[Kurz-Rezi] Private Eye 4te

Nach unserer Proberunde Private Eye auf Wetterstein war ClemLOR so motiviert, gleich ne Kurzrezi zu schreiben und das wo ich gerade an einer regulären Rezi schreibe.

Vorher noch der Hinweis auf diese tolle Fanpage, die nicht nur informative Inhalte hat sowie klasse Downloads (eigene kommen wohl noch), nein, sie sieht auch noch ziemlich genial aus.

Nun aber zur Rezi:

Das Rollenspielsystem erinnert systemseitig an eine Mischung aus Call of Cthulhu und einem „klassischen“ und stufenbasierten Spielsystem. Sechs Attribute sowie eine überschaubare Liste von Fertigkeiten dienen der regeltechnischen Darstellung des Charakters; zusätzlich bestimmen weitere weniger präsente Werte wie Lebenspunkte, Reputation und noch einige andere besondere, im Spiel eher zu vermeidende oder selten auftretende Werte weitere Charakteraspekte. Alle Werte entsprechend Prozentangaben zwischen 5% und 97%, die es im Verlauf des Spiels zu unterwürfeln gilt.
Der Spieler entscheidet sich im Verlauf der wirklich zügigen und schnellen Charaktererschaffung – ich war sehr angenehm überrascht – für einen typischen oder weniger typischen Charakterhintergrund eines Detektiven – vom Berufsdetektiven über den Adligen, Coroner, Gerichtsmediziner und Kriminalisten bis hin zu Angestellten aller Art oder Menschen aus unterschiedlichen Lebensbereichen ist nahezu alles möglich.
Das gesamte System der Charaktererschaffung und -gestaltung ist – darauf weist das System an zahlreichen Stellen hin – darauf ausgelegt, dass Spieler und Spielleiter in Ansehung des Spielhintergrundes regeltechnische Unschärfen in der Charaktererschaffung berücksichtigen und den Charakter verfeinern – etwa bei allgemeinen Fertigkeiten wie Wissenschaft (welche?) oder den genauen Lebensumständen der Figur.

Hier kommt das Spiel so richtig in Fahrt: Der umfangreiche und größte Teil des Regelwerkes widmet sich dem England, und insbesondere London des viktorianischen Zeitalters zwischen 1800 und frühem 20. Jahrhundert. In vielen Details werden die gesellschaftlichen, politischen, wirtschaftlichen und auch religiösen Ereignisse skizziert und erklärt; die wissenschaftlichen Errungenschaften werden dabei vor allem mit Blick auf die detektivischen Herausforderungen beleuchtet. So wird dem Spieler sowie dem Spielleiter vieles zur Entwicklung der Kriminologie, Verbrechensbekämpfung, „Tatortwissenschaft“, Entwicklung forensischer Techniken uvm. geboten.

Optisch werden alle Spieler und Spielleiter mit vorzüglichen Bildmaterialien verzückt. Das Layout bedinet sich dabei auch einer gewissen Exklusivität mit einer hübsch anzusehenden Seitenrandgrafik, die leider an einigen Stellen durch Überlappungen mit den Textinhalten die Leserleichkeit des Werkes abträglich beeinflusst. Dies ist aber nur ein kleines Manko, da die Gesamtgestaltung inklusive einer großplanigen, vom Druck her qualitativ hochwertigen Stadtkarte von London sehr gelungen ist. Der Text wird gut durch unterschiedliche Bildmaterialien (Fotos, Kupferstiche, Zeichnungen) aufgelockert und ist von der Typographie gut zu lesen.

Gesamtfazit: Super! Wer sich für ein detailverliebtes und stimmungsvolles Spielsystem über „Sherlock Holmes“ begeistern kann und dabei keine hohen Erwartungen an ein kurzweiliges und eingängiges Regelsystem hat, der ist mit Private Eye sehr gut beraten …

ClemLOR

2 Kommentare

  1. Gibts deutliche Veränderungen am Spielsystem gegenüber den früheren Auflagen? Ich fand das nämlich immer zu rudimentär und schätze PE hauptsächlich als Quellenbuch über das viktorianische London.

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