[Rezi] Einsamer Wolf 1 – Flucht aus dem Dunkel

Der frisch gegründete Manticor-Verlag hat sich zur Aufgabe gesetzt, die Spielbuchreihe Einsamer Wolf erneut ins Deutsche zu übertragen. Die Neuübersetzung basiert dabei auf der Wiederauflage von Mongoose Publishing, welche 2007 begonnen wurde, und zum Teil neu bearbeitet wurde. Geplant ist eine Komplettübersetzung aller 30 Bände, nicht nur der 12, die es schon deutschsprachig gibt. Den Anfang macht Flucht aus dem Dunkel, welches in einer limitierter Auflage von 1300 Exemplaren erschienen ist, rund 200 Abschnitte mehr umfasst und knapp 15 Euro kostet.
Bevor man nun das Lesen und das Spiel beginnt, muss man sich noch schnell einen Charakter zusammenbasteln, was schnell gemacht ist, da die Regeln nur 11 Buchseiten umfassen. Kampfstärke wird ermittelt mit 10 + W10, Ausdauer, wie die klassischen D&D-Trefferpunkte ein Konglomerat aus physischer und psychischer Gesundheit, mit 20 + W10. Letzterer wird im Anhang auch durch eine Zufallszahlentabelle ersetzt, falls keiner zur Hand ist. Auf diese sticht man mit geschlossenen Augen und ermittelt so zufällig einen Wert. Dazu kommen fünf von zehn Kai-Disziplinen wie Tarnung, Gedankensperre (zur Abwehr telephatischer Angriffe) oder Tierverständnis. Schließlich stellt man eine Art Mönch mit teils übernatürlichen Eigenschaften dar, einen Kai eben. Dazu kommt ein W10 an Goldmünzen und ein Rucksack, in den acht Gegenstände passen.
Das Spielprinzip ist denkbar einfach. Man liest einen kurzen Abschnitt des Buches (beginnend mit 1) und wird am Ende vor eine Auswahl gestellt, z.B.: Möchtest Du den Weg nach links folgen, lies 137, wenn Du eher den rechten Weg nehmen möchtest, dann lies 34. Hast Du die Disziplin Spuren lesen und möchtest sie anwenden, dann lies 523. Kommt es zum Kampf, werden die Kampfstärken beider Gegner ermittelt und der Kampfquotient, mathematisch die Differenz beider Werte, ermittelt. Für jede Differenz zwischen –11 bis +11 gibt es eigene Spalten. Die dazugehörige Spalte wird mit dem W10 ermittelt, bei einem Kampfquotient von +3 verliert der Gegner bei einer gewürfelten „2“ 6, Einsamer Wolf nur 3 Ausdauerpunkte, bei einer 8 verliert der Gegner schon 12 Ausdauerpunkte, während Einsamer Wolf unverletzt bleibt.

Die Story dreht sich um einen Überfall auf das Königreich Sommerlund im nördlichen Magnamund durch die grausamen Giak, hinter denen eine noch unbekannte Macht steht. Da die Kai die Elitekrieger des Königreichs und zudem die Anführer der königlichen Truppen sind, ist ihr Kloster eines der ersten, die überraschend angegriffen werden. Der Charakter muss sich so erstmals bewähren und hat die Aufgabe während des Kampfgetümmels, ein Signalfeuer zu entzünden, um den König in der Hauptstadt Holmgard zu warnen. Ist dies vollbracht, gilt es selber die Flucht zu ergreifen und sich selbst gen Hauptstadt durchzuschlagen, um den König höchstselbst über die Geschehnisse zu informieren. Allerlei Herausforderungen und Gefahren liegen auf den Weg.

Joe Dever legte 1984 eine gelungene Geschichte vor, in der der Leser selbst entscheiden darf, welche Risiken der Protagonist des Buches eingehen sollte und erlebt die Kämpfe hautnah mit. Die Überarbeitung und Erweiterung auf 550 Abschnitte macht sich positiv bemerkbar, statt direkt auf der Flucht zu starten, erlebt man den Angriff auf`s Kloster nun mit. Vielerorts lassen sich Gegenstände finden, die später während des Abenteuers eingesetzt werden können. Alle Disziplinen spielen während des Abenteuers mal eine Rolle, egal ob in Form von Boni auf einen Entscheidungswurf (Mache eine Zufallsprobe. Ist der Wurf „4“ oder niedriger, lies weiter bei 123. Bei „5“ oder höher lies weiter bei 386. Jagen bringt Dir einen Bonus von 2 Punkten auf den Wurf.) oder als eigener Abschnitt, der zusätzliche Informationen bietet. Oft gelingt es Entscheidungen nicht als „Richtig / falsch“, sondern tatsächlich als „Entweder / oder“, also mehrere gleichwertige Ansätze, darzustellen.

Optisch macht das 416-seitige Werk auf reinweißem Papier durchaus was her. Hervorzuhoben ist das Flexicover mit vollseitigem Bild, welches sich auch auf dem Buchrücken fortsetzt sowie die doppelseitige Farbkarte vom nördlichen Magnamund, welche auch im Spiel ihren Nutzen als Orientierungshilfe hat. Weniger Pluspunkte finden die Innenillustrationen von Mongoose, welche nur im Ausnahmefall zu gefallen wissen, zumindest was die gnzseitigen Grafiken betrifft. Die Kleingrafiken wie Waffen sind hingegen recht gelungen. Zu Beginn befindet sich eine Urkunde, bei der sich der Besitzer eintragen kann und hier lassen sich leider die Bearbeitungsspuren finden. Die deutschen Wörter sind nämlich leicht unterpixelt (Original überklebt und eingescannt). Letztlich ist das alles aber nur Bonus auf ein spannendes Leseerlebnis. Letzte kleine Kritik am Schluß: die Charakterbögen gibt es noch nicht als Download und wer möchte schon das tolle Buch beschmieren bzw. beim Kopieren knicken. Aber da es nur wenige Angaben benötigt, reicvht auch ein leeres Blatt Papier.

Fazit: Als jemand der über HeroQuest und Einsamer Wolf anno dazumal zum Hobby Rollenspiel kam, waren es zwei wunderbare Nachmittage voller Oldschoolfeeling. Die Faszination der Einsamen Wolf-Bücher hat sich nach den Jahren noch nicht erschöpft – und das es jetzt eine neue Generation erneut erleben darf, ist eine wunderbare Nachricht. Aufmachung und Limitierung wird zudem Sammler ansprechen. Und spätestens nach den ersten 12 Bänden wird es auch für die interessant, welche die bisherigen Bände schon im Schrank stehen haben.

 

 

 

4 Kommentare

  1. Einsamer Wolf. *seufz* *schwelg*
    Für mich eine sehr wichtige Buchserie auf meinem Weg zu Fantasyrollenspielen. Und überhaupt die geilste Spielbuchserie aller Zeiten. Ich weiß aber jetzt schon, daß ich Gary Chalk schmerzlich vermissen werden…

    Liken

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