[Rezi] Drizzt 7 – Der gesprungene Kristall (Hörspiel)

Auch dem 7. Teil von Drizzt nimmt sich Christophorus an, Erst-VÖ hier auf der Greifenklaue-Seite. Übersicht zur Serie findet sich hier.

ÜBERSICHT:

Nach vielen Strapazen und Entbehrungen, die ihm die ersten Monate an der Oberfläche eingebracht haben, hat Drizzt Do’Urden im unwirtlichen Eiswindtal, einem dünn besiedelten Landstrich im Norden Faeruns, endlich ein neues Zuhause gefunden. Auch wenn ihm dort die wenigen, in einem Städte-Bund namens „Zehnstädte“ lebenden Menschen nur ein geringes Maß an Vertrauen entgegenbringen, fand er in dem Zwergen-Krieger Bruenor Heldenhammer, seiner menschlichen Ziehtochter Cattie-Brie und dem Halbling Regis echte Freunde. Nur die ersehnte Ruhe will sich einfach nicht einstellen…

STORY:

Lange schon sind die Menschen des Eiswindtals den ebenfalls dort lebenden Barbaren ein Dorn im Auge. Sich untereinander selbst aber nicht ganz grün, konnten ihre vereinzelten Angriffe daher stets abgewehrt werden. Den Führern der wichtigsten Clans passt das mittlerweile gar nicht, und so vereinen sie sich, um unter gemeinsamer Flagge gegen Zehnstädte in den Krieg zu ziehen. Natürlich können Drizzt Do’Urden und seine Freunde das nicht zulassen und setzen alles daran, den störrischen Rat des Städte-Bundes von der drohenden Gefahr zu überzeugen.
Die Barbaren jedoch sollen nicht das einzige Problem bleiben. Denn tief im ewigen Eis des Grats der Welt findet der nach einem Verrat dort eigentlich zum Sterben ausgesetzte, ehrgeizige Magierlehrling Akar Kessel ein uraltes, verschollenes Artefakt: den „gesprungenen Kristall“. Völlig eingenommen von der nahezu gottgleichen Macht dieses Reliktes, plant auch Kessel einen Feldzug gegen seine Peiniger und die Städte der Menschen – nicht ahnend, dass der Kristall seinen eigenen Willen besitzt. Und dem kann sich auch der Barbaren-Anführer Haefstaag nicht entziehen…

KRITIK:

Ah, Drizzt. Schön, dass du wieder vorbeischaust. Ich habe mich schon gefragt, wann du mit neuen Geschichten im Gepäck endlich wieder zu mir zurück kommst. Deinen bisherigen Abenteuern im Unterreich hatte mit Genuss gelauscht, boten sie doch einfach alles, was wahrhaft epischen Stoff ausmacht: politische Intrigen, eine dramatische Vater-Sohn-Beziehung und sogar unerwartete Wendungen. Ganz ehrlich, Drizzt, du hast es verstanden, mich wunderbar zu unterhalten. Und nun, nach langen Monaten der Abstinenz, kehrst du mit neuen Abenteuern, diesmal von der Oberfläche, zurück. Da ist es doch selbstverständlich, dass meine Erwartungen entsprechend hoch sind, nicht wahr?
Nun sitze ich also hier und lausche – schon seit Tagen – deinen neuen Geschichten. Immer und immer wieder erzählst du sie mir, und du fragst dich sicherlich, weshalb ich nur gelegentlich verträumt lächelnd nicke anstatt dir mit großen Ohren zu folgen. Ich spüre dein Unbehagen. Daher möchte ich gern freundlich zu dir sein und dem Tribut zollen, das mich in der Vergangenheit so gefesselt hat. Doch ich glaube, ich schulde dir Ehrlichkeit und Offenheit. Daher sage ich in aller Klarheit: Deine Geschichten beginnen mich zu langweilen.
Das hat erstmal gesessen, was? Bitte verzeih mir meine Schroffheit, aber besser kann ich es nicht auf den Punkt bringen. Du erzählst mir im siebten Teil deiner Erzählung etwas von einem machtbesessenen, aber tollpatschigen und quäkstimmigen Zauberlehrling, der ein Artefakt von nahezu gottgleicher Macht findet und sich mal richtig an dem Städtebund „Zehnstädte“ rächen möchte. Gleichzeitig drohen geeinte Barbarenstämme das Land – und somit auch Zehnstädte – zu überrollen. Du und dein Zwergenfreund Bruenor wisst von diesen Gefahren und werft dem Rat des Bundes einen Beweis nach dem nächsten vor die Füße. Doch mit mehr als Spott und Gelächter wird euch nicht dafür gedankt. Also musst du selbst deine Säbel ziehen und die Welt aus eigener Kraft heraus vor großem Übel bewahren. Hallo? Drizzt? Merkst du nicht, dass das nach nicht mehr als einer oberflächlichen Ansammlung von Klischees klingt? Dort der säbelrasselnde, aber nicht willkommene und unverstandene Held, dort die tumben Menschen, denen der Blick über den Tellerrand schon zu hoch erscheint. Außerdem schnetzelst du jeden noch so starken Gegner mal mit mehr, mal mit weniger Mühe. Komm‘ schon. Das zieht nicht, Drizzt.
Wo ist denn dein Esprit geblieben, deine Vielschichtigkeit, deine Düsternis, mit der du mich zuvor so überzeugen konntest? Warum führst du diesen Weg nicht konsequent fort sondern beginnst, auf abgewetzten Pfaden zu gehen? Ich gestehe mir aber ein, dass du die Geschichten, die du mir des abends erzählst, nur wiederholst. Schließlich wurden sie schon weit früher in schriftlicher Form veröffentlicht, nicht wahr? Heute erzählst du sie mir mit deiner eigenen, schönen Stimme. Bitte versteh‘ mich bitte nicht falsch. Ich schrieb schließlich, dass du BEGINNST mich zu langweilen. Denn deine siebte Erzählung birgt selbstredend auch einige schöne Stellen in sich. Wie zum Beispiel der Kampf Bruenors gegen Wulfgar und die daraus resultierende Beziehung. Erinnert mich sehr an deine eigene Geschichte, ohne jedoch ihren Tiefgang zu erreichen.
Deiner Erzählweise kann ich hingegen nichts absprechen. Die befindet sich, wie auch der technische Aspekt der Umsetzung, wie immer auf einem hohen Niveau. Kampfgetümmel beispielsweise stellst Du sehr plastisch dar. Wenn andere Charaktere auftauchen, mögen mir ihre Stimmen nicht immer gefallen, doch, ach, darüber kann ich noch hinwegsehen.

FAZIT:

Deinen noch folgenden Geschichten sehe ich mit wachsendem Misstrauen entgegen, mein lieber Drizzt. Ihr loderndes Feuer, das mich zu faszinieren vermochte, entwickelt sich zurück. Du erreichst eine Ebene zur übertriebenen Belanglosigkeit, zur Transparenz, zur Durchschaubarkeit. Solche Geschichten möchte ich eigentlich nicht hören, auch wenn sie erzählerisch gut umgesetzt sind.

Christoph Memmert

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