Argamaes Versuch einer DnD 4te-Charaktererschaffung – ein Akt in zwei Teilen 1/2

Argamae hat vor kurzem versucht, einen Charakter zu bauen. Das Protokoll –  ein Akt in zwei Teilen.

Super, heute hab ich mal begonnen, mir einen Charakter zu basteln. Das war spannend – und auch erschreckend. Teils, weil man sich doch durch so einige Regeln wühlen muß, die nicht immer intuitiv dort „versteckt“ sind, wo man sie erwartet. Und teils, weil es praktisch unmöglich ist, bestimmte Charakterkonzepte umzusetzen.

Ich begann damit, mich durch die Schritt-für-Schritt-Erschaffung zu lesen. Und Schritt 1 lautet: Auswahl der Rasse. Nach kurzem Durchblättern und Lesen der Rassen entschied ich mich für den Klassiker „Halb-Elf“.
So weit, so gut. Die Auflistung der Fähigkeiten des Halb-Elfen war auch schnell verinnerlicht: +2 auf Konstitution und Charisma, Dämmersicht, 6 Felder Grundbewegung, Fertigkeitsboni auf Diplomatie und „Insight“ (dt. Erkenntnis o. Verständnis). Okay. Durch meine gemischt-rassige Erziehung darf ich dann feats wählen, die entweder Mensch oder Elf als Voraussetzung haben. Auch noch einleuchtend. Aber dann was komisches: ich verleihe allen Verbündeten innerhalb 10 Feldern Reichweite einen Volksbonus von +1 auf deren Diplomatie-Würfe. Faszinierend. Selbst wenn ich also die Klappe halte und nüscht mache, sind meine Verbündeten diplomatisch besser zu Fuß. Kurios.
Als Feat wäre das ja noch zu verstehen (wenn ich mich also entscheide, ein extrem eloquenter, angenehmer Redner/Zuhörer zu sein), aber als Rassenfähigkeit? Was ist mit all den umher gestoßenen oder ausgestoßenen Bastardkindern, die weder Elfen noch Menschen wollten, und die seit ihrer Kindheit ein düsteres Dasein fristeten? Die versprühen auch alle diplomatische Kompetenz? Ich glaube nicht, Tim. Sei es drum.

Dann was spezifisch 4E-Neues: ich darf ein at-will power einer anderen Klasse auswählen und dieses dann einmal pro encounter einsetzen. Fein, klingt nett.
Die Rassenbeschreibung, die immerhin die zweite von den beiden Seiten einer Rasse ausmacht, liefert auch nicht viel neues – außer jeder Menge eher etwas naiv und schlicht geschriebener Verallgemeinerungen der Rasse der Halb-Elfen. Egal, ich hab‘ ja schon ein Bild vor mir.

Jetzt kommt Schritt 2: Die Wahl der Klasse. Bevor ich sie treffe, stolpere ich über die Götterbeschreibungen – ein Sammelsurium alter D&D-Ikonen (etwa Corellon oder Bahamut) sowie einiger mir unvertrauter Größen. Ich bleibe an einer Göttin hängen: der Raven Queen – die Rabenkönigin. Sie ist die Schutzherrin von Tod, Schicksal und Winter. Und sie ist unaligned – der neue 4E-Terminus für „ist nicht Gut oder Böse bzw. steht jenseits beider Extreme“ – je nach Lesart. Die klingt cool, denke ich mir, und paßt auch so schön zur Jahreszeit. Die Klassenentscheidung steht: ich spiele einen Kleriker der Rabenkönigin!

Ich erledige die Schritte 3 bis 4: Attribute und Fertigkeiten. Kein Problem, gibt auch nicht so viel dramatisch neues/anderes hier. An dieser Stelle zumindest werd ich darauf nicht eingehen, denn ich möchte auf etwas anderes hinaus, auf das diese Schritte keinen Einfluß haben.

Schritt 5 steht an: Auswahl der feats (Talente). Wobei Plural hier unnötig ist – als Halb-Elf hab ich auf Stufe 1 nur ein feat. Dann mal los. Ich überfliege die Liste und finde Bekanntes und Neues. Auch hier gibts u.a. Skill- und Defense-Verbesserer (geben einen Bonus) sowie jede Menge Kampftalente. Dann bleibe ich an dem feat „Raven Queen’s Blessing“ hängen. Hah, das ist doch wie gemacht, denke ich mir, und lese ihn aufmerksam durch.
Stutzen. Verwunderung. Leichtes Haareraufen.

(Auszug aus der feat-Beschreibung)
Vorausetzungen: Du besitzt das channel divinity Klassenmerkmal und betest die Rabenkönigin an.
Vorteil: Du kannst die Macht deines Gottes dazu benutzen, Raven Queen’s Blessing einzusetzen.

Channel Divinity: Raven Queen’s Blessing
Beschreibung: Die Rabenkönigin beschenkt jene, die die Toten auf den Weg bringen.
Auslöser: Dein Angriff schickt einen Feind innerhalb der Reichweite (des feats, was 10 Felder sind) mit 0 oder weniger Trefferpunkten zu Boden.
Effekt: Du oder ein Verbündeter in 5 Feldern Reichweite des Feindes dürfen einen Heilungsschub einsetzen.
Besonderes: Du benötigst das feat „Raven Queen’s Blessing“ um diese Kraft einzusetzen.
(Auszug Ende)

Mal abgesehen von den überflüssigen, idiotischen und absolut offensichtlichen Anmerkungen/Dopplungen ist eines doch verwunderlich: die Göttin der Toten belohnt mich dafür, daß ich Tote auf den Weg bringe, indem ich sie erschlage. Dafür kann ich mich dann heilen. Irre.
Weiter vorn in der Götterbeschreibung stand aber was von „Schicksal“ und so. Bin ich dann in dem Moment das gestaltgewordene Schicksal meines Feindes? Bzw. dessen Schicksal war es dann, von mir erschlagen zu werden? Hm, könnte man so sehen. Unter Umständen.

Es kommen bei mir erste Zweifel auf, daß mich 4E tatsächlich den Charakter so gestalten läßt, wie ich ihn mir vorstelle…

Kurioseres dann in der Fortsetzung.

Olaf Buddenberg

9 Kommentare

  1. Dass manche D&D Regeln, je nach Standpunkt, zu oft, zu wenig oder zu spät erklärt werden, damit muss man wohl leben. Geht mir bei anderen Spielen genau so.
    Generell gilt – wenn ein Feat nicht zum Charakter/Setting/Wasauchimmer passt, nimm es nicht. Unser Raven Queen Kleriker hat sich sehr über Raven Queen’s Blessing gefreut, er wollte einen irren Mörder spielen. 😉

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  2. Mich wundert, wie man darauf kommt, bei D&D den Charakter bauen zu können, den man will. Mich würde das aber auch bei einer großen, großen Zahl anderer Spiele wundern.

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  3. Also, das selbe mit DnD 3.5 geht ganz hervorragend… Er baut ja auch nix mit superspeziellen, ungewöhnlichen Anforderungen, sondern schon etwas typisches. Aber wenn man von dem einem Archetyp wegwandelt (kloppender Heiler mit Powermongasternen) bekommt man arge Probleme. Ist eigentlich genau einer jener Aspekte, die mir partout an DnD 4te nicht gefallen können – oder wo es eben nicht punkten kann.

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  4. Eine goldene Brücke:

    BLESSING OF THE RAVEN QUEEN

    The Raven Queen has blessed you with the power over death.

    PREREQUISITES: Must be able to cast divine spells of 1st level or higher, must be of nongood alignment, must worship the Raven Queen

    BENEFIT: You can spontaneously cast Death spells as an evil cleric may spontaneously cast Inflict spells. Death Spells are thos with the word „Death“ in it’s name.

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  5. @1of3: Natürlich gibt es in jedem RPG Einschränkungen. Aber zumindest kann man in vielen, vielen Rollenspielen sein Charakterkonzept trotz der Einschränkungen umsetzen. Und wie Klaue schon schrieb: ich hab ja überhaupt nix Exotisches probiert, um dann mit dem Finger darauf zeigen und rufen zu können: „Hey, guckt mal, 4E ist total doof“. Im Gegenteil, ich bin objektiv an die Sache heran gegangen und wollte einfach mal gucken, wie die Charaktergenerierung so abläuft. Das Ergebnis fand ich, um es mal salopp zu sagen, abtörnend.

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