Schauermärchen zum Free RPG Day

Das Cover von Better than any man

Bücher vernichten war noch nie gut. Und schon gar nicht, wenn ein amerikanischer RPG-Shop das LotfP-Abenteuer Better than any man zum Free RPG Day zerstört und die gesamte Aktion nun boykottiert. So gelesen bei einem seiner Kunden bei Google+.

Bangrim, der mich auf den Link stieß, fasst zusammen: „In Cincinnati hat ein Shop „Better than any man“ direkt nach dem Erhalt zerstört und sich über den Inhalt beschwert. „Abenteuer wie dieses bringen unser Hobby in Verruf“. Der Store will als Folge auch nicht mehr am Free RPG Day teilnehmen.“

James Raggi ist auch schon aufmerksam geworden und hat es kommentiert.

15 Kommentare

  1. Wobei Raggi auch sagt, das er von hintenrum mitgekriegt hat, das der „ach-so-aufgeregte“ schon vorher angekündigt hat nicht mehr beim free RPG-day mitmachen zu wollen.
    Aber ganz egal der Grund, was für eine bescheuerte Aussage im 21. Jhdt., bei einem Produkt, wo vorne ganz groß „18+ für Erwachsene“ draufsteht.

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  2. Bescheuert, bescheuert, bescheuert. Wirklich. Andererseits natürlich wieder eine Möglichkeit für Mr. Raggi, die Profilneurose zu schärfen. Aus seinem Blog:

    People who want to suppress ideas are the really the dangerous people in this world (…) I feel like I’m on the side of Truth and Justice and Freedom…

    Jeeez. Machs mal ’ne Nummer kleiner. Exploitive Gorn != Ideas. Ändert nichts, daß die Bann- und Brennfraktion einen bedauernswerten Ausschnitt der Menschheit darstellt.

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  3. Nachtrag, bevor das wieder große Wellen schlägt.

    1) Ich kenne sehr vieles aus der LotFP-Reihe, incl. Grindhouse. Daher meine Einschätzung: Gorn.
    2) Das Produkt infrage kenne ich nicht.
    3) Selbstverständlich gibt es die Freiheit der Kunst, und ja, nur weil ICH das Zeug für Müll halte, ist es trotzdem für andere sicher Kunst. Da widersprech ich nicht.

    ABER

    4)woran ich mich reibe ist die selbstüberhöhende Formulierung „Unterdrücken von Ideen.“ Die Menschenrechte sind eine Idee. Die französische Revolution. Die attische Demokratie. Der Faschismus. Alles Ideen, und in der Liga spielt Raggis GETIPPTES eben nicht.

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  4. @Tagschatten: Hast du Gorn gelesen? Weil der Vergleich ziemlich hinkt.
    Sexual- und Gewaltfantasien als Wunscherfüllung des Protagonisten/Autors* ist ungleich Darstellung von Sexual- und Gewaltfantasien in einem Szenario, das diese bestimmt nicht als wünschenswert darstellt. Genau wie die Sympathien in einem Horrorfilm selten bei dem Monster liegen… egal wie splatterig der daherkommt.
    Bei den Ideen sehe ich das aber ähnlich.

    * zumindest in den späteren Büchern.

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  5. @Tagschatten / „Ideen“: Taggi ist sicherlich ein Selbstdarsteller und Egozentriker, imho aber ein durchaus symphatischer. Ich glaube nicht, dass er selbst der Meinung ist, seine „Idee“ steht auf einer Stufe mit den genannten Dingen. Auch ich habe täglich Ideen, trotzdem würde ich sie nicht auf diese Stufe stellen.

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  6. „Ich glaube nicht, dass er selbst der Meinung ist, seine “Idee” steht auf einer Stufe mit den genannten Dingen.“

    Nachdem ich jetzt die angemessene Summe (Zero) und zuviel Zeit (1 Stunde) in dieses Produkt investiert habe, darf ich freundlich meine Gegenmeinung zur Kenntnis geben. Aus den Author Notes und dem Adventure Background alleine springt Dich fast jeden Absatz die Meinung des Verfassers an, wie „wichtig“, „ehrlich“, „tief“ etc. sein vorliegendes Werk ist. Wirklich, lies das mal.

    Daß er vom 30jährigen Krieg allenfalls oberflächlich Kenntnis hat und die tiefere Bedeutung vor allem in psychoszialer, wertegeschichtlicher und kulturhistorischer Hinsicht in *keiner* Weise durchdringt, ist evident. Er benutzt diesen Krieg als Hintergrundrauschen. Was prinzipiell durchaus in Ordnung geht, nur dann will ich derlei hochtrabenden Mist nicht im Vorwort lesen:

    „Using real-world terms makes this more powerful. This is not some made-up religion involving deities with too many apostrophes in their name. This is about Roman Catholics and Lutherans and how they see Jesus Christ and your players will take it more seriously because of it.“

    Dieser Kram zieht sich über S e i t e n , so daß ich beim Lesen des eigentlichen Abenteuers dann schon ziemlich mies gelaunt war, als es ENDLICH begann. Ich will kein komplettes Psychogramm des Schreibers, bevor ich ans Geschriebene komme, vor allem will ich nicht dieses pompöse Heißgebläse.

    Cheap Exploitation. Sold with self-aggrandizing pretentiousness by someone really full of himself.

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  7. Und wie immer muß ich noch einen Nachtrag liefern, um mögliche Reflexe zu vermeiden: Es geht NICHT darum, ob und daß er Fakten erfindet oder unterläßt – das ist dichterische Freiheit. Die sei ihm gegönnt, von Herzen, und er ist aufgefordert, sie sich als Autor zu nehmen.

    Es geht darum, daß er die Bedeutung des Gesamtereignisses nicht versteht, das ist so offenkundig, und trotzdem erzählt, seine Einbindung von Realität verursache ein so tiefes Spielerlebnis.

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  8. Allgemein staune ich bei amerikanischen Produkten über ihre Intros oder Klappentexte. Da ist das vorliegende Produkt immer „die beste aller möglichen Welten“… Raggi hat da sicherlich noch ne Extra-Potion Selbstdarstellung getrunken, aber ehrlich gesagt, auch wenn der Typ ein Idiot wäre und vollkommenen Scheiß schreibt, ist es immer noch Lötzinn, seine Bücher zu vernichten.

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  9. Darüber diskutieren Du und ich nun ja nicht und sind auf derselben Seite.

    Übrigens handwerklich und vom Grundgerüst ist da Substanz vorhanden. Wenn man ihm jetzt noch die bräsige Selbstüberhöhung hinterm Haus erschießt und diese elenden, pubertären Hihihi-Elemente wegläßt. ist das besser als ich es erst wahrhaben wollte. Soviel Fairness muß sein.

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