Ich war in den letzten Wochen fleißig und habe einige Rezis geschrieben, zum einen fürs DnD-Gate, zum anderen für den Rollenspiel-Almanach. Schaut mal rein!
Da wir es heute spielen wollen, Argamae schon neulich drüber berichtete und es nun besitzt, wollen wir ihn mal zu Wort kommen lassen:
Da es nun inkl. der Reprints von OUT OF THE PIT (Monsterbuch) und TITAN (Weltbeschreibung) in meinem Besitz ist, ein paar Eindrücke von der Neuauflage des auf der bekannten Spielbuchreihe “Fighting Fantasy” (in Deutschland als “AbenteuerSpielBuch” erschienen) basierenden Fantasyrollenspiels.
AFF2 ist ein relativ klassisches Rollenspiel, was seine Fantasy-Ausrichtung und Weltbeschreibung angeht. Besonders wird es u.a. dadurch, daß man die zugrundeliegende Welt TITAN eben jahre- bzw. jahrzehntelang solo via die Spielebücher bereisen konnte und somit als Kenner dieser Werke bereits ein wenig vertraut ist. Erstmalig wurde das Solobuch-Konzept 1989 unter dem Namen “DUNGEONEER” als Mehrspieler-Rollenspiel veröffentlicht (ihm folgten noch zwei Ausbau-Bücher).
Das Grundsystem von AFF2 ist sehr einfach und basiert auf einem 2W6-Wurf, mit dem man unter einem gegeben Wert/Attribut bleiben muß, um erfolgreich zu sein. Trotz dieser simplen Mechanik ist das System einigermaßen variantenreich.
Mir gefällt am neuen AFF besonders, daß es kompakter geschrieben und mehr aufs eigentliche Rollenspiel fokussiert ist. Der Vorgänger, DUNGEONEER, erging sich noch stark in ständiger Film-Allegorie: es war vom Regisseur, der Besetzung und von “Movies” die Rede; der Klappentext verkündete derzeit “Drehen Sie Ihren eigenen Fighting-Fantasy-Film!” und führte damit mehr in die Irre als alles andere. Die Neuauflage macht diesen Fehler nicht, wenngleich sie den Spielleiter weiterhin mit “Director” betitelt.
Schön ist auch, daß irgendwie das Flair der Spielebücher erhalten geblieben ist – das Spielsystem ist halt eine Herleitung der einfachen Abenteuerbuch-Regeln, wie es ähnlich wohl auch das neue EINSAMER-WOLF-Rollenspiel macht.
Das Buch ist voller Original-Illustrationen aus den Fighting-Fantasy-Büchern bzw. DUNGEONEER, die aber leider etwas blasser wirken als im Vorgänger. Die Druckqualität ist insgesamt nicht besonders hoch.
Ein Highlight ist für mich auch die Methode der zufälligen Verlies-Generierung, die ich in dieser Form vorher noch nie gesehen habe. Ich werde sie später noch beschreiben. Soweit erstmal die allgemeinen Eindrücke.
CHARAKTERERSCHAFFUNG
In AFF2 besitzt jeder Charakter mindestens 3 Attribute – SKILL, STAMINA und LUCK. MAGIC und MAGIC POINTS stehen nur Magieanwendern zur Verfügung. Im Gegensatz zu DUNGEONEER bedient sich AFF2 standardmäßig eines Point-Buy-Systems, mit dem man selbst entscheiden kann, wie man seine Figur ausgestaltet. SKILL (in den deutschen Spielebüchern immer mit “Gewandtheit” übersetzt) ist hierbei ein wichtiger Wert, da er die meisten Proben und Würfe im Spiel bestimmt; er steht für das allgemeine Können des Abenteurers, primär in körperlicher Hinsicht – aber im Zweifelsfall auch für dessen Auffassungsgabe und Schläue. STAMINA gibt an, wie lange der Charakter durchhält, wenn es hart zugeht (Schaden, Erschöpfung, Vergiftung, Hunger etc.). Er ist in etwa mit Trefferpunkten oder Lebenskraft zu vergleichen; dieser Wert fällt und steigt häufig im Verlauf von Abenteuern.
LUCK ist in vielen Situationen hilfreich, insbesondere bei der Vermeidung von negativen Auswirkungen – etwa, wenn man eine Falle auslöst oder einem Zauber widerstehen muß. Aber auch versteckte Hinweise lassen sich vielleicht durch LUCK finden.
Man wählt nach Verteilung der Punkte seine Rasse, wobei neben Menschen noch Elfen und Zwerge angeboten werden. Jede der Rassen hat bestimmte Vorzüge in Form von Attributszuschlägen und Sonderfertigkeiten. Weitere Einschränkungen gibt’s im Grunde nicht (AFF2 nutzt auch keine Charakterklassen, hat jedoch ein paar vorgefertigte Archetypen zum Sofort-Losspielen).
Schließlich muß man noch seine SPECIAL SKILLS und TALENTS kaufen, wofür weitere Punkte zur Verfügung stehen. Die SPECIAL SKILLS sind in fünf Kategorien (Combat, Movement, Stealth, Knowledge und Magic) unterteilt, die man frei mischen kann. Spieltechnisch modifizieren diese Fertigkeitswerte den SKILL-Wert des Charakters, wenn er eine entsprechende Probe ablegen muß.
Die TALENTS sind dann jene kleinen Fähigkeiten, die dem Charakter noch etwas Besonderes geben – etwa einen Tiervertrauten, Leichtfüssigkeit, Rüstungstraining oder Magiebegabung. Die insgesamt etwas über 30 Talente sind abwechslungsreich und nützlich.
Am Ende des Erschaffungsprozesses kauft man die Ausrüstung zusammen und wählt man noch einen Sozialstand aus, dem der Charakter zu Spielbeginn angehört. Dies geschieht im Einklang mit Spielleiter und dem Charakterkonzept.
DAS KAMPFSYSTEM IN AFF2
Wer jemals eines der zitierten AbenteuerSpieleBücher gelesen/gespielt hat, der kennt das grundlegende Kampfsystem schon – AFF2 bleibt seinen Wurzeln treu. Und das ist gut so, denn durch die simple Mechanik bleibt es außerordentlich einsteigerfreundlich.
Im Kern sieht das System so aus: Held und Gegner würfeln beide 2W6, addieren die Augenzahlen zusammen und zählen noch ihre jeweiligen SKILL-Werte dazu. Wer die höhere Summe hat, gewinnt die Runde und fügt dem anderen Schaden in Form von STAMINA-Verlust zu. Fertig. Natürlich wird das ganze noch modifiziert, etwa durch etwaige SPECIAL SKILLS mit der Waffe, die man verwendet, oder durch bestimmte Umwelteinflüsse (auf höherem Boden, bei Dunkelheit, etc.).
Wieviel Schaden man dem Verlierer zufügt, wird durch die Waffe ermittelt. Jede hat eine Schadensleiste, auf der mit 1W6 gewürfelt wird. Je nach Augenzahl kann man dann den verursachten Schaden ablesen. Ein Beispiel:
Würfelt man also mit dem Schadenswurf eine 3, dann hat man 2 Punkte Schaden verursacht. Die Spalte “7+” ist vorhanden, da Zauber oder andere Einwirkungen einen Bonus auf den Schadenswurf verleihen können. Dies ist dann die maximale Spalte.
Rüstungen/Schilde funktionieren nach dem ähnlichen Prinzip, nur das dann der Wert für den absorbierten Schaden steht.
Diese Werte lassen sich bequem auf dem Charakterbogen eintragen, der dafür vorgesehene Felder hat.
Kritische Treffer gibt es ebenfalls: bei einer Doppel-Sechs im Angriffswurf wird doppelter Schaden verursacht. Im obigen Falle mit dem Kurzschwert also 4 Punkte. Zusätzlich verliert der Getroffene bei einem kritischen Treffer noch 1 Punkt SKILL, was für ernsthafte Verletzungen steht (Muskelriss, Knochenbruch, etc.) und deutlich langsamer heilt als STAMINA-Schaden. Simpel, aber gut.
Wo kritische Treffer sind, dürfen auch Patzer nicht fehlen: bei einer Doppel-Eins erleidet der Kombatant unangenehme Auswirkungen, die auf einer Patzertabelle ausgewürfelt werden – von kurzzeitigem Gleichgewichtsverlust über Selbstverletzungen bis hin zu versehentlichen Treffern bei verbündeten Charakteren wird allerlei geboten.
Doch das Kampfsystem bietet noch eine Anzahl kleiner Extras und Optionen, etwa den Einsatz von LUCK im Kampf, womit man Schaden mindern oder erhöhen kann. Auch multiple Gegner, multiple Angriffe, Monster-Spezialfähigkeiten und berittener Kampf werden besprochen, ebenso wie “aggressiver Angriff” oder “Finte”. Alles in allem ist das sehr gut und einfach gemacht, da es Variation hinein bringt, aber die einfache Grundmechanik nicht kompliziert.
Ist man erstmal verletzt, möchte man natürlich auch wissen, wie es um die Heilung steht. Auf natürlichem Wege heilen Charaktere 4 STAMINA-Punkte pro ausreichender Nachtruhe; zusätzlich – und das ist auch den Büchern entlehnt, aber nicht weniger klasse – kann man durch Essen STAMINA regenerieren: 2 Punkte pro Mahlzeit, wobei pro Tag nur die ersten 2 Mahlzeiten für STAMINA-Gewinn angerechnet werden. Da Charaktere zu Beginn im Höchstfall 16 STAMINA haben können, ist die Heilung also eine schnelle Sache. Ach ja, verlorene SKILL-Punkte durch kritische Treffer benötigen schon eine Woche Bettruhe, um auszuheilen. Das geht dann nicht so schnell.
Der SPECIAL SKILL “First Aid” kann ebenfalls bei der Rückgewinnung von 2 verlorenen STAMINA-Punkten helfen, wenn sofort nach dem Kampf die Wunden versorgt werden. Aber Vorsicht: ein Patzer kann hier sogar zu weiteren Verletzungen führen! Kritische Erfolge sind allerdings auch möglich.
Tot ist man in AFF2, sobald man -4 STAMINA erreicht hat. Davor (also ab 0 STAMINA) verliert man das Bewußtsein und verliert pro Minute einen Punkt LUCK. Wenn LUCK auf 0 sinkt, segnet man das Zeitliche. Erneut eine simple, aber gute Regelung, die auf die wenigen “Attribute” zurückgreift, die man in AFF2 besitzt.
Ich verschaff mir gerade einen Überblick über meine Rollenspielneuheiten von der RPC, den Anfang macht Aborea von 13 Mann. Das ganze soll keine Rezi sein, einige Teile habe ich bewußt überflogen oder auch noch keine Meinung zu ausformuliert, auch wenn andere das anders sehen. Der Artikel gerät dann recht ausführlich, weitere Einkäufe werd ich kürzer vorstellen – außerdem plane ich einen Vergleichsartikel zwischen den neuen Einsteigerrollenspielen. Söderle:
Die Box:
Inhalt: 2 W10 (+)
Spielerheft
Spielleiterheft
(machen nen guten Eindruck, dazu gleich näheres)
A2 Dorfkarte ( +++ – Die werd ich sicher einige Male zweckentfremden), oberflächenlaminiert.
A0 Weltenkarte, oberflächenlaminiert und durchaus schick. Etwas groß und erschlagend. Beeindruckend!
Konzeptionell: eine Box ohne Stufenbegrenzung, also keine Box für Stufe 1-5, sondern vollwertig.
Spielerband:
54 Seiten Hochglanzpapier, Coverumschlag leider nicht dickerem Papier, dreispaltig, Layout übersichtlich, es wird viel mit rot als dritter Farbe gearbeitet. Charakterbogen ist auf der Rückseite, gut, weil man das Heft nicht knicken muss, den sw-Kopierer dürfte das rot etwas stören – aber es gibt ja heutzutage genug farbige Mehrzweckgeräte oder eben den Download. Die vielen Kästchen zum Kennzeichnen des Fertigkeitsangs könnte etwas abschreckend wirken, aber die sind mit 10 Fertigkeiten + x Wissens-, x Waffenfertigkeiten und x Zaubersprüchen doch ausgedünnt und an zwei Händen abzählbar (gedruckt sind je 3). Daraus folgt auch, dass Zsaubersprüche nach dem normalen Fertigkeitensystem funktionieren.
Das ganze ist ein W10-Überwürfel-System, wobei die Zielzahl von “5″ (Routine) bis “18″ (absurd) reicht. 5 Attribute gibt es, dazu 5 Klassen, ähh Berufe (Dieb, Priester, Krieger, Waldläufer, Zauberer) und fünf Rassen (Mensch, Elf, Zerg, Gnom, Halbling.
Die Attribute werden in einem Punktekaufsystem erworben, man darf 35 Kaufpunkte auf die 5 Attribute verteilen, wobei es ab dem Wert “6″ zwei und bei “10″ vier Punkte kostet (additiv, also Attributswert “7″ kostet 9). “5″ ist der neutrale Wert, drüber gibt es je zwei Stufen einen Boni von +1 (7 = +1; 8= +2), drunter Mali (3-4: -1, 1-2: -2).
Die Rassen bzw. Völker sind auf 1-3 Seiten jeweils beschrieben, es werden auch Subarten vorgestellt. Regeltechnisch bietet ein Volk Attributtsmodifikatoren nach dem Kauf, die in Summe immer null sind, so auch Werte über “10″ möglich sind, und ein, zwei Kleinigkeiten wie Wärmesicht, zusätzliche Ausbildungs- oder Trefferpunkte. Einzige Einschränkung ist, dass Elfen keine Krieger und Zwerge keine Zauberer werden können.
Der Beruf ist regeltechnisch wesentlich dominanter als das Volk, z.B. bestimmen sie die Trefferpunkte, die sehr an (A)D&D erinnert, sprich 4 TPs beim Zauberer bis 10 beim Krieger. Auch einige der berufseigenschaften, z.B. der heimliche angriff des Diebes oder die gefolgsleute beim Krieger erinnern daran. An Rolemaster erinnert dann die unterschiedlichen Kosten für die verschiedenen Fertigkeiten beim Kauf.
Bei einer Probe, hier Manöver genannt, zählt also Wurf (übrigens explodierend), Boni von Attribut und Fertigkeit gegen eine Grundschwierigkeit. Wird um 5 überworfen, ist es ein besonderer Erfolg.
Beim Kampf gibt es ein paar Kniffe, der nicht genutze Offensivbonus ist der – aufteilbare – Defensivbonus. Es wird vergleichend gewürfelt und direkt in Schaden umgesetzt. 12 im Angriff gegen 8 in der Verteidigung (passiver Wert). Die Initative ist ein fester Wert, von geschicklichkeit oder Waffen abhängigt. Der langsamste legt seine aktion fest bis hin zum Gewinner der Ini, umgekehrt wird es dann angehandelt.
Magie funktioniert über Zauberlisten (5 Listen mit je 10 Zaubern von Rang 1-10 für Zauberer bzw. 2 für Priester, Priester wirken Leitmagie) und Magiepunkten (Rang entspricht Kosten).
Auf das Pantheon wird recht ausführlich eingegangen, die Schöpfungsgeschichte unterteilt nach Elfen, zwergen und Meschen, rund 25 Göttern. Auch nimmt man auf typische Bräuche und Riten bezug wie Reife, Hochzeit oder Tod bezug.
Zwei Seiten Rüstung, Ausrüstung und Waffen und zwei Seiten “Abschluß” mit Erklärungen zum EP-System (Stufensystem), Zeit, erstes Spiel oder spielerwissen beschließen den Band.
Achso, eröffnet wird es mit einem komplexen Beispiel in der ein erster Charakter gebaut wird und zuerst in Romanform beispiele gebracht werden, die dann in ein Solo überleiten.
Zwischenfazit: recht einfaches, taugliches System. Allein das Aktionsansagen im kampf gefällt mir als zu umständlich nicht.
Beispiel Fertigkeitswurf:
Sagen wir, ich möchte Klettern. Der SL legt die Schwierigkeit fest, es ist ein alter Nadelbaum mit keinen Ästen auf den ersten 10 Metern. Dies wäre ein dann ein leichtes Manöver gegen 8. (Mir fällt gerade auf, das “schwer” der Nachbar ist mit 10).
Dann würfele ich, eine 6. Dazu zähle ich mein Stärke- oder Geschicklichkeitsboni (beim Baum würd ich geschick, beim Berg eher Stärke ansetzen oder auch Konstitution). Der Attributswert beträgt 7, was ein “+1″-Modifikator wäre. Dazu habe ich einen Fertigkeitsrang von “2″ in Athletik.
Macht 6+1+2 = 9. Erreicht werden mußte eine 8, also geschafft.
Sagen wir, ich würfele ne 10, danach eine 2, dann hätte ich eine 15 und damit 7 mehr, das wäre dann ein besonderer Erfolg (ab 5 mehr), z.B. könnte ich dann schneller als üblich Klettern oder den Wölfen, die mich schnappen wollten, auf den Baum entkommen, bevor sie mir in den Fuß beißen.
Spielleiterheft
Den Anfang macht eine dreiseitige Erklärung zum Spielleiten mit vielen Tipps. Typische Situationen und Erfahrungen werden hier angesprochen, angefangen von schwierigen Spielern, Reaktionen der NSCs, Gewinne & Verluste und Tod von Spielcharakteren. Gut gefiel mir das dickgedruckte “Ohne Niederlagen keine Erfolge”.
Vier Seiten zum Thema (erstes) Abenteuer geben weitere Hinweise und spezielle Tipps in umrahmten Boxen (Motivation, Kennenlernen, Notizen, Reisen …) und geben schon das Intro zum Abenteuer “Die Raubsteine auf dem Buckel”, welches sich auf sechs Seiten erstreckt. Ein kleiner Dungeoncrawl in und unter einer Burgruine, wo sich einiges rumtreibt, aber logisch voneinander abgegrenzt ist. In weiteren Kästchen gibt es Tipps (z.B. Beschreiben, Miniaturen, Licht, Nahrung), es gibt Kampf, Entdeckungen, fallen, geheimtüren und Möglichkeiten der Interaktion. Bei zwei Räumen wurden keine Beschreibungstexte gegeben, sondern nur Eckdaten und einige Tipps, so dass der potentielle Leiter zu eigenen Beschreibungen angeregt wird. Wirklich gut gemacht!
“Mehr Regeln” stellt dann weitere Regeln sowie Optionalregeln vor, so z.B. weitere Optionen im Kampf (Deckung, kampf mit zwei Waffen oder Schießen mit mehreren Pfeilen), Krankheiten, Gifte, Fragen zu Magie (merk ich eine Bezauberung?) und das Herstellen magischer Gegenstände. Das Improvisieren wird angesprochen, wenn es für eine Situation keine Regeln gibt.
Auch die Heilregeln finden sich in diesem Kapitel – interessant hier: Aborea ist recht tödlich, nur “0″ ist bewußtlos, richtige Heiltränke, Heilzauber oder Heilkunst wirkt allerdings noch kurze Zeit nach dem Tod [Stufe in Minuten], diese Heiltränke sind recht teuer, günstiger sind Sachen, die die Regeneration erhöhen. Man regeneriert von Haus aus 1 TP + Konstibonus, kann über Wissen (Heilkunde) erhöht werden.)
“Besonderes” stellt Rufpunkte vor, Göttliche Punkte (Gummipunkte, die für Aktionen vergeben werden, die im Sinne des Gottes, den man angehört, ist. Mit diesen kann man Rerolls bezahlen oder hat je Punkt (max. 5) 20% auf Wiederbelebung), Berufswechsel, Dynastie (Wie man eine ganze Linie von (verwandten) Helden spielt, sehr cool) und Talentbäume (alle drei Stufen ein Talent, immer Auswahl zwischen min. zwei Talenten).
“Die Welt” beschreibt dann Aborea fokussiert auf die Region um Leet (je näher, desto genauer) auf 10 Seiten.
“Ideen” bietet drei Abenteueransätze mit zwei Karten und einen Abenteuergenerator´, “Monster” vier Seiten Kreaturen und “Schätze” Schatztabellen, eine erweiterte Ausrüstungsliste und einige Artefakte.
Die Rückseite ist der Bogen “Mein Abenteuer”, auf den man die Grundzüge seines Abenteuers notieren kann.
Sonstige Beobachtung: es wird gesiezt. Das war aber eine bewußte Entscheidung, man hat beide Varianten erprobt.
Die Graphiken sind durchgehend vollfarbig und von guter Qualität.
Beide Karten sind der Hammer, insbesondere die von Leet werd ich noch öfter nutzen!!!
Fazit: Für ein Einsteigersystem viel richtig, wenig falsch gemacht! Toll. Und für 20 Euro würd ich es mir alleine für die Dorfkarte holen … ^^
Gut gerüstet im Sommer auf“s LARP, das heißt im Winter Kettenhemd stricken … Mit Gut gerüstet legt Steffen Schnee im Zauberfederverlag eine Anleitung auf 64 Seiten im flexiblem Paperback für knapp 20 Euro vor.
Als ich vor x Jahren mit dem Liverollenspiel angefangen hatte, packte mich einst auch die Lust zum eigenen Kettenhemd – schließlich waren es auch noch unbezahlbare Preise, die heute doch deutlichst gesunken sind. Kettenhemden und Zange waren schnell gekauft, aber die Lust verflog recht schnell – was fehlte war im Prinzip eine Anleitung. Eine Anleitung wie eben dieses Buch.
Bevor es jedoch losgeht, gibt es erstmal einen knappen historischen Abriss sowie eine Warnung vor den Gefahren wie Unfälle beim Fertigen oder Allergien. Und auch derjenige, der nicht auf gekaufte Kettenringe zurückgreifen möchte, bekommt aufgezeigt, wie man eigene Ringe fertigen kann – vom Wurmen an der Spulmaschine bis hin zur professionellen Drehmaschine.
In „Muster und Techniken“ wird anhand von Skizzen und Fotos gezeigt, auf welche Art und Weise man die Kettenhemden verstricken muss. Knapp 20 Arten und Musterungen, teilweise ineinander greifend werden vorgestellt und so erklärt, dass späteres Nachbasteln leicht fallen sollte.
Dafür ist dann jedoch erstmal „Herstellung eines Kettenhemdes“ zu Rate zu ziehen. Hier lassen sich die zu benötigten Flächen berechnen, Schnittmuster aussuchen und das „4 in 1“-Grundmuster wird detailliert erläutert inkl. des Einsatzes der Zangen zum Biegen. „Ringe vernieten“ zeigt dann eine weitere Technik auf, Kettenhemden herzustellen. Neben der eigentlichen Niettechnik wird auch die Herstellung eigener Werkzeuge erläutert, wie man z.b. einen Seitenschneider modifiziert.
In eigenen Kapiteln wird auf die Herstellung von „Kettenhauben“ und „Beinzeug“ eingegangen. Und zuguterletzt gibt es Hinweise zur Pflege des in langer Arbeit erschaffenen Kettenhemds und im Anhang einen Haufen Links mit Bezugsquellen und Bastelideen.
Der Zauberfederverlag hat ja mit Bild- und Fotobänden eine echte Nische entdeckt und das Knowhow, was sie von da haben, setzen sie hier ein, um die Bastelanleitungen optisch zu unterstützen. Und das wirklich mit vielen Bildern und Schritt für Schritt, so dass es verständlich bebilderte Anleitungen werden, die den meisten als gute Arbeitsgrundlage dienen dürfen. Die reichhaltige Bebilderung hat noch einen Vorteil – frei nach dem Motto „Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte“ schafft die Bebilderung auch genug Platz, um wirklich auf viele verschiedene Themen einzugehen.
Fazit: Auf 64 Seiten bekommt man ein sehr umfangreiches, umfassendes Werk. Sicherlich gibt es auch gute, kostenlose Anleitungen im Netz, aber kaum eine wird mit der gut aufbereiteten, reich bebilderten Art des Buches aufnehmen können – dazu kommt die Verknüpfung mit anderen Mustern und Stilen. Kurzum, wer bereit ist mehrere Hundert Euro in Ketteringe zu investieren, sollte vielleicht auch die 20 Euro in eine gute Anleitung investieren.
Argamae nimmt das HMb-Abenteuer/Schauplatz im Detail unter die Lupe:
EINLEITUNG Frandor’s Keep (im Folgenden FK genannt) hat den Untertitel “an immersive setting for adventure”. Und damit will es nicht bloß ein Abenteuer sein, sondern die Spieler nebst Charakteren in einen ganzen Schauplatz einbetten, an dem es mehr zu entdecken gibt als offensichtliche Verlieseingänge, die mit dem großen Leuchtreklameschild “Abenteuerplot – hier entlang!” gekennzeichnet sind. Und dies – das sei vorweg genommen – macht FK so vorzüglich, daß die Charaktere glatt an besagten “Verlieseingängen” vorbeilaufen könnten, ohne diese zu bemerken.
FK liefert einen Mikrokosmos, der wiederum in den Makrokosmos der Königreiche von Kalamar (KoK) eingebunden ist. Letzteres ist das offizielle Setting der neuen HackMaster-Ausgabe. Wo im Vorgänger noch “Garweeze Wurld” als Hintergrundsetting bedient wurde, hat man sich nun auf das Ur-Produkt des Verlages eingeschossen – soweit ich weiß, betrat der Kenzer & Co. Verlag damit die Rollenspielbühne. Und somit hat sich auch die Ausrichtung von HackMaster und damit einhergehend auch der dafür konzipierten Abenteuer leicht gewandelt – weg von der teils überdeutlichen Satire auf AD&D hin zu einem ernstzunehmenden, realistisch wirkenden Fantasykosmos mit unbeschönigter, unsentimentaler Abenteuerkost.
Dennoch ist FK neben allen anderen Dingen eine Hommage. An Gary Gygax. Und an dessen unsterbliche “Festung im Grenzland”, einem der ersten D&D-Abenteuer, daß neben Abenteuermöglichkeiten auch einen ausgearbeiteten Handlungsschauplatz lieferte.
Okay, also ist Frandor’s Keep (dt. Frandors Festung) eine Burg in der Wildnis? Ja, exakt. Auch sie liegt in einer Art Grenzland zwischen dem Stadtstaat P’Bapar und den wilden Hügeln und Bergen der Krondhöhen. Hier ist immerwährende Wachsamkeit gefragt, denn vor ein paar Jahren kamen durch die Pässe ein paar Orkstämme hinab, die kurzzeitig eine schwere Bedrohung für die zivilisierten Lande darstellten und die erste Festung überrannten. Nun soll die neu erstarkte Wehr weiteren Monstern den Zugriff auf die Dörfer und Ortschaften erschweren und am besten im Keim ersticken. Natürlich gibts in so einer geschichtsträchtigen und gefährlichen Grenzregion ständig was zu erleben und zu entdecken. Auftritt der Spielercharaktere.
WAS IST DRIN, WIE SIEHT’S AUS?
Zwischen den beiden Pappdeckeln des Softcovers, die auf ihren Innenseiten eine farbige Karte (einmal Region/Gelände, einmal die Festung in der Draufsicht) präsentieren, liegen 142 S/W-Seiten, die fluffiges Geschwafel auf ein Minimum begrenzen und dafür grundsolide, spielfertig aufgearbeitete Relevanz transportieren. Dabei wird der Text, der übersichtlich und SL-freundlich formatiert ist, immer wieder von S/W-Zeichnungen aufgelockert, die gleichzeitig (fast) alle ebenfalls spielrelevant sind – d.h. sie zeigen NSC oder Teilausschnitte des Gesamtschauplatzes. Somit sind sie auch als Handouts dienlich. Die Qualität der Zeichnungen ist dabei insgesamt hoch; mindestens einer der Illustratoren ist bereits aus der ersten Edition von HackMaster bekannt.
Was gerade in Punkto Präsentation besonders ins Auge sticht, ist die detailverliebte Kartographierung der gesamten Region sowie der Festung selbst. Erstere mutet mit ihren topographischen Einzelheiten deutlich “echter” an als viele andere Fantasykarten und letztere wird bis auf jedes Einzelgebäude exakt dargestellt. Weitere Ausschnittskarten der jeweiligen Festungsabschnitte sind vor jedem Textabschnitt mit den entsprechenden Beschreibungen eingefügt (Abmessungen, Gebäudehöhe, Bewohner, etc.), wobei diese sogar in einer 3D-Vogelperspektive gezeigt werden.
Wie schon aus früheren Produkten von Kenzer & Co. gewohnt, sind alle NSC mit einem übersichtlichen und knappen “statblock” ausgestattet, der die wichtigsten Spielwerte bereit hält. Eingebunden hierin sind auch die Informationen, die der betreffende NSC über Schauplatz und Abenteuermöglichkeiten bereithält – und zwar stichwortartig mit Bezug auf eine große Info- und Gerüchtetabelle, die zu Beginn des Buches präsentiert wird.
DAS EINGEMACHTE
FK orientiert sich in seiner Organisation und Lesereihenfolge am SL und dessen Wunsch nach Vorbereitung des Spielmaterials. Und das macht FK nahezu perfekt. Es beginnt mit einer informativen, aber knappen Beschreibung der politischen Region, fährt fort mit einer kurzen Behandlung der geschichtlichen Ereignisse der letzten 600-700 Jahre, zoomt dann in die direkte Spielumgebung der Festung und beschreibt hier dann mit etwas mehr Detail die umliegenden Ortschaften, Wegstationen, Straßen, Geländemerkmale und besonderen Gegebenheiten, inkl. Patrouillen, umliegende Wachtürme und saisonale Witterungseinflüsse. Hier erfährt man u.a., wie die Festung versorgt wird und wie Versorgungsgüter zur Festung gelangen. Es entsteht schon nach wenigen Seiten der wohlige Eindruck, daß sich die Autoren bemühen, die Festung glaubwürdig und vor allem sinnvoll erscheinen zu lassen.
Schließlich kommt der Leser in die direkte “Sichtweite” der Festung. Und hier fängt FK an, richtig zu strahlen. Die Beschreibung der Umgebung sowie der Festung selbst läßt im Grunde nichts zu wünschen übrig. Es wird erläutert, wie man hinein gelangen kann (oder auch nicht, wenn die Wachen mal ‘nen richtig schlechten Tag haben), welche Kontrollen einen erwarten, wie mit Nichtmenschen verfahren wird (in diesem Setting ist Rassismus auch eine tägliche Realität), wohin man überhaupt ohne Kontrolle gehen darf, welche Unterkünfte Reisenden zur Verfügung stehen, was passiert, wenn man draußen bleiben muß (sollte man zu spät kommen und die Tore sind bereits geschlossen worden), was es mit der Zeltsiedlung im nahegelegenen Steinbruch auf sich hat, wo Obst- und Gemüsegärten für die Festung angelegt worden sind, wieso innerhalb der Streitkräfte deutliche Klassenunterschiede bestehen, etc. pp. Es wird sogar – für mich neu – darauf eingegangen, wie die Festungsbewohner ihr “Geschäft” verrichten und wohin die Kloake verschwindet. Großes Kino! Man merkt, daß sich jemand wirklich mal hingesetzt hat, um sich genau zu überlegen, wie solch eine Festung aussehen, funktionieren und weiter existieren könnte – und vor allem, daß es sich ja in letzter Instanz immer noch um einen Militärstützpunkt handelt.
Wer nun befürchtet, man habe hier einen unverrückbaren Kanon zu erwarten, in dem jede NSC-Haarfarbe und jeder Baum genau festgelegt sind, dem möchte ich diese Befürchtungen zerstreuen. Natürlich beschreibt FK eine Menge zu den verschiedenen Aspekten der Festung und dem Leben darin, aber es sind genau jene Infos, die jedem SL, der seinen Namen verdient, das Leben so viel einfacher machen. Wann sind Wachablösungen? Wie viele Wachen sind zu jeder Stunde am Tor zu erwarten? Wie hoch sind die im Umland verstreuten Wachtürme? Wie verständigen sich die Wachtürme untereinander und mit der Festung? Gibt’s hier ‘nen Kleriker, der keine Wucherpreise für Heilung verlangt? Welche Gegenstände bekomme ich genau bei “Pakori’s Waren” in der Zeltsiedlung? Was passiert zu Kriegszeiten mit den Ansiedlern? Welche Tiere und Monster sind in den Hügeln um die Festung zu erwarten? Was findet mein Charakter in den Taschen der erschlagenen Goblins? FK bietet Anworten auf diese und viele andere Fragen an, die in Spielrunden früher oder später entweder von den Spielern oder den Charakteren in-game gestellt werden. Der Detailgrad von FK ist geeignet, ein lebendig wirkendes, atmendes Umfeld für die SC zu erschaffen, damit diese sich noch besser in Welt, Charakter und Abenteuer hinein versetzen können.
Apropos Abenteuer: da war doch eingangs was mit “Leuchtreklameschilder” gibt’s hier nicht. So isses. Aber selbstverständlich ist FK nicht ohne Abenteuer – im Gegenteil. Aber FK setzt sozusagen eigenverantwortliche Spieler voraus, die sich nicht mit der Prämisse “I love you to entertain me, game master!” an den Spieltisch setzen. Soll heißen: Spieler, die erwarten, daß der Abenteuerplot sie anspringt und an den Haaren zu den Hinweisen schleift, werden in Frandors Festung sicherlich ein ruhiges Leben haben. Wer nicht selbst aktiv wird, stolpert höchstens mal zufällig über eine der vielen Abenteuermöglichkeiten. Mit NSC sprechen, Anschläge am Bekanntmachungsbrett lesen oder dort sogar selbst welche anbringen, sich quasi einleben in der Festung und Kontakte knüpfen – dann könnten Abenteuer schnell die Folge sein. Denn wenn FK eines deutlich macht und so auch für SL und Spieler transportiert, dann das: die SC sind nicht die Heilsbringer, auf die man in der Festung gewartet hat, denn hier läuft das Leben auch ohne Anwesenheit der Abenteuergruppe weiter. Aber wenn die SC die Initiative ergreifen, um sich als “Helden” zu beweisen, dann, ja dann könnten sie vielleicht zu solchen Heilsbringern werden.
Insgesamt bietet FK drei vollständig ausgearbeitete “abendfüllende” Abenteuer an sowie 6 weitere Abenteuergelegenheiten (umrissen, aber nicht vollständig – d.h. mit allen Spielwerten – ausgearbeitet); zusätzlich gibt’s allein durch die Beschreibungen in den einzelnen Kapiteln (zu den jeweiligen Abschnitten des Schauplatzes) über 20 kleine Abenteuer-Aufhänger (die natürlich auch zu größeren Herausforderungen anwachsen können).
Die ausgearbeiteten Abenteuer sind vollumfänglich spielbereit. Sie enthalten für jede Begegnung alle relevanten Informationen, inkl. mögliche EP- und Schatzgewinne. Zusätzlich sind sie natürlich mit einer Einleitung, Hinweisen auf die Einbettung der SC und sogar Vorlese-Texten (wenn man sowas mag) ausgestattet. Kleine Textkästen mit lesenswerten Infos zu Details des Abenteuers runden hier und da das positive Gesamtbild ab. Die drei “Hauptabenteuer” bauen etwas aufeinander auf und sollten daher in einer gewissen Reihenfolge gespielt werden. Es ist der offenen Natur dieses Abenteuermoduls jedoch zu verdanken, daß es selbstverständlich möglich ist, einzelne Abenteuer davon zu überspringen. Über die Abenteuer selbst und ihre Inhalte möchte ich an dieser Stelle nichts sagen, da ich diese leite und noch leiten möchte. Nur soviel: nur überlegt vorgehende Gruppen haben Aussicht auf Erfolg, denn die Gegner haben es in sich – gar nicht mal mit Bezug auf gute Spielwerte, sondern zum großen Teil auch, weil sie ebenfalls taktisch klug (jedenfalls nach Maßgabe der jeweiligen Gegnerintelligenz) agieren und Vorteile durch Gelände, Fähigkeiten, etc. gut für ihre Zwecke einzusetzen wissen. Außerdem ist in FK nicht alles schwarz und weiß – und jede Aktion erzeugt auch eine Reaktion. Was die SC also für sich oder einen NSC zum Ruhme tun, erregt Mißfallen oder Neid bei einem anderen.
Ein Anhang bietet dann nochmal extra “crunch” in Form von neuen Monsterbeschreibungen, Zusatzregeln und einer nützlichen NSC-Gesamtübersicht (die immerhin 100+ Einträge enthält).
FAZIT Frandor’s Keep ist eines der besten Fantasy-Einstiegsmodule, die mir bekannt sind. In diesem Punkt schlägt es die altehrwürdige Vorlage “Die Festung im Grenzland” um mindestens eine Potenz. Es ist den Machern von Kenzer & Co. anzumerken, daß sie klassisches Fantasyrollenspiel begriffen haben und wissen, daß neben einem (bzw. mehreren) Abenteuern auch ein echt und lebendig wirkendes Umfeld nebst Rückzugsmöglichkeit wichtig ist, um das Eintauchen in eine andere Welt noch spürbarer zu machen. Die wachsende Identifikation mit der Festung und seiner Aufgabe ist ein sich natürlich entwickelnder Prozeß in diesem Modul, der ganz automatisch Freunde und Feinde für die SC generiert. Der Detailgrad von FK ist eine perfekte Balance zwischen konkreten Infos und ausreichend Entwicklungspotenzial für SL wie Spieler. Die gesamte Aufarbeitung des Materials vom Standpunkt eines Rollenspiel-SL ist ebenfalls vorbildlich und verdient extra Lob. Der Untertitel auf dem Cover geht voll auf.
Darüber hinaus ist FK auch ganz allgemein ein hervorragendes Beispiel für gutes Abenteuer-Design: ein lebendiger, glaubwürdiger Schauplatz, der für sich existiert – und nicht für die Spielercharaktere. Dadurch gibt’s auch keine “Story-Fallen” oder “Es-geht-nicht-weiter”-Situationen. Es ist die formidable Umsetzung der Grundprämisse von Grenzlanden: jeder, der hier her kommt, kann nur seine Taten für sich sprechen lassen…
Das Videoreviewportal SpieLama stellt das Einstiegs-(brett-)rollenspiel Quest in drei Teilen vor. Wir haben uns auch gekauft und schon gespielt, durchaus vergnüglich, weswegen wir Euch das Video-Review nicht vorenthalten wollen. Übrigens scheint es durchaus geeignet zu sein, erste Schritte in der Rollenspielwelt zu tun.
Wer gerne Brettspielreviews sieht, sollte auch mal in ihren Kanal schauen.
Nachdem das Buch schon länger erschienen ist, haben wir es neulich ausgetestet, insbesondere die “Echtzeit-Kämpfe” sind ein interessanter Mechanismus. Aber Olaf Buddenberg aka Argamae hat nicht nur gespielleitet, er hat auch eine ausführliche Rezension geschrieben:
EINLEITUNG
Viel wurde schon über HackMaster geschrieben, sowohl von mir, jedoch primär von anderen. Die ganze Historie dieses als AD&D-Persiflage begonnenen Spielsystems (dessen erste Ausgabe von 2001 auch als HackMaster 4th Edition bekannt ist) möchte ich hier nicht erneut wiederkauen, sondern gleich ans Eingemachte gehen.
AUFMACHUNG Das HackMaster Basic Softcover (im Folgenden HMb genannt) entspricht den Standards, die man von einem vernünftig geleimten Buch erwartet. Es ist leidlich strapazierfähig und läßt sich gut aufgeklappt hinlegen. Natürlich stossen die Ecken schnell ab und auch das farbige Coverbild zeigt alsbald Abrieb. Stichwort: Coverbild. Erol Otus, Illustrator-Urgestein aus den Anfangstagen des Rollenspiels (D&D), steuerte hier eines seiner typischen “schrägen” Bilder bei, die irgendwie alle altmodisch aussehen und wie unprofessionelle Fan-Art wirken. Otus-Titelbilder schreien “old school” mit jedem Pinselstrich, weswegen jeder Grognard/Veteran auch sofort weiß, was auf ihn zukommen wird. Neu-Rollenspieler, die ein Fantasy-System suchen, dürften jedoch eher abgeschreckt sein, da ihre Erwartungen an ein ansprechendes, zeitgemäßes Coverbild zweifellos von modernen Top-Publikationen und Computerrollenspielen geprägt sind. Ob das am Ende nicht ein Schnitt ins eigene Fleisch war, wird Kenzer & Co. wohl selbst herausfinden. Etikettenschwindel wird man ihnen aber wohl kaum vorwerfen können.
Die weiteren S/W-Innenillustrationen sind von durchwachsender Qualität – es gibt einige sehr gute und stimmungsvolle (Carpenter!), aber auch schlechte und billig wirkende Zeichnungen. Einen einheitlichen Stil verfolgen diese Illustrationen nicht. Das kann man auch insgesamt vom Seiten- und Absatz-Layout sagen. Es wirkt mitunter nervös und “zusammengeklebt”. Keine Ahnung, ob man sich einfach nicht mehr Mühe gegeben hat oder ob dies absichtlich irgendwelche imaginären oder tatsächlichen “old school”-Vorlagen erfüllen soll.
SETTING?
HMb ist zwar nicht ohne Kampagnenwelt, doch diese wird im Regelwerk nur ganz, ganz am Rande erwähnt – die Basic-Regeln sollen für sich stehen können, soviel ist beabsichtigt. Tatsächlich verwendet HMb die KINGDOMS OF KALAMAR, die aus gleichem Hause stammen; bereits vor 15 Jahren erschienen sie erstmals als systemunabhängige Kampagnenwelt und sind später für D&D 3.5 neu aufgearbeitet worden. Die “Königreiche von Kalamar” sind ein interessanter Hintergrund, der glaubwürdig und “erwachsen” erscheint, da er u.a. Rassismus thematisiert.
Aber wie gesagt: HMb bietet sich ebenso gut für jedes hausgemachte Setting an.
CHARAKTERERSCHAFFUNG
HMb steigt sofort ins Geschehen ein: vor den ausführlicheren Erschaffungsregeln befindet sich ein Abschnitt mit einer “Express-Erschaffung” für Charakere. Diese besteht aus ein paar Würfen, wobei viele Optionen wegfallen und einige Entscheidungen bereits voreingestellt sind. Ein spielfertiger Charakter ist somit schnell gebaut.
Apropos: Bauen. HMb bedient sich einer Mischung aus zufallsbasierter und punktegesteuerter Charaktererschaffung, und die Vollversion der Charaktererschaffung hat es wahrlich in sich. Und zwar in punkto Zeitaufwand; dabei sind die Regeln nicht mal der größte Zeitfresser, sondern die teilweise katastrophale Organisation selbiger. Die Schritt-für-Schritt-Liste zum Charakterbau kann man dabei fast komplett vergessen, denn sie hilft kaum – ständiges Vor- und Zurückblättern, um Boni, Änderungen und Modifikatoren zu notieren oder rückwirkend neu einzurechnen ist das Gebot der Stunde(n). Ich bin sicher: das hätte man auch im Ablauf deutlich freundlicher gestalten können.
Im Detail: HMb atmet deutlich den Geist der frühen klassenbasierten Fantasyrollenspiele (sprich: AD&D) und definiert einen Charakter über 7 altbekannte Attribute (ein weiteres, Honor, wird aus den übrigen abgeleitet), die Rasse (vier “Standards” werden vorgestellt: Elfen, Halblinge, Menschen und Zwerge), die Charakterklasse (vier Grundklassen sind enthalten: Kämpfer, Dieb, Kleriker und Zauberer) sowie einer Vielzahl von Fertigkeiten, die über einen Prozentwert quantifiziert werden. Ergänzend kann man einzelne “Talente” und “Kenntnisse” kaufen, die in etwa mit den “Talenten” und “Umgang mit …” aus D&D 3.5 vergleichbar sind, jedoch in Variation und Anzahl deutlich geringer ausfallen. Die Werte der Attribute orientieren sich an der 3-18-Skala und werden mit 3W6 ausgewürfelt – hohe Werte sind also wirklich was besonderes. Ferner belohnt das System die Spieler, die alle ausgewürfelten Attribute in der vorgegebenen Reihenfolge ohne Abänderungen hinnehmen. Zusätzlich hat jedes Attribut noch einen angehängten Prozentwert (wird zufällig ermittelt), der anzeigt, wie nah man an einer Steigerung des Attributes um 1 Punkt ist: dazu muß man im Verlauf des Spiels (oder auch schon der Erschaffung) den Prozentwert über 100 steigern. Wie in alten AD&D-Zeiten wirkt sich jedes Attribut auf ein oder mehrere andere Spielwerte aus und bringt Modifikatoren mit sich. Ein paar Tabellen zum Auswürfeln von Hintergrund-Details zum Charakter (Familie, Geschwister) sind auch enthalten, deren Ergebnisse mitunter wieder spielrelevante Modifikatoren mitsichbringen.
Wurde dem Zufall genüge getan, kommen die “building points” (BP) ins Spiel; 50 davon erhält jeder Spieler zur freien Verwendung. Mit diesen erkauft man sich so ziemlich alles andere, etwa “re-rolls” (Wiederholungen von Tabellenwürfen) oder die oben erwähnten Talente und Fertigkeiten. Auch Waffenspezialisierungen können hiermit ausgebaut werden. Die Wahl einer Charakterklasse kostet ebenfalls BP, wobei die Kosten gemäß der üblichen Klischees gewichtet sind: Zwerge müssen deutlich mehr berappen, wenn sie Zauberer werden wollen, als Elfen oder Menschen. Dafür kommen sie als Kämpfer recht günstig weg. Menschen zahlen für jede Klasse gleich viel. Gesinnungen gilt es übrigens auch zu wählen – ganz nach D&D’schem Vorbild.
Zeitaufwendig wird dann auch der Einkauf und die Steigerung von Fertigkeiten, die HMb in universelle und nicht-universelle Fertigkeiten unterteilt. Die universellen (Klettern, Überleben, Observation, etc. pp.) beherrschen alle Charaktere auf einem Grundwert, die anderen müssen erst gekauft werden. Jede Fertigkeit hat einen eigenen Kostenwert, wenn man sie steigern will. Auch hier ist also viel Blättern angesagt, denn im ganzen Buch ist nicht eine Übersichtstabelle aller Fertigkeiten inkl. ihrer Kosten enthalten.
Abschließend will man dann natürlich noch Ausrüstung kaufen – und hier hält sich HMb dann auch mal vornehm zurück. Nur einige wenige Ausrüstungslisten sind enthalten. Der Währungsstandard ist übrigens mal nicht die Gold- sondern die Silbermünze.
DIE RASSEN
Die für Fantasy-Rollenspiele ja schon standardisierten Rassen der Elfen, Zwerge, Halblinge und Menschen werden bei HMb durch eine Reihe von Boni (und Mali) unterschieden, die sie auf Attribute und Rettungswürfe erhalten, sowie durch “Vorteilspreise” beim Kauf bestimmter Talente. Außerdem erhalten manche Rassen automatische Steigerungen in einigen Fertigkeiten; Sonderfähigkeiten (etwa die Dunkelsicht der Zwerge oder das Geheimtürenfinden der Elfen) kommen auch ins Spiel. Abseits einer kurzen Charakterisierung der jeweiligen Rasse enthält HMb aber keine weiteren Infos (so sucht man also Kampageneninfo vergeblich; wie oben erwähnt, thematisieren die Grundregeln das Kernsetting kaum).
DIE KLASSEN
Primär unterscheiden sich die Klassen durch ihre Boni (bspw. auf Initiative, Verteidigung oder Rettungswurf-Modifikatoren) und anfänglichen Fertigkeiten, die sie erhalten. Und natürlich gibt es immer etwas, was jeweils nur eine Klasse kann: Magier können mächtige arkane Zaubersprüche loslassen, Kleriker können Untote vertreiben und göttliche Zauber wirken, Kämpfer können sich am billigsten von allen Klassen in Waffen spezialisieren und sind zäher im Kampf (höhere Schmerzgrenze, siehe unten). Diebe schließlich haben höhere Fertigkeitswerte in den typischen Diebeskenntnissen und verfügen über Glückspunkte (mit denen sie Würfelergebnisse “schönen” können) sowie den hinterhältigen Angriff – ein Klassiker!
SPIELSYSTEM
Bislang könnte man meinen, daß HMb doch sehr treu bei seinen AD&D-Wurzeln steht. Aber auch, wenn der Eindruck nicht täuscht, weichen die Regeln im Detail dann doch sehr von der übermächtigen Vorlage ab. Deutlich wird dies nicht nur im Kampfsystem, daß sehr zur Freude von Rüstungsklassen-Gegnern auf eine aktive Verteidigung (Parade, Ausweichen) sowie Schadensreduzierung durch Rüstungen setzt. Doch dazu später mehr. Das Grundregelwerk deckt die Stufen 1-5 ab, ähnlich der “roten Box” von D&D, die alle Regeln bis Stufe 3 enthielt.
Einer der Kerne von HMb ist der sogenannte “penetrating” Wurf, also ein Würfelwurf, bei dem ein oder mehrere Würfel penetrieren – d.h. beim höchstmöglichen Ergebnis erneut gewürfelt werden. Solche Würfel werden mit einem kleinen “p” dahinter gekennzeichnet. Wird erneut das höchstmögliche Ergebnis erzielt, darf nochmals gewürfelt werden. In einer anderen Welt und Zeit könnte man das auch “explodieren” nennen. So können bei einem glücklichen Händchen sehr hohe Ergebnisse erzielt werden (etwa bei Rettungs- oder Schadenswürfen). So kann man die zugrundelegende Spielmechanik von HMb in etwa wie folgt zusammenfassen: man würfelt mit einem W20p + Modifikator gegen einen Wert (der meist aus einem gegnerischen W20p + Mods besteht). Hat man den höheren Wert erzielt, ist der Wurf gelungen (Angriffe, Verteidigung und Rettungswürfe laufen z.B. nach diesem Schema ab). Bei Fertigkeiten kommt der W100 zum Einsatz, wobei hier unter dem Wert der Fertigkeit gewürfelt werden muß. Einfachere Würfe sind hierbei mit deutlichen Modifikatoren belegt, die es auch niedrigstufigen Charakteren erlauben, mit ihren mickrigen Fertigkeits-Prozentwerten Erfolge zu verbuchen. Erst ab “schwer” würfelt man ohne Modifikatoren, ab “sehr schwer” gibt’s Abzüge. Bei vergleichenden Fertigkeitsproben muß der aktive Charakter mit W100 plus Fertigkeitswert (z.B. Schleichen) über dem Wurf des passiven Charakters (ebenfalls W100 plus dessen Fertigkeitswert, in diesem Beispiel Observation) liegen, um Erfolg zu haben.
Alles in allem eine solide, erprobte Spielmechanik ohne Schnörkel oder Glanz, die durch das “Penetrations”-System zusätzliche Spannung erhält.
KAMPFSYSTEM
Diesen Bestandteil der allgemeinen Spielmechanik möchte ich kurz näher beleuchten, da er interessante Aspekte hat. Zunächst einmal gibt es die klassische “Kampfrunde” nicht mehr – sobald die Initiative gewürfelt wurde (deren verwendeter Würfel je nach Situation variiert), zählt der SL Sekunde für Sekunde hoch. Theoretisch hat jeder Charakter in jeder Sekunde Gelegenheit, seine Handlungen zu ändern bzw. eine zu beginnen. Bewegung findet somit simultan statt; treffen zwei Kombatanten aufeinander (kommen also in Schlagreichweite), ist die jeweilige Waffenlänge bzw. -reichweite entscheidend – wer den “Längeren” hat, kann zuerst angreifen; wann er erneut angreifen kann, hängt vom Speed der verwendeten Waffe ab. Gehen, Rennen, einen Zauber sprechen, die Waffe wechseln, einen neuen Pfeil auf die Sehne legen – alles dauert soundsoviel Sekunden. Insbesondere Kämpfer sind gut darin beraten, einige BP in die Spezialisierung ihrer bevorzugten Waffe(n) zu stecken – hier kann man 4 Parameter individuell steigern: Attack (modifiziert den Angriffswurf), Speed (modifiziert die inhärente Geschwindigkeit der Waffe und man kann sie schneller wieder bereit machen), Defense (erhöht die Parade bzw. den Verteidigungswurf) und Damage (sorgt für ein größeres Plus hinter den Schadenswürfeln).
Waffenschäden werden über Penetrationswürfe abgewickelt – wer also glücklich würfelt, kann enormen Schaden anrichten. Doch auch so ergibt sich in HMb die Möglichkeit, Gegner kampfunfähig zu schlagen, ohne ihre gesamten Trefferpunkte auf Null zu reduzieren. Als Funktion von Gesamt-TP und Stufe/Klasse besitzt jeder Charakter (und jedes Lebewesen) einen ToP – Threshold of Pain (etwa: Schmerzgrenze). Wird ein Gegner mit einem Schadenswurf höher als der ToP-Wert getroffen, muß er einen Rettungswurf ablegen oder nahezu handlungsunfähig zu Boden gehen.
Auch Schilde kommen in HMb endlich zur vollen Entfaltung. So erhöhen sie die Verteidigungsfähigkeit, absorbieren Schäden und dienen bei Beschuß als Deckung. Aber sie können auch durch schwere Hiebe zerschmettert werden. Sehr anschaulich ist auch, daß überzähliger Schaden (den das Schild nicht aufgehalten hat) auf den Träger einwirkt – quasi durch Prellungen aufgrund der Einschlagswucht. Apropos: Einschlagswucht – auch das Zurückdrängen eines Gegners aufgrund heftiger Treffer wird durch die Regeln erfasst. Wenn dann das nächstemal ein Kampf nahe einer Schlucht stattfindet, wird sich wieder Angstschweiß auf den Stirnen der Spieler bilden!
Bögen und Armbrüste erhalten in HMb auch eine größere Bühne – in den Händen ausgebildeter Schützen sind es gefährliche und formidable Waffen.
Kopfschmerzen dürfte das Heilsystem von HMb hervorrufen – zumindest aber einen beträchtlichen buchhalterischen Aufwand. Denn Wunden heilen individuell. Erleidet man also in einem Kampf drei Treffer (3, 5 und 8 Punkte Schaden), hat man insgesamt zwar 16 TP verloren – doch die Wunden werden einzelnd vermerkt. Der erste TP heilt nach soviel Tagen wie die Wunde Schaden verursacht hat – im obigen Beispiel also nach 3 Tagen bei der 3-TP-Wunde, nach 5 Tagen bei der 5-TP-Wunde und … okay, kapiert, oder? Danach werden daraus eine 2-TP-Wunde und eine 4-TP-Wunde usw. Bis die Wunde auf natürliche Weise komplett verheilt ist, gehen also bei der 3-TP-Wunde (3+2+1=6) sechs Tage ins Land; bei der 5-TP-Wunde sind es schon über zwei Wochen (5+4+3+2+1=15) und die 8-TP-Wunde benötigt bereits über einen Monat! Diese Heilzeit kann natürlich durch Einsatz der Erste-Hilfe-Fertigkeit und andere Umstände beschleunigt werden. Tipp an dieser Stelle: ich empfehle jedem ernsthaften Abenteurer den Kauf des Talentes Fast Healer. Es kostet nur 10 BP und reduziert die Heilung jeder Wunde um 1 Tag.
Insgesamt ist das Kampfsystem von HMb gewöhnungsbedürftig, da verwaltungstechnisch anspruchsvoll, aber es erscheint schon nach relativ kurzer Zeit recht intuitiv. Neue taktische Möglichkeiten bringt es auch mit sich.
MAGIE HMb präsentiert für jede Charakterstufe auch eine Spruchstufe – im Gegensatz zu D&D gibt’s also schon im Grundregelwerk fünf Spruchstufen. Die Magier erhalten ferner Zugang zu Apprentice - und Journeyman-Zaubern (also etwa Lehrlings- und Gesellenzauber), die der ersten regulären Zauberstufe vorausgehen. Am Anfang backen beide zauberfähigen Klassen ziemlich kleine Brötchen – umso mehr Luft für mächtige Zauber bleibt dann nach oben.
Die arkane Magie arbeitet mit Spellpoints (dt. Zauberpunkte) und dem aus D&D bekannten Einpräg-System (zusätzlich zu Materialkomponenten bei machen Zaubersprüchen). Auswirkung bei HMb: nicht eingeprägte Zauber kann man zwar sprechen, aber sie sind doppelt so teuer. Auf Stufe 1 hat der Magier 140 Spellpoints. Dafür kann er z.B. zwei Zauber der Stufe 1 und einen Gesellenzauber sprechen. Interessant ist, daß viele Zauber die Möglichkeit geben, zusätzliche SP beim Zaubern zu investieren, um Effekte des Zauberspruches zu steigern: Schaden, Reichweite, Wirkungsgebiet, etc. Da sind dann aber schnell die SP verbraten. Dennoch dürfte etwas äußerst Genugtuendes darin liegen, seinen letzten Feuerball mit allen verbleibenden Zauberpunkten aufzumotzen, um einen brennenden Eindruck zu hinterlassen!
Kleriker müssen sich mit weniger offensiven Zaubern und einer kleineren Spruchauswahl zufrieden geben und obliegen beim Anwenden ihrer Magie natürlich der Gunst ihrer Gottheit. Dafür schlagen sie sich aber auch nicht mit Spellpoints herum – ihre Gottheit sorgt dafür, daß genug Energie da ist, um die Magie auszulösen. Außerdem haben sie die begehrten Heilzauber, die in HMb wahrlich Gold wert sind (eingedenk der langsamen Heilungsrate in diesem System).
DER SPIELLEITER
… ist in HMb vornehmlich ein Do-it-Yourself-Man. Das Regelwerk gibt ihm nicht viel an die Hand – ein paar ergänzende Regeln zu Sturzschaden, Lichtquellen, Fallgittern und Geheimtüren, etc. sowie ein kleines Monstrositätenkabinett mit allen Spielwerten, aber ohne große Beschreibungen oder Erklärungen. Eben nur das Notwendigste. Dazu noch einen Abschnitt über Schätze und magische Gegenstände und – natürlich – Erfahrungspunkte. Gerade letzterer ist aber überhaupt nicht transparent im Hinblick darauf, wie genau die Punkte nun innerhalb der Gruppe aufgeteilt werden sollen. Das muß man sich schon zusammenreimen und anhand verstreuter Hinweise im Regelwerk “ableiten”.
Am Ende des Buches folgt noch ein Abschnitt über den bereits aus der Vorgängerversion von HackMaster bekannten “Gamemaster’s Code of Conduct” (dt. Verhaltenskodex für Spielleiter), der zwar irgendwie amüsant zu lesen ist, aber zart aufblühenden SL keine nennenswerte Hilfestellung gibt. Ebenso überflüssig ist imho das Kapitel über “Würfel-Etikette”, daß detailliert näherbringt, wie man Würfel handhabt, pflegt, auf ein Spiel vorbereitet, “auflädt”, richtig wirft (verschiedene Wurftechniken werden anhand einer schematischen Grafik erläutert) usw. Auch wird auf “Würfelaberglauben” eingegangen und die Wichtigkeit von Würfeln in HMb überdeutlich hervorgehoben. Okay, das alles ist natürlich eine Persiflage auf allgemeine Rollenspieler-Eigenarten, aber mehr Substanz (Regeln, SL-Sektion, Abenteuer etc.) wäre allemal besser gewesen als diese 11 Seiten über das primäre Spielgerät dieses Hobbys.
Von unschätzbarem Wert ist jedoch die Illustration der Kampfregeln in einem KotDT-Comicstrip (Knights of the Dinner Table). Die Spieler des Comics spielen hierbei eine Kampfszene mit ihren Charakteren durch, die humorvoll präsentiert wird, aber eben auch viele Kampfregeln genau aufdröselt, die allein als Regeltext vermutlich schwieriger zu verstehen gewesen wären. Dafür zwei Daumen hoch!
FAZIT
HMb ist ein simulationslastiges, komplexes Fantasy-Rollenspiel, dessen gute und detaillierte Regeln und Mechaniken unter dem Gewicht einer schludrigen Organisation und Präsentation (hier insbesondere das Layout) eingequetscht werden und damit nicht richtig “durchatmen” können. Nichtsdestotrotz ist das Grundregelwerk insich vollständig und spielbar, wenn man denn einen SL hat, der sich mit sowas auskennt. Anders gesagt: das hier ist nix für Neueinsteiger. Jene aber, die zwar Klassen- und Stufensysteme mögen, aber den Mechanismen von AD&D nie viel abgewinnen konnten und Midgard bzw. DSA für zu “hausbacken” hielten, könnten in HMb endlich das finden, was sie gesucht haben.
HMb mag auch geeignet sein, aufsässigen und selbstzufriedenen Power-Gamern eine Lektion in Sachen Demut zu erteilen. Auf jedenfall ist es “old school”, aber es ist eben nicht “rules lite”. Auch als Hassgeschenk für einen ungeliebten Storytelling-SL äußerst brauchbar!
Danke fürs Lesen,
Euer Argamae.
Von Kenzer & Company, USA; Macher von Knights of the Dinner Table, Aces & Eights: Shattered Frontier und Kingdoms of Kalamar. Softcover, 192 Seiten S/W, Englisch.
Ergänzung: nachdem ich ja nun die Abenteuermodule Frandor’s Keep sowie Realm of the Elm King gelesen und begutachtet habe, drängt sich mir der Eindruck auf, daß HMb absichtlich ein fahriges, unsauberes und unprofessionell wirkendes Layout erhalten hat. Denn die erwähnten Module sind Musterbeispiele für übersichtlich und spielfreundlich gestaltete Abenteuerbände. Auch die Auszüge von Regeln und Klassen aus dem HackJournal (Kenzer & Co.’s Haus- und Hofmagazin), in dem schon vorab Inhalte aus Advanced HackMaster abgedruckt wurden, sprechen eine ganz andere Sprache in Sachen Optik und Gliederung. Seltsam.
Die Vorfreude auf Advanced HackMaster wächst…
Christophorus hat sich Fetzer vorgenommen, in welches man schon in der DIE HÖRSPIEL reinhören konnte. Nun aber:
STORY
Deutschland im Jahre 2015: Dank des Ausbruchs des sogenannten »Carnivore-Virus« gehören schlurfende, gehirnsaugende Zombies mittlerweile zum (schlechten) Stadtbild. Doch in einer Zeit, in der die Medien als vierte Staatsgewalt fungieren, wird aus der Not eben eine Tugend und aus Untoten echte Filmstars gemacht.
Unter Horror-Fans verkaufen sich die Splatter-Orgien wie geschnitten Brot, ist es doch nunmehr nicht mehr nötig, auf sündhaft teure Special-Effects zurückgreifen zu müssen. Ein echter Zombie, der echten – wenn auch in der Regel todkranken – Menschen das Gehirn aus dem Schädel puhlt, macht eben viel mehr her und ist zudem auch noch preiswerter. Als Branchenführer in diesem noch jungfräulichen Massenmarkt sind die »Fetzer Filmstudios« natürlich sehr stolz auf ihre Werke, und ihr unumstrittener Superstar ist der hochintelligente Untote Gilberto Friemannsdorf-Hallorsen.
Dieser wird während der Dreharbeiten zu einem neuen Film jedoch von der jungen Miré, frischstes Mitglied einer speziellen Kampftruppe des Staatlichen Institutes für Seuchenkontrolle, kurz SIS, versehentlich aus dem Weg geräumt. Denn: Zwischen Institut und Filmbranche herrscht eine Art Friedensabkommen, das besagt, dass nur Zombies vernichtet werden dürfen, die in keinem Zusammenhang mit den Studios stehen und ihre Lust auf menschliche Gehirne nicht kontrollieren können. Leider vergaß Miré im Vorfeld, genau das zu kontrollieren.
Für Bot, den Einsatzleiter der Kampftruppe, eine echte Katastrophe. Und gerade, als die Fetzer Filmstudios ihn und seine Mitstreiter auf Schadensersatz in Millionenhöhe verklagen wollen, erreicht ein Notruf das Team, der alles verändern soll…
KRITIK
Die im Vorfeld der Veröffentlichung angekündigte »zynische Abrechnung mit der Mediengesellschaft« war natürlich nur PR-Trommelei, denn mehr als nur an der Oberfläche kratzen und ein amüsiertes Lächeln hervorzaubern kann »Fetzer«, die exklusive Zusammenarbeit zwischen Erfolgsautor Markus Heitz (»Die Zwerge«, »Collectors«), der die Vorlage lieferte, und dem Hamburger Hörspiel-Label LAUSCH, nicht. Vielleicht war das aber auch gar nicht der dringendste Gedanke der Macher, denn eher als eine Abrechnung steht die Unterhaltung an erster Stelle – und in dieser Disziplin kann das Hörspiel gut Punkte sammeln.
Die Geschichte rund um ein Einsatzteam, das immer dann gerufen wird wenn es die Zombies ein bisschen zu bunt treiben und das sich nun vor einer großen Filmfirma rechtfertigen muss, ist vor allem eines: gradlinig und schnörkellos. Es wird geballert, es wird gestöhnt – und spätestens, wenn die Schädeldecken knacken und Gehirne mit schmatzenden Geräuschen entnommen werden, wird’s auch schön ekelig. Wer also ob der »zynischen Abrechnung mit der Mediengesellschaft« Tiefe und ausgefeilte Charaktere erwartet hat, dürfte enttäuscht werden.
Dialoge gibt es verhältnismäßig wenige, den größten Part nimmt der Erzähler in Form von Einsatzleiter Bot bzw. dessen Sprecher Jürgen Holdorf ein. Wer schon die LAUSCH-Serie »Punktown« mochte, wird sich daran nicht sonderlich stören, doch gerade bei den Action-Szenen nimmt diese Verfahrensweise ein wenig den Drive raus. Weniger wäre hier deutlich mehr gewesen. Was nun aber nicht bedeutet, dass es Jürgen Holdorf nicht versteht, den Zuhörer zu fesseln. Ganz unaufgeregt und mit sonorer Stimme kommentiert er das Geschehen, was seiner Figur eine gewisse Portion Coolness und Abgebrühtheit verleiht. Etwa wenn es darum geht, dass Klettverschlüsse bei Zombie-Kontakt überlebenswichtig sind. Schräg!
Apropos Sprecher: Ein Extralob erhält Katharina von Daake, die der übereifrigen Miré ihre Stimme leiht. LAUSCH löste somit das Versprechen ein, der weiblichen Gewinnerin des großen Sprechercastings vom September vergangenen Jahres, das in Zusammenarbeit mit www.hoerspielprojekt.de entstanden ist, mit einer Rolle in einer ihrer Produktionen zu gedenken. Und von Daake löste ihre Aufgabe mit Bravour: So lässt sie Miré schön trotzig klingen, und ihre jugendlich wirkende Stimme passt dazu ganz hervorragend. Auch ihre Kollegen wie Dorothea Hagena, Uwe Hügle und Wolfgang Berger liefern einen guten Job ab, treten aber meist in den Hintergrund.
FAZIT
»Fetzer« bietet zu wenig Tiefe, um wirklich eine Abrechnung mit der Mediengesellschaft zu sein. Zynische Seitenhiebe und Unterhaltung bietet es aber allemal.
Diesmal feiert eines unserer jüngsten Forenmitglieder, Assassino, Premiere mit einer rezi zu einem interaktiven iPhone-Hörspiel, den ersten Teil der Serie Raumzeit: Der verbotene Sektor. Ich übergebe:
So beginnt das erste Kapitel von “Raumzeit – Der Verbotene Sektor”, ein Interaktives Hörbuch von Audiogent. Mit dem Interaktiven Aspekt begibt sich Audigent auf völlig neue Wege. Mit viel Humor, Spannung und ausgezeichneter Soundqualität kommt das kostenlose Hörbuch für iPhone und iPod Touch sehr üppig daher.
“Wie? Ihr wollt wissen, wie ich in diesen Mist hineingeraten bin?”
Captain Burke, ein intergalaktischer Glücksritter, sucht Abenteuer und Reichtum; ich meine, wer sucht das nicht? Und deswegen will er sich in ein verbotenes Gebiet wagen, dem “Verbotenem Sektor” Nach Austüfteln eines komplizierten Planes, “Reinfliegen, alles mitnehmen, und wieder rausfliegen”, gibt es nur noch ein Problem: Der verbotene Sektor ist am “Arsch der Galaxis” Für so einen weiten Sprung braucht Burke einen Navigator. Deshalb begibt sich Burke auf der Suche nach eben diesem Navigator in die Kneipe “Up-Schaum” auf Raikin. Doch schon beim Anflug auf Raikin gibt es die ersten Probleme: Auf einmal funkt ihn ein Bekannter an, dem er noch mehrere tausend Credits schuldet. Hier kann der Spieler das erste Mal entscheiden: Soll er die Verbindung annehmen oder einen Verbindungsfehler vortäuschen?
Endlich angekommen in der Kneipe, bahnen sich die nächsten Probleme an…
Zum Prinzip:
Der Spieler muss im Verlauf der Handlung immer wieder Entscheidungen in Form von Gesprächen oder Aktionen treffen. Davon gibt es insgesamt drei Arten: Eine normale Entscheidung, wie z.B. bei einer Ratte: “Über den Haufen ballern” oder “Verscheuchen”. Dann gibt es in Point-and-Click-Manier Gesprächsverläufe, die sich ändern können z.B. beim Servicetechniker: “Darfs noch was sein?” “Tank voll und zisch ab!” oder “Na klar!” und die Orte, wie z.B. der Hangar: Man darf entscheiden, ob man mit dem Servicetechniker oder dem Hallenwart redet, ob man sich einem verdächtigen Fellhaufen widmet oder einfach die Halle verlässt.
Die Gesamthandlung verändert sich durch Entscheidungen nicht, es passiert nur etwas Unterschiedliches in der Szene.
Zur Qualität:
Die gut gemachten Szenenbilder und die fantastische Soundqualität haben mich wirklich überwältigt. Man hatte das Gefühl, wirklich daneben zu stehen. Ein Alarm tönt im Hintergrund, während man Roboterfüße auf dem Boden stampfen hört und sich die Protagonisten wild unterhalten. Und der Humor ließ allgemein nicht zu wünschen übrig, obwohl es manchmal vulgär wurde.
Fazit:
Alles in allem ist “Raumzeit – Der verbotene Sektor” gut gemacht. Optional kann man “Burke eine Münze geben”(per In-App-Purchase), also den Entwicklern eine beliebige Summe spenden. Dadurch schaltet man “exklusiven Bonus-Content” frei, welcher mir noch verborgen blieb. Zwischendurch warten noch 3 ganz nette Minispiele als Abwechslung. Das Prinzip des Interaktiven ist in Ansätzen gut ausgeführt. Warum nur “in Ansätzen”? Ich hätte eine Story mit veränderbarem Ende erwartet; deshalb ließ mich das Interaktive beim 2ten Hören ziemlich kalt. Also wirklich veränderbar ist die Geschichte nicht. Trotzdem ein rundum gelunges Werk. Und das auch noch kostenlos! Zu empfehlen!
Und die Bewertung hat nichts mit dem von mir gehassten offenen Ende zu tun, obwohl es bei einer Serie natürlich im ersten Teil kein Ende gibt!
UPDATE:
Ab dem 26.09.2010 kostet das Hörspiel 0,79 Cent. Dafür ist auch der im Fazit angesprochene Bonuscontent mit enthalten. Doch eins stört mich: Die Entwickler werben in der Appbeschreibung ganz dick mit “Interaktiv”, wobei die Gesamtgeschichte nicht beeinflusst wird, was auch schon ansatzweise eine Frechheit ist. Wer aber nur ein qualitativ hohes Hörspiel sucht, der ist bei Raumzeit trotzdem gut aufgehoben.
In dieser Folge muss sich Hellboy, der beste Ermittler der B.U.A.P., der Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen, mit seinem bisher größten Gegner auseinandersetzen: der Bürokratie. So spült die Buchhaltung der Behörde zwei längst vergessen geglaubte, aber unzureichend ausgestellte und sehr hohe Spesenabrechnungen des roten Riesen an die Oberfläche. Sehr zum Unmut seines Vorgesetzten Dr. Manning, der Hellboy umgehend in sein Büro zitiert und wutentbrannt eine Erklärung verlangt. Und Hellboy wäre nicht Hellboy, wenn ihn diese beiden Spesenabrechnungen nicht in zwei außergewöhnliche Abenteuer gestürzt hätten…
KRITIK
Die Folge braucht etwas, bis sie wirkt. Beim ersten Zuhören klingt sie recht zusammengestückelt und man fragt sich unweigerlich: »Hä? Hellboy und falsche Spesenabrechnungen?« Das scheint in der Tat eher nach einer Notlösung zu klingen als nach ausgearbeiteter Story, zumal beide Geschichten auf einer CD Platz finden müssen und daher recht kurz daher kommen. Doch die Intensität steigt, je öfter man den (wie gesagt recht knapp gehaltenen) Geschichten lauscht: Die Begegnung mit König Vold erinnert plötzlich nicht mehr an eine Begegnung mit einem skurrilen Weihnachtsmann, sondern an eine Begegnung mit einem Charakter, der nicht nur den wahren Namen von Hellboy kennt, sondern auch über sein Schicksal Bescheid weiß. Und der Abstecher in eine Gruft wirkt nicht mehr wie ein billiger Vampir-Slasher, sondern offenbart plötzlich vielschichtige Anleihen an Lewis Carrolls »Alice im Wunderland«.
Die Sprecher sowie Sound- und Musikuntermalung befinden sich auf gewohnt hohem Niveau, auch der Schnitt ist ordentlich und der Kürze der Geschichten gut angepasst worden. Das Tempo ist ordentlich, und natürlich kommt auch der Spaß nicht zu kurz: Hellboys’ Sprüche ringen einem immer wieder ein Schmumzeln ab, und allein die Tatsache, dass die rote Kampfmaschine mit der Steinfaust Spesenbelege unzureichend ausgefüllt hat, ist schon einen Grinser wert.
FAZIT
Wirkt auf den ersten »Hörer« zusammengeschustert, aber spätestens beim zweiten Hören offenbart Folge 07 eine ganz eigene Qualität. Sehr kurzweilig und unterhaltsam!