#RPGaDAY2015 Tag 19 – Deine Lieblings-Superhelden-RPG?

Superhelden ist ein Gene, dass sich in Deutschland nie richtig etablieren konnte, bei mir auch nicht – lange Zeit. Erst seit etwa 3 Jahren lese ich intensiver Comics und auch Mangas. Ein Pathfinder-Redaxkollege übersetzte Capes, Cowls and Villains Foul und ich hab es lektoriert, leider ist es noch nicht erschienen. Bei der Hannover spielt! hatte ich Gelegenheit, es auch mal zu testen. Gefällt mir richtig gut, vor allem lassen sich Comicinhalte damit gut umsetzen.

Ich habe irgendwann mal mit Champions bzw. Hero System eine Proberunde gehabt. Da ist der Ansatz ja sehr simulatorisch, jede Kraft hat eine Stärke, kostet so und so viel, hat sie die und die Einschränkung dann nur den x-ten Bruchteil. Ich weiß noch, dass ich so ein Defensiv-Rüstungstyp war, quasi Ironman, und gegen Bankräuber angetreten sind. Einer von denen warf eine Granate und ich wollte eigentlich cool drauftreten und sie explodieren lassen. Ja, das machen Leute in Comics. Aber so funktioniert das halt nicht mit dem System.

CCVF geht da etwa abstrakter ran, jeder Superheld (und Schurke) kann seine Erschaffungspunkte dazu nutzen, seine Kräfte relativ frei zu definieren. Nehmen wir z.B. den Hülk. Der könnte wie folgt aussehen:

Durch Gammastrahlen bewirkte Unverwundbarkeit 13 (1)-(2)-(3)
– Verknüpfung +5
– +2, wenn der Gegner stärker ist
Der Stärkste, den es überhaupt gibt 12 (1)-(2)-(3)
– Verknüpfung +5
– +2, wenn der Gegner stärker ist
– +2, wenn verknüpft mit Stärke
– +2 mit 3 Rückschlagsmarken
– Nur unter Druck einsetzbar (nur mit 2 oder mehr Rückschlagsmarken verwendbar)
Durch Gammastrahlen bewirkte Superstärke 12 (1)-(2)-(3)
– Verknüpfung +5
– +2, wenn der Gegner stärker ist
Sie werden nicht mögen, wenn ich verärgert bin 5 (1)-(2)-(3)
– Verknüpfung +5
– +2, wenn der Gegner stärker ist

Einige Details habe ich jetzt weggelassen, insbesondere auch sein Alter Ego Bruze Bammer (den man z.B. als Komplikation einsetzen kann). Das System arbeitet mit dem W12 und einem vergleichenden Wurf, wobei Kräfte nur X-Mal eingesetzt werden dürfen pro Szene. Meist werden sie dann schwächer, das würde bei Hulk wenig passen, der wird stärker. Das wird repräsentiert durch (1)-(2)-(3), was bedeutet erst 1W12, dann 2W12, dann 3W12. Diese werden nicht addiert, sondern der beste genommen. Und der Wert des Merkmals dazugerechnet, hier also 13.

Nehmen wir die Granate. Der Hulk tritt also auf die Granate. Die ist saugefährlich und hat eine Schwierigkeit von 8, dazu dann der W12 (oder genauer: der Bankräuber-Schrägstrich-Terrorist hat z.B. die Fähigkeit MG-Feuer 5 – (1)-(1)-(1) und Granate 8 – (1) [danach ist sozusagen das Magazin alle] und außerdem Geiseln 5 – (1) und Fiese Forderungen 3 – (1). Sagen wir also er würfelt ganz gut und hat ne 9 gewürfelt, macht 17. Wirft der Hulk nun weniger als 4, tut ihm die Granate nicht gut und er bekommt ein Rückschlagsmarker, würfelt er besser, hat er die Granate „gut verdaut“ – was übrigens auch ne Möglichkeit wäre, mit der Granate umzugehen (und, ja klar darf der SL da nen Situationsbonus für die Granate geben). Ist der Hülk erstmal angeschlagen, hat er die Möglichkeit weitere Eigenschaften einzubringen. Steckt hinter dem Bankraub z.B. der Skulldriver mit seinen Spießgesellen, richtet dieser seine Mystische Energiemanipulation (12) – (3)-(2)-(1). Diese hat den Vorteil Vielseitig und wurde von ihm schon als Energieschild benutzt, als er Copper Man ausschalten musste. Nun nutzt er sie als Energiewaffe in der zweiten Anwendung, sprich 12 + der bessere von 2W12. Sagen wir, er wirft eine 8, macht 20. Hülk ist mittlerweile mit zwei Rückschlagsmarken angeschlagen (hat man zuviele, scheidet man aus der Szene aus) und verknüpft daher seine Unverwundbarkeit mit Sie werden nicht mögen, wenn ich verärgert bin. Das Merkmal hat allein den Wert 5, als Verknüpfung aber den Wert 3, macht also 16. Wirft der Hülk also erneut unter 4 … Diesmal hat er allerdings 2 oder 3 Würfel, je nachdem die wievielte Anwendung das ist. Hat er sie aufgebraucht, könnte er z.B. eine seiner Stärkekräfte benutzen, um mit einem gewaltigen Sprung auszuweichen, eine Wand rauszureißen und als Schutzschild benutzen oder ein Loch in den Boden kloppen, um darin zu verschwinden.

Soweit ein kleines Beispiel, liegt schon etwas zurück – sowohl Lektorat als auch Probespiel – und wie gesagt, etwas vereinfacht ist es auch. Insgesamt gibt es drei Machtlevel und während Superman wohl auf dem oberen wäre, wäre jemand wie Batman wohl eher auf dem unteren (oder mittleren). Damit die an einen Spieltisch können, bekommt der  auf unterem Niveau einfach mehr sogenannte Redaktionelle Kontrolle, eine Art Bennies.

So konzentriert sich das ganze auf einzelne Szenen, es kommt auf kreative Nutzung seiner Merkmale an und so entsteht nach und nach Narration. Was mir im Prinzip bei fast jedem anderen Genre Hitzepickel verschaffen würde, klappt imho im Genre Superhelden sehr gut, das fühlt sich deutlich mehr nach Comic an als nach Simulation. Würde mich echt freuen, wenn es nochmal auf Deutsch rauskommt, so muss man sich mit den deutschen Quickstart (gratis) oder das englischspr. System (aktuell 9 statt 15 Dollar im .pdf).

Mit dabei z.B. In the shadow of a die (Mutants & Masterminds 3), Jaegers.net (keins), Yugoloth (Aberrant), Sprawldogs (Heroes Unlimited), Adrian (Mutant City Blues), Malspöler (TORG) und Mondbuchstaben (Nephilim).

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6 Antworten to “#RPGaDAY2015 Tag 19 – Deine Lieblings-Superhelden-RPG?”

  1. Argamae Says:

    Ha, na klar hätte das mit dem „auf die Handgranate treten“ bei CHAMPIONS funktionieren können, Ingo. Ich hatte ja damals geleitet, erinnere mich aber nicht mehr an die Szene, um ehrlich zu sein. Aber mit genug Armor oder Hardened Defenses sollte einem eine Handgranate nicht mehr viel ausmachen können.
    Wegen CCVF: ich befürchte, das ist nicht die Art und Weise, wie ich Superhelden bespielen möchte. Mißfiel mir auch schon bei Marvel Heroic Roleplay oder Marvel Universe RPG, die diesen arbiträren Ansatz verfolgen. Ich möchte in einem Superhelden-RPG keinen Comic emulieren, sondern das Genre.

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  2. greifenklaue Says:

    Ja, aber auf die Granate treten ist immer schlechter als sie wegzutreten bei simulativen Systemen. Bei CCVF ist es egal, wie man es macht, solange man es sinnvoll mit einem Merkmal verknüpft.
    Die Schwierigkeit das Genre Comic zum RPG zu machen ist imho, dass es kein Genre Comic gibt, sondern sich innerhalb des Oberthemas (Superhelden-) Comic ganz viele Subgenres gibt. Ein Comic kann eben Batmans bodenständige Detektivarbeit sein, aber auch Weltraumschlachten mit Superman oder den Guardians oder eine Rachestory a la Punisher. Und wenn es blöd kommt, kämpft Batman an der Seite von Superman und es muss immer noch funktionieren.
    Was im normalen P&P bei mir nicht zündet, zündet bei mir tatsächlich hier. Vielleicht sollte ich mal Fate mit Superhelden versuchen?

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  3. Argamae Says:

    Das ist nicht notwendigerweise schlechter – es hängt immer davon ab, ob man den Schaden „verdauen“ kann oder nicht. Aber ich will mich auch nicht an Deinem Beispiel festbeißen. Natürlich ist es ein komplett anderes Spielgefühl, ob man nun CHAMPIONS oder etwa MARVEL HEROIC spielt.
    Wenn Dich Fate mit Superhelden mal interessiert, biete ich mal eine Runde ICONS an. Ist auch von Stephen Kenson und sicherlich mal eine Proberunde wert.
    CCVF würde übrigens im Gegenzug mich mal interessieren. Du hattest ja vor langer Zeit schon einmal geäußert, eine Runde anbieten zu wollen. Daran wäre ich immer noch sehr interessiert.

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  4. greifenklaue Says:

    Fate würde ich zumindest mal ausprobieren, durchaus mit dem wissen, dass es eher nix für mich ist – aber in der Kombination mit Superhelden ist es vielleicht verträglicher.
    @CCVF: Wie im Artikel dezent angedeutet, hoffte ich auf eine deutsche Übersetzung … Die liegt ja im Prinzip schon vor, aber wie das immer so ist …

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  5. #RPGaDAY2015 Tag 27 – Welche zwei Spiele würdest Du am liebsten zu einem vermengen? | Greifenklaue's Blog Says:

    […] vielleicht Capes, Cowls & Villains Foul (#RPGaDay #19) und Lamentations of the Flame Princess (#RPGaDay #19) – eine Art Weird Marvel […]

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  6. Media Monday #220 | Greifenklaue's Blog Says:

    […] denken. Einige sind echte Perlen (in jedem siebten Ei …), was zum Spielen (also z.B. mit Capes, Cowls and Villains Foul), Überraschendes (Coole Story!), aber auch viel Schrott … Die ersten 60 Bände hab ich […]

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