Ameryll-Kickstarter im Kamingespräch

Das Steampunkrollenspiel Ameryll (Homepage) versucht derzeit als erster deutscher Kickstarter genug Geld für eine Veröffentlichung zusammenzukriegen. Ich hab mithilfe der G+-Community ein paar Fragen gesammelt und sie Christine Schwab zu Beginn des Kickstarts zugeschickt. Die Antworten gab es gestern und auch wenn sich während der Kampagne schon einige Änderungen ergaben, dürfte das trotzdem recht spannend sein – hoffe ich! Im Blog Nerds-gegen-Stephan gibt es übrigens ein weiteres Interview.

GK: „Vielleicht magst Du uns erstmal Euren Kickstarter, das Steampunkrollenspiel Ameryll schmackhaft machen in wenigen Sätzen?“

CS: „Ganz einfach: wir haben nicht versucht, Steampunk in eine pseudo-viktorianische Alternativwelt Englands Ende des 19. Jahrhunderts zu setzen, sondern haben versucht, eine eigenständige Welt mit einer gewissen Mischung aus Steampunk mit klassischen Fantasyelementen zu kreieren. Damit es gut und spannend spielbar ist. Deshalb habe wir auch nicht nur Menschen als spielbare Rassen.
Das Lebenselixier dieser Welt ist der Dampf. Eine Kraft – erzeugt aus Wasser und jenem geheimnisvollen Mineral, das man Ameryll nennt –, das den Menschen eine beispiellose Entwicklung ihrer Zivilisation ermöglicht hat. Diese Kraft treibt Maschinen und Fahrzeuge an, erzeugt den nötigen Auftrieb für die teilweise gewaltigen Fluggeräte der Menschen und spendet Wärme und Licht. Das wertvolle Mineral Ameryll wird vom stolzen Volk der Dawain gefördert und in Kartuschen aus Kupfer und Glas, so aufbereitet und verpackt, dass es an der Oberfläche nicht gleich explodiert. Es ist die Grundlage aller menschlichen Technologie.
Nichts desto trotz nutzt nicht jeder in Eskondrien den Dampf und es gibt in dieser Welt auch durchaus Elektrizität. Die Hauptfortbewegungsmittel sind immer noch Pferd und Kutsche, da Ameryll sehr wertvoll ist und mit Bedacht eingesetzt wird. Ansonsten würden wir uns auch schnell wieder in unsere heutigen Welt zur Rushhour wiederfinden. Nur mit Dampf- anstatt mit Benzingetrieben Fahrzeugen.
Mit Elektrizität sollte Ameryll allerdings nicht  in Verbindung gebracht werden, da es hier üble Wechselwirkungen gibt. Seit 150 Jahren sind solche Experimente im Kaiserreich strikt verboten, nämlich von dem Tag an, als ein unglückseliges Experiment dazu führte, dass die komplette führende Universität ausgelöscht wurde.

Was gibt es noch zu sagen? Die Hauptstadt Eskondriens ist Trevellian und dort regiert die amtierenden Kaiserin Amelia. Vom Volk verehrt und von den adligen argwöhnisch beäugt, ist doch nun seit mehr als 50 Jahre an der Macht und sieht noch immer aus wie 30. Haben die Tyskells eine heimliche Nachfolgerin auf den Thron gesetzt und damit alle anderen Königshäuser um die Chance betrogen, einen eigenen Kaiser zu stellen? Oder ist hier gar okkultes am Werk? Schlimmer noch, ist Amelia vielleicht gar keine Mensch und gehört zum Volk der Valdirim?
Du siehst, Fragen über Fragen auf einem Kontinent voller Abenteuer, Vielseitigkeit, Geheimnisse, Intrigen, Spannungen und Krieg.“

GK: „Bei Eurem Kickstart ist ja die Rede von Abenteuern wie auch Romanen. Was soll denn auf die Box noch folgen?“

CS: „Wir möchten die Welt für die Spieler noch greifbarer machen und mit Geschichten, die in Eskondrien spielen noch aufwerten. Die Romane werden natürlich auch für Nichtspieler absolut lesenswert sein. Und dann soll es natürlich noch zusätzliche Quellenbücher geben, allen voran, Steamtech.“

GK: „Wer steht denn alles hinter dem Projekt? Vielleicht magst Du uns eine Kurzvorstellung geben?“

CS: „Unser Team besteht derzeit aus fünf fest angestellten Leuten, die sich mit dem System beschäftigen. In erster Linie wäre da Stefan, unser oberster Weltenbauer. Natürlich Inga und Maik, die maßgeblich für die Illustrationen verantwortlich sind, Isabell, unsere Lektorin und meine Wenigkeit, die alles koordiniert. Im Hintergrund werkeln allerdings noch eine Menge Freiwillige mit.“

GK: „Mit welchen Rollenspielsystemen hast Du denn bisher Erfahrung gesammelt?“

CS: „Unter anderem mit D&D, DSA, Shadowrun, etc. Aber das ist bei jedem von uns etwas anders. Teilweise spielen die Leute bei uns schon seit 30 Jahren – fast schon alte Opas :-)“

GK: „Kannst Du zu den Regeln schon etwas sagen?“

CS: „Es wird ein System auf Basis von W10 sein. Natürlich mit der Möglichkeit seinen Charakter weiterzuentwickeln. Am Anfang steht eine gewisse Anzahl an Attributs- und Fertigkeitspunkte zur Verfügung, die dann stückchenweise hochgesetzt werden können.
Das Regelsystem ist aber gerade noch in der Testphase, deshalb möchte ich mich da noch nicht so weit aus dem Fenster lehnen. Wir müssen die verschiedensten Komponenten, Klingen- und Schusswaffen, Arkanes und Okkultes, Technologie und einiges mehr miteinander verbinden, ohne dass da ein Regelmonster entsteht. Magie beispielsweise wird keine Feuerball-Bruzzel-Magie werden, sondern soll eher subtiler sein. Andererseits müssen wir typische Steampunk-Elemente wie Maschinen, künstliche Gliedmaßen usw. regeltechnisch abbilden. Aber wir sind zuversichtlich, unsere Hardcore-Spielrunden fanden unsere Ergebnisse bislang als gut spielbar.“

GK: „Der Prometheus-Verlag hat zwar mit der Übersetzung von Ratten schon Kickstarter benutzt, ihr seid aber die ersten, die ein deutschsprachiges Rollenspiel hierüber produzieren wollen. Wie kam es dazu? War es die recht neue Möglichkeit, Kickstarter für deutsche Projekte nutzen zu können oder war schon länger etwas geplant?“

CS: „Unser Projekt über Kickstarter ins Leben zu rufen hatten wir schon länger geplant. Hier erhoffen wir uns die Möglichkeit, ein möglichst breites Publikum für unser Projekt begeistern zu können. Natürlich war es für uns ganz praktisch, als dann die deutsche Version von Kickstarter an den Start ging. Auch wenn das Backen in Deutschland noch nicht so weit verbreitet ist wie zum Beispiel in den USA.“

GK: „Welche Erfahrung habt ihr denn selber mit Kickstarter & Co. Habt ihr selbst schon viele Projekte mitfinanziert oder gar selbst schon eines dort realisiert?“

CS: „Mit Ameryll sammeln wir unserer ersten Erfahrungen mit Kickstarter. Es ist unser erstes Projekt in dieser Art und Weise und wir lernen noch dazu.“

GK: „Habt ihr schon Erfahrung sammeln können mit dem Schreiben, Veröffentlichen und Vertreiben von Büchern (oder ähnlichen Medien)?“

CS: „Ja in der Tat haben wir hier auf Grund unserer bisherigen beruflichen Vergangenheit schon Erfahrungen sammeln dürfen😉
Hauptsächlich sind wir ja tatsächlich ein Buchverlag.“

GK: „Eine Frage, die bei vielen Kickstarts nicht klar ist, aber eigentlich immer sehr interessant. Wieviel des Projektes existiert schon im Kopf und wieviel davon auf Papier?“

CS: „Hm, das ist jetzt eine schwierige Frage. Viel ist ja auch immer eine Frage der Definition😉 Ich würde sagen, dass wir bereits sehr viel zu Papier gebracht haben, aber zum Beispiel gerade was die Regeln angeht, noch in der Arbeitsphase sind, um möglichst viel Feedback berücksichtigen zu können.“

GK: „Apropos Papier. Warum gibt es eigentlich kein .pdf? Oder wird das evtl. noch nachgeschoben?“

CS: „Auf vielfachen Wunsch haben wir jetzt exklusiv für unsere Backer ein neues Pledgelevel mit der digitalen Version erstellt.“

GK: „Eure Zielsumme beträgt ja 20.000 Euro. Was soll damit realisiert werden, gibt es z.B. eine Zielauflage etc.“

CS: „In der Zielsumme sind natürlich die Produktions- und Layoutkosten für die deutschen und englischen Bücher, also Regelwerk und Abenteuerbuch enthalten. Dazu die Spielebox an sich, der Spielleiterschirm, die Landkarte und die Würfel. Dadurch, dass wir zweigleisig fahren ist die Summe natürlich höher angesetzt.“

GK: „Eines Eurer Bonusziele ist ja eine englische Übersetzung. Da Euer Kickstart ja zweisprachig daherkommt, wäre es nicht besser von vornerein eine englische Übersetzung zu machen, in dem Sinne, dass gerade englischsprachige Spieler Kickstarter viel nutzen und den größeren Markt haben?“

CS: „Mit den vielen Feedbacks die uns bereits erreicht haben, haben wir das bereits geändert. Das war zugegebenerweise einfach ein Denkfehler von uns.“

GK: „Ein weiteres Strechgoal ist ein Europäisches Steampunkfestival? Was hat es damit auf sich.“

CS: „Auch die Goals haben wir entsprechend des Feedbacks angepasst. Daher gibt es das Festival jetzt nicht mehr als Goal. Dafür mehr Spielmaterial.“

GK: „Und nochmal ein Strechgoal: die Community-App. Was ist das?“

CS: „Da wir die App aktuell rausgenommen haben, möchte ich dazu noch nichts verraten.
Auf Grund des gesamten Feedbacks auf der RPC kamen wir zu dem Schluss, dass das wohl nicht sonderlich wichtig zu sein scheint. Komischerweise haben wir jetzt plötzlich Nachfragen danach :-)“

GK: „Euer höchster Pledge ist ja ein professionelles Steampunk-Fotoshooting, bei dem man auch die Gewandung behalten darf. Mir kam der Gedanke, dass das ja als Einsteiger in ein Steampunk-LARP mit viel Geld aber wenig Lust selbst zu basteln ideal wäre. Was kann man denn da so erwarten an Gewandung?“

CS: „In jedem Fall wird es ein individuelles Steampunkgewand werden und nichts von der Stange😉 Natürlich in Abhängigkeit des Geschlechts des Backer und mit Rücksichtnahme auf persönliche Wünsche. Auf jeden Fall werden wir hochwertige Materialien verwenden, die dem Pledge angemessen sind. Da sich in unserem Team eine professionelle Schneiderin befindet, wird sich da sicher etwas cooles entwickeln.“

GK: „Über die Google Plus-Community erreichten uns auch einige Fragen. So auch, wie ihr Euch im Vergleich zum Eis und Dampf-Rollenspiel aufgestellt seht.“

CS: „Leben und leben lassen sag ich da nur😉 Schlussendlich entscheidet der Spieler welches System ihm mehr liegt. Hier spielen ja oft nur Nuancen eine Rolle.“

GK: „Wie sind Eure Eindrücke von der RPC? Wie waren die Reaktionen auf Euer Rollenspiel, was konntet ihr von der RPC mitnehmen?“

CS: Die RPC war wie immer super bunt, aufregend und voll. Am Samstag war die RPC tatsächlich ausverkauft. Die Reaktionen auf Ameryll waren durchweg positiv. Wir hatten unglaublich viele Spieler am Stand mit denen wir uns sehr ausführlich unterhalten konnten und die auch ganz konkrete Fragen gestellt haben und uns auch wertvolles Feedback gegeben haben. Hier noch mal ein ganz großes DANKE an Alle, die mit uns gesprochen haben.

GK: „Wir bedanken uns herzlich für Eure Zeit und wünschen viel Erfolg beim Kickstart!“

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2 Antworten to “Ameryll-Kickstarter im Kamingespräch”

  1. Tim Says:

    Schade, dass viele Passage eins zu eins sowohl an dich, als auch an Stephan gegeben wurden. So erfährt man wenig anderes.

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  2. NERDS-GEGEN-STEPHAN.DE Says:

    Ameryll – Exklusives Interview mit den Kickstartern

    Nicht erst seit „Space 1889“ ist das Steampunk-Genre in Deutschland ziemlich populär. Nun versucht ein ambitioniertes deutsches Team über das Crowdfunding-Portal Kickstarter ein neues Steampunk-Rollenspiel namens „Ameryll“ zu finanzieren. 8 Tage vo…

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