Nackter Stahl verklagt Prometheus Games

Die Überraschung des Tages: Nackter Stahl verklagt Prometheus Games. Es geht um zwei Komplexe: zum einen unredliches Verhalten eines Autoren, der nun Verlagsleiter bei Prometheus ist. Zum anderen geht der Vorwurf des Plagiats an das Rollenspiel Elyrion.
Prometheus macht nun als „Gegenschlag“ die Prozeßakten inkl. der Antwort des Gerichts auf die Klageschrift öffentlich und gibt darüberhinaus eine breite Erklärung ab:

„Im Kern vermischt die Klageschrift zwei Vorwürfe:
A ) Unserem Verlagsleiter Christian wird vorgeworfen, sich unter dem Deckmantel eines freien Autors in den Nackter Stahl Verlag eingeschlichen zu haben, um Geschäftsgeheimnisse auszuspähen und den Verlag durch die Nichtabgabe von Manuskripten – bzw. deren Verzögerung – wirtschaftlich zu schädigen. Beweise werden verständlicherweise keine erbracht, dafür behilft Nackter Stahl sich fleißig mit Behauptungen – die teilweise auch nachweislich falsch sind.
B) Darüber Hinaus wird uns als Verlag vorgeworfen mit Elyrion ein Plagiat von Arcane Codex auf den Markt gebracht zu haben. Auch hier werden viele Behauptungen aufgestellt und anschließend sehr viele angebliche Beweise erbracht, darunter bspw. die Tatsache, dass in beiden Rollenspiele die Begriffe Klettern, Reiten oder Armbrust benutzt werden.
Zu den ersten Vorwürfen sei gesagt, dass es nur einen gültigen Vertrag gab, nämlich den zu einem Roman mit dem Arbeitstitel „Die Rache des Feuergottes“. Das Manuskript dazu hat Christian mit einem Monat Verspätung aber dem Doppelten der vereinbarten Zeichenzahl eingereicht. Nach den ersten Klageandrohungen hat er das Manuskript (in der Hoffnung Ruhe zu haben) an Nackter Stahl abgetreten. Als Entlohnung für mehr als 1,2 Millionen Zeichen hat Nackter Stahl ihm 500 Euro gezahlt. Darüber hinaus haben die beiden Gesellschafter von Nackter Stahl gefordert, nach der Überarbeitung, als Autoren genannt zu werden (während man Christian nur noch den Titel eines Co-Autors zugestand). Die in der Klage angesprochenen Quellenbücher zu Khoras und Arborea waren reine Freundschaftsarbeiten. Es gab dazu keine gültigen Verträge.
Was auf den ersten Blick nahezu lächerlich anmutet ist in Wahrheit eine sehr ernste Angelegenheit und eine reale wirtschaftliche Bedrohung der Existenz unseres Verlages. Wir möchten sogar soweit gehen, in der Klage eine Bedrohung der Rollenspiele und der Verlagsszene wie wir sie kennen zu sehen. Auf der einen Seite droht uns, sollte Nackter Stahl mit dieser Klage Recht bekommen, ein immenser wirtschaftlicher Schaden. Die von Nackter Stahl gewählte Höhe des Streitwerts, hebt alleine die Prozess- und Anwaltskosten in einen Bereich jenseits der Zehntausend Euro. Mal ganz davon abgesehen, dass wir Elyrion einstellen und erwirtschaftete Gewinne zurück gewähren müssten.
Auf der anderen Seite versucht hier ein kleiner Verlag, im Übrigen zum ersten Mal in der Geschichte des deutschen Rollenspiels, das Recht als Waffe zu instrumentalisieren, um einen Konkurrenten los zu werden. Dieses Geschäftsgebaren hat unmittelbare Auswirkungen auf alle in der Verlagsszene tätigen Unternehmer, da es eine Auseinandersetzung mit der eigenen juristischen Angreifbarkeit erfordert. Sollte dieses Vorgehen Schule machen, so bleibt den Verlagen nichts anderes übrig, als sich in vielen Bereichen weit besser abzusichern, als es bislang in der deutschen Szene üblich ist. Das betrifft alle Bereiche, von Foren über Werbung bis hin zur Fanarbeit. Zudem ist es wirtschaftlich kaum bezahlbar sich gegen derartige Angriffe zu versichern. Die einzige Lösung wäre eine Kapitalrückbildung, um in solchen Fällen die Kosten decken zu können. Es ist logisch, dass dieses Kapital irgendwo eingespart werden muss, bspw. bei Produkten. Bereits jetzt, hat die Klage uns viele tausend Euro gekostet und es ist fraglich, ob wir unser Geld jemals wiedersehen.
Schlussendlich, und vielleicht mit der wichtigste Aspekt, behindert es auch die kreative Arbeit der Autoren und die Schaffung neuer Rollenspiele. Nackter Stahl versucht hier nicht nur ein angebliches Recht uns gegenüber einzufordern, sie versuchen vor allem sich gerichtlich die alleinigen Urheberrechte an Mechaniken und Elementen zu sichern, die von den Verlagen bisher als Allgemeingut aller Rollenspiele angesehen wurden. Das reicht von der Benutzung von Attributen, Vorteilen, Nachteilen bis hin zu Fertigkeiten oder der Möglichkeit elementare Zauber in seine Spiel einzubauen. Um das ganz deutlich zu sagen: Gewinnt Nackter Stahl diese Prozess, so droht jedem Rollenspielautor oder -verleger, der sein Rollenspiel zeitlich nach Arcane Codex veröffentlicht hat, die reale Gefahr, eine Lizenz bei Nackter Stahl beantragen und bezahlen zu müssen. Es würde bereits ausreichen, einen Unsichtbarkeitszauber in das eigene Spiel einbauen zu wollen.
Schlussendlich werden wir uns auch diesen Schwierigkeiten stellen und ihr könnt sicher sein, dass die Elyrion-Produkte und sowohl Scion als auch Savage Worlds wie geplant erscheinen. In den ersten Wochen nach der Klage waren wir zugegebenermaßen wie betäubt. Dann waren wir erschüttert. Aber mittlerweile sind wir nur noch entschlossen …”

Hier finden sich neben der News auch die Gerichtsunterlagen zum Download, insbesondere das Gutachten von Gero Pappe ist zu empfehlen:

 

http://www.prometheusgames.de/index.php/neuigkeiten/38-news-pg/98-nackter-stahl-verklagt-promtheus-games

Ansonsten wird das ganze heiß diskutiert in allen großen (und kleinen) Foren, hier ein Auszug:
http://tanelorn.net/index.php/topic,43428.0.html
http://www.blutschwerter.de/f91-rund-um-rollenspiele/t39151-nackter-stahl-verklagt-prometheus-games.html

Beide Rollenspiele hab ich übrigens rezensiert, wer sie nicht kennt:
Elyrion 1.5 –
http://www.lorp.de/rezensionen/show.asp?id=1567
Arcane Codex 2 – http://www.lorp.de/rezensionen/show.asp?id=1374

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