzw. dessen Sprecher Jürgen Holdorf ein. Wer schon die LAUSCH-Serie »Punktown« mochte, wird sich daran nicht sonderlich stören, doch gerade bei den Action-Szenen nimmt diese Verfahrensweise ein wenig den Drive raus. Weniger wäre hier deutlich mehr gewesen. Was nun aber nicht bedeutet, dass es Jürgen Holdorf nicht versteht, den Zuhörer zu fesseln. Ganz unaufgeregt und mit sonorer Stimme kommentiert er das Geschehen, was seiner Figur eine gewisse Portion Coolness und Abgebrühtheit verleiht. Etwa wenn es darum geht, dass Klettverschlüsse bei Zombie-Kontakt überlebenswichtig sind. Schräg!

Apropos Sprecher: Ein Extralob erhält Katharina von Daake, die der übereifrigen Miré ihre Stimme leiht. LAUSCH löste somit das Versprechen ein, der weiblichen Gewinnerin des großen Sprechercastings vom September vergangenen Jahres, das in Zusammenarbeit mit www.hoerspielprojekt.de entstanden ist, mit einer Rolle in einer ihrer Produktionen zu gedenken. Und von Daake löste ihre Aufgabe mit Bravour: So lässt sie Miré schön trotzig klingen, und ihre jugendlich wirkende Stimme passt dazu ganz hervorragend. Auch ihre Kollegen wie Dorothea Hagena, Uwe Hügle und Wolfgang Berger liefern einen guten Job ab, treten aber meist in den Hintergrund.

FAZIT
»Fetzer« bietet zu wenig Tiefe, um wirklich eine Abrechnung mit der Mediengesellschaft zu sein. Zynische Seitenhiebe und Unterhaltung bietet es aber allemal.

PS.: Reinhören kann man hier.

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4 Antworten to “[Rezi] Fetzer (das Zombie-Hörspiel von Markus Heitz)”

  1. TheClone Says:

    Was ich so alles nicht mitbekomme…. Danke :)

  2. greifenklaue Says:

    Klingt gut – und ich habe es auch heute komplett gehört, ist n schönes Gesamtwerk. Den Vergleich mit Punktown hatte ich auch im Kopf. Einzig, dass Du dreimal die in deinen augen nicht vorhandene “zynische Abrechnung mit der Mediengesellschaft” erwähnst, find ich deutlich zu viel, weil Du ja nicht die Werbekampagne zum Hörspiel besprichst (hab ich auch gar nix von mitgekriegt) ´sondern das Hörspiel. Einmal hätte gereicht.

  3. hergehoert.de Says:

    ‘Fetzer’ ist ein Genre-Glanzstück. Die Ankündigung als HörSPIEL indes empfand ich als etwas irreführend, denn letztlich entpuppt sich “Fetzer” als inszenierte Lesung. Das ist nicht verkehrt und funktioniert hier wunderbar, wer allerdings ein lupenreines HörSPIEL erwartet, der dürfte wohl durchaus enttäuscht sein.

  4. greifenklaue Says:

    Das stimmt! Seltsamerweise gefällt mir Punktown auch sehr, sehr gut, obwohl ich Hörspiel-, aber kein Hörbuchfreund bin.

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