[DnD4] Wolfgang Baur zerlegt das PHB2

Wolfgang Baur rezensiert in seinem Kobold Quarterly das zweite Players Handbook von DnD 4e. Dabei geht er sehr genau auf die sprachliche Qualität ein.

Language and the Dumb: WotC Goes Emo?There’s no polite way to say this, but a lot of the writing and language in PHB2 are just a little stupid. This isn’t restricted to things like the (embarrassingly bad, half-page-long) index, but rather it’s about the low quality of the prose throughout.

 

The paragon path for the elf Twilight Guardian starts with “Despoiler! Feel nature’s wrath!“. The Druid entry starts “I am the seeker. I am the stalker. I am the storm.” Both strike me as better left as flavor text on a Magic card than inspirational material for serious D&D players. Maybe it’s just the prevalence of elfy-welfy stuff around the Primal source that’s getting under my skin, but…

Well, fantasy writing has always made room for bombast and overblown, purple prose, but this book cranks it up a couple notches. Words like “peril” and “supplicate” are dropped into sentences that really don’t need them; almost every tagline is “ferocious” or “erupting” or “assaulting”. These are not huge problems; individually, they’re pebbles. But even enough pebbles can be a problem.

It reminds me of some of the worst examples from the White Wolf books of the 90s. Hell, some of the Primal language in particular would be right at home in a Werewolf supplement. Ah, well, flavor is not a 4E strong point, but we’re heading into the realm of comedy this time out. I found myself laughing fairly often, usually not a good sign.

Beyond the pulp diction, there’s plenty of other examples of the flavor just not synching up with the mechanics, or failures of language and mythmaking. The devas are reincarnation-flavored and derived from Hindu myth, but their suggested names include Biblical nods like Samel and Zachar (Samuel and Zacharia).

There’s the lurking sense that the designers are cribbing from bad manga, rather than building on the shoulders of the D&D game’s own mythos. That’s a lost opportunity, and it’s a shame that a game that once prized itself on appealing to an educated audience is no longer even aiming for that. Basically, the PHB2 assumes you are sort of an idiot, whereas Gygax always assumed you were smarter than the average reader. The shift leaves me a little offended.

Die Diskussion im DnD-Gate dazu findet sich hier.

14 Kommentare

  1. Der letzte Absatz, bequemerweise fett gedruckt (von Dir oder von Mr. Bauer?), drückt es außerordentlich treffend aus. Bereits seit Gygax TSR verließ, findet man diese Entwicklung zu einer weniger elitären, allgemein verständlicheren Schreibweise in D&D-Produkten vor. Dies war nicht zwingend eine schlechte Entwicklung (denn bei aller Liebe und Werschätzung: Gygax-Englisch hatte schon einen „Hardcore-Anspruch“) und mit den folgenden Editionen wurde sie immer spürbarer (auch in D&D 3 ist dies erkennbar). Aber 4E schießt nun den kapitalen Bock und enthüllt allem Gegengeschrei zum Trotz sehr präzise, daß man mitgereiften D&D-Spielern den Rücken kehrt, während man eine neue Zielgruppe ins Visier nimmt.

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  2. „…inspirational material for serious D&D players“

    Er mag mit seiner Einschätzung Recht haben, allerdings untergräbt sowas halt immer die Glaubwürdigkeit.

    Wer sich bei D&D zu schade für etwas pulp-trash ist, der sollte D&D ganz einfach nicht anfassen. Was nicht heißen soll, dass D&D nur das kann. Im Gegenteil. Aber pulp-trash bzw. „gonzo“ gehört halt zu D&D. Man kann sowas gerne runterspielen weil man so „gereift“ ist oder so „gebildet“, aber ich sehe da eine sehr viel größere Diskrepanz zwischen Realität und Ideal als bei den Machern der neuen Edition.

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  3. @Georgios: pulp-trash war ja eine der Hauptinspirationsquellen für Gygax. Niemand behauptet, D&D wäre jemals Shakespearean gewesen. Aber wenn man Clark Ashton Smith neben ein Gygax Abenteuer legt, dann bewegt sich das schon auf dem Level akzeptabler Pastiche.

    Es ist mmN legitim einen Qualitätsunterschied zwischen der Pulp-prosa eines Fritz Leiber oder L. Sprague de Camp einerseits und 4E/WOW/teenage-mangas andererseits aufzuzeigen, ohne dabei Gygax in die Nähe von T.S. Eliot stellen zu müssen – was tatsächlich unlauter und prätentiös wäre.

    In anderen Worten: es vollzieht sich bei D&Ds Inspirationsfeldern seit längerem ein Wandel von „mid-brow“ zu lowbrow entertainment. Das kann man ruhig mal kritisieren. (Und, ja, ich weiß dass today’s mid-brow yesterday’s lowbrow ist, und darüber kann man auch gerne mal nachdenken.)

    AD&D hat jedenfalls in so manchem Spieler und Leser Interesse an den Vätern des Horror, S-F und Fantasy Genres geweckt – auch am Lesen generell und auch an Mythologie und Folklore. Dass 4E das sicher nicht mehr leistet muss man nicht gut finden.

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  4. @tassander
    Aber da ist ja D&D4 lediglich ein Sympton, keine Ursache. Denn dass das Rollenspielhobby als solches einen Wandel von Literaturaffinität zu Film-/Fernsehaffinität durchläuft, sollte eigentlich niemanden überraschen.

    Rollenspiele werden visueller, haptischer und verringern ihre sprachliche und erzählerische Dimension. Das hat sehr viele unterschiedliche Gründe und nur ein kleiner Teil davon hat mit dem Niedergang der Rollenspielqualität bei WotC zu tun.

    Ich denke, wenn man tatsächlich mehr Nähe zum Buch sucht, dann sollte man sich auch stärker mit den Elementen beschäftigen, die im Rollenspiel dadurch beeinflußt wurden. Zum einen die Sprache und zum anderen die Funktion des Spielleiters als Erzähler und die Aufgaben der Spieler als Erzählende (wenn sie ihre Figuren handeln lassen). So lange da immer nur laissez-faire herrscht und jeder frei nach Schnauze spielt, sollte man sich nicht wundern, dass Spiele eben plumper daherkommen als man es mit „zunehmender Reife“ gerne hätte.

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  5. Naja, dass es auch anders geht zeigen die Paizo-Jungs. Das ist sicher auch keine große Kunst, die dort abgeliefert wird, aber wenn ich z.B. an das erste Abenteuer von Curse of the Crimson Throne denke, dann finde ich da Anklänge an Gene Wolfe, Scott Lynch und Tim Burton – today’s mid-brow sozusagen. Vielleicht in Gene Wolfe’s Fall (oder sogar Grimmelshausen? Das wäre aber etwas hochgegriffen) sogar high-brow.

    Sicherlich kann ein großes RSP sich dem allgemeinen westlichen Trend hin zu einer visuell geprägten Kultur nicht verschließen. Aber hübsche Bilder, Dungeon Tiles und Minis heißen ja nicht, dass die Texte auf das Niveau von purple prose schreibenden High-School Musical Fans herabsinken müssen. Man kann durchaus beides haben.
    (Und gerade im Bereich hübsche Bilder fällt 4E durch eine bemerkenswerte Spärlichkeit der Illustrationen auf. Während die spells früher illustriert wurden sind die Powers eine reine Bleiwüste.)

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  6. @Georgios: was schreibst Du denn da für einen Unfug? Niemand ist wirklich über den Wandel, den Du da nennst, „überrascht“. Aber er darf schon noch „nicht gut“ gefunden werden, ja? Oder müssen wir das einfach schlucken, weil es nach Dir scheinbar ein Phänomen des Zeitgeistes ist?
    Und dann das mit der „erzählerischen und sprachlichen Dimension“… *kopfschüttel*. Ehrlich, was soll das denn? Wo hatten denn Rollenspiele früher eine höhere „erzählerische und sprachliche Dimension“? Klar ist WotC bewußt dafür verantwortlich – das neue 4E ist „by design“ sprachlich so geraten. Das findet man NICHT verlagsübergreifend so schlimm vor! Tassander hat ja ein aktuelles Beispiel genannt.

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  7. @tassander
    Ich finde ja die PHB2 Texte (zumindest die Ausschnitte, die ich gelesen habe) eher amüsant. Sehr grell und aufgeblasen. Ich muss da eher schmunzeln und freu mich aufs Spielen. Was ich von Curse of the Crimson Throne gelesen habe, lässt sich sicherlich besser am Stück lesen, doch die Spielwut packt mich da weniger. Angesichts der Länge ist das wohl auch erwünscht oder sogar notwendig.

    Wobei sich hier natürlich auch die Frage stellt, in wie weit ist der Lesegenuss für ein Regelwerk von Bedeutung? Wenn ich mir ein Spiel hole, will ich dass die Anleitung klar und unmissverständlich ist. Wenn sie etwas Stimmung macht, ist das nett aber bei weitem kein Qualitätskriterium. Wenn ich was Nettes lesen will, nehm ich mir einen Roman zur Hand; kein Rollenspielregelwerk, kein Abenteuer und auch keinen Settingband.

    Aber in diesem Thema mit Hoch-, Mittel- oder Niederkultur anzufangen, ist meiner Meinung nach ein Schritt in die falsche Richtung. (Schon allein weil ich es für hanebüchenen Unsinn halte Bücher mit Hochkultur und visuelle Medien mit Mittel- bis Niederkultur gleichzusetzen. Letztendlich sind es Anzeichen solcher Sichtweisen, die bei mir einen heftigen Beißreflex auslösen.) Die Texte sind augenscheinlich mit einer anderen Zielsetzung geschrieben worden. Eine die mir, wenn ich mal meine Reaktion als Ausgangspunkt nehme, sehr entgegenkommt.

    @Argamae
    Mir geht es nur darum, dass man sich die Sachen nicht so einfach machen soll. Wenn das bei dir als „man darf keine andere Meinung haben außer meine“ ankommt, dann weiß ich nicht was ich dazu sagen soll. Außer vielleicht, dass wir keine gemeinsame Gesprächsgrundlage haben.

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  8. @Georgios
    Zitat:“Schon allein weil ich es für hanebüchenen Unsinn halte Bücher mit Hochkultur und visuelle Medien mit Mittel- bis Niederkultur gleichzusetzen. Letztendlich sind es Anzeichen solcher Sichtweisen, die bei mir einen heftigen Beißreflex auslösen.“

    Zumindest ich mache das auch nicht. Siehe Tim Burton. Sweeney Todd ist aber schon etwas tiefgehender als Wrath of the Lich King, oder? Und die Wizards klauen leider nicht bei Alan Moore, sondern eben am Fußende visueller Medien.

    „Wenn ich was Nettes lesen will, nehm ich mir einen Roman zur Hand; kein Rollenspielregelwerk, kein Abenteuer und auch keinen Settingband.“

    Ich lese um zu spielen, was ich lese leite ich auch- es sei denn, es wird für schlecht befunden. Die Qualität der Schreibe und des Inhalts sind nicht voneinander unabhängige Entitäten, sie beeinflussen sich. Ich empfinde 4E unter anderem wegen der fehlenden Verankerung in Mythologie und den Teilen des Genres, die ich ohne Zahnschmerzen lesen kann, befremdlich und unispirierend.

    Es reizt mich eben NICHT zum spielen, wenn ich lustlose Texte auf niedrigem Niveau präsentiert bekomme. Wenn ich mir pausenlos denke: „Albern. Da hätte sich ja auch jemand ein bißchen mehr Mühe geben können.“ dann hat das wenig damit zu tun, von einem Regelwerk die erzählerische Struktur eines Romans zu erwarten. Vielmehr kann ich genau an der fehlenden Verortung in Mythologie, Genre etc. festmachen, was ich nicht mag. Auch nicht-narrative Prosa hat Qualitätsmerkmale – dass du diese Qualität nur von Romanen erwartetst glaube ich dir nicht. Bild und Zeit unterscheidet mehr als die Länge der Artikel und die Gründlichkeit der Recherche oder die Auswahl der Themen.
    Vielleicht hilft Dir beim Lesen von 4E einfach die Sprachbarriere, die manches ertragbarer macht.

    Und Qualität zu einem vollkommen subjektiven Begriff zu machen, wie Du es im Ansatz machst, halte ich für schwierig. Natürlich sind die Grenzen zwischen Hoch- Mittel- und Niederkultur fließend. Aber ein gewisses Ranking kann man ohne Zweifel durchführen. Das hat dann auch nichts mit Dünkel zu tun. Ich schätze von allen Gedanken eben die Interessanten am meisten. 4E macht sich so furchtbar gewöhnlich, erwartbar und fad…

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  9. Die Frage ist ja, ob D&D wirklich zu jederzeit sog. hohen Ansprüchen genügt hat. Wenn ich einen Blick in meine 74er Version werfe, kommt mir die dort vorhandene Schreibe kaum anders vor als in der 4. Edition.
    Der meiner Meinung nach einzige, wirklich gravierende Unterschied: Es wurde generell viel weniger ausformuliert. So konnte jeder Leser seine eigenen Ansprüche und Vorstellungen in die Lücken projezieren und diese mit der Art von Material füllen, die den eigenen Ansprüchen genügte…

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  10. @Marcus: Der Punkt ist ja, daß D&D in früheren Editionen eine gewisse Intelligenz des Lesers vorausgesetzt hat. Diese bestand u.a. darin, aus dem Wenigen (an explizit Ausformuliertem) viel zu machen. So wie Du es selbst sagst, mußten Lücken durch Aufbringung eigener gedanklicher Leistung geschlossen werden. Dazu kam noch Gygax‘ intellektueller, verklausulierter Schreibstil, zu dessen Verständnis ebenfalls (auch für Muttersprachler!) gewisse geistige Fähigkeiten vonnöten waren. Von einer Einbettung in ein bestimmtes literarisches Umfeld ganz zu schweigen.
    Heute wird die Schreibe auf den kleinsten gemeinsamen Nenner reduziert und Fantasy stereotypisiert. Und das empfinden gebildete Menschen als Verschlechterung oder gar Herabsetzung.
    Im Übrigen empfinde ich, daß zwischen 74’er D&D und 4E Welten liegen.

    @Georgios: Ach, klar haben wir eine Gesprächsgrundlage – nun tu‘ mal nicht so päpstlich. Außerdem hat das nichts mit „sich leicht machen“ zu tun. Hier sind doch eindeutig Verursacher und Wirkung auszumachen. Meiner Meinung nach ist es eben noch kein allgemeines Erscheinungsbild heutiger Rollenspielpublikationen, alles für sprachlich Anspruchslose auf dem Niveau einer Videospiel-Bedienungsanleitung zu verfassen. Genauso, wie die Neuübersetzung von Herr der Ringe Kokolores war, gestaltet sich auch der Versuch von WotC, neuen „Lesegewohnheiten“ entsprechen zu wollen.
    Faszinierend ist, daß WotC damit Drittherstellern Tür und Tor geöffnet haben, das magere Fast-Food-Flavour zu unterfüttern. Wie es etwa Goodman Games macht.

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  11. @tassander
    Mit einer Sprachbarriere hat das mit Sicherheit nichts zu tun. Auch will ich hier nicht die sprachliche Qualität der 4E Bücher verteidigen oder die Kritik daran implizit akzeptieren. Für mich ist die sprachliche Qualität eines Rollenspielregelwerks ein vernachlässigbarer Punkt, im Gegensatz zu inhaltlicher Klarheit. Ich empfinde die Texte aber auch weder als lustlos, noch als niederes Niveau.

    Zumindest sind sie nicht lustloser oder von niederem sprachlichen Niveau als andere Anleitungen. Denn machen wir uns doch nichts vor: das PHB 1 & 2 sind Anleitungen. Deshalb geht so eine Kritik, so intensiv sie auch empfunden sein mag, meiner Meinung nach einfach daran vorbei wofür diese Bücher da sind.

    Ich bin auch kein Freund davon alles mit der Subjektivitäts-keule zu erschlagen. Aber ich halte das PHB2 nicht für so schlecht geschrieben. Es ist klar und direkt. Für ein solches Buch gibt es kaum etwas wichtigeres. Man mag die Farbtupfer in den Erklärungen nicht sonderlich wertschätzen, aber das sind meiner Meinung nach triviale Punkte.

    Würden wir über Abenteuer sprechen (und da hast du ja den Paizo-text lobend erwähnt) müsste man womöglich andere Maßstäbe ansetzen. Dort mögen die persönlichen Vorlieben weiter auseinandergehen, für Regelwerke sind diese Dinge meiner Meinung nach vernachlässigbar.

    @Argamae
    „Dazu kam noch Gygax’ intellektueller, verklausulierter Schreibstil, zu dessen Verständnis ebenfalls (auch für Muttersprachler!) gewisse geistige Fähigkeiten vonnöten waren.“

    Das ist ein Irrtum. Gygax Stil war ganz entschieden nicht intellektuell. Er war obskur und unverständlich. Das sollte man ganz eindeutig nicht mit intellektueller Schreibe verwechseln. Von daher ist die Argumentation, dass Gygax Texte von höherer Qualität waren, weil man als Leser mehr Aufwand betreiben musste um zu verstehen was die Worte bedeuten völliger Schwachsinn.

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  12. @Georgios: also, ich fand seine Schreibe nicht unverständlich, im Gegenteil: sie war meist recht präzise. Du nicht? Aber definier mir doch mal einen „intellektuellen Schreibstil“, damit ich meinen „Irrtum“ einsehen kann und nicht mehr „völligen Schwachsinn“ schreibe.

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