[Karneval] Kamingespräch mit Christoph Schubert (Artefakt)

Christoph Schubert war lange Jahre Fanzinerkollege und Herausgeber des Vereinsfanzines Artefakt (#7 bis #22) vom FiS e.V. und außerdem Kollege bei der LORP. Der November-Karneval rund um Fanzines (hier die Einladung und dort die gesammelten Artikel) bietet eine gute Gelegenheit, ihn mal zu interviewen und mit ihm über die alten Zeiten zu sprechen. Das Interview wurde per eMail geführt.

GK: „Hallo Christoph! Du warst lange Jahre der Herausgeber der Vereinszines Artefakt, ich meine sogar bei über der Hälfte der Ausgaben!? Magst Du zuerst mal sagen, wie das Konzept des Artefakt aussah und was Du dort alles gemacht hast?“

CS: „Konzept – was war das nochmal?😉 Mein Konzept lautet eigentlich immer das zu drucken, was mir zur Verfügung stand. Und das bestand hauptsächlich aus Material, das von meinem engeren Freundeskreis kam, oder eben von mir selbst. Es kam eher selten vor, dass mir zu viel Material zur Verfügung stand.

Gemacht habe ich eigentlich alles: Abenteuer sammeln, schreiben, Layout, Werbekunden anschreiben, Austausch mit der Druckerei, Versand, Verteilen im Verein, Rechnungen schreiben oder bezahlen lassen. Und natürlich etwas Messearbeit und Austausch mit Shops und Rezensenten, um das Magazin auch jenseits von Coburg etwas bekannter zu machen. Meine Coverkünstler habe ich mir größtenteils über die Künstlerplattform Elfwood besorgt. Dort fand ich Fans, denen es genügte, dass eines ihrer Bilder auch mal gedruckt wurde.“

GK: „In den „fetten Jahren“ so meine ich mich zu erinnern, gab es das Artefakt auch bei Pegasus. Wie kam es dazu?“

CS: „Da kann ich mich eigentlich gar nicht mehr so sehr daran erinnern. Der Kontakt mit Pegasus kam über Frank Heller. Ein paar meiner Freunde aus dem FiS hatten schon Kontakt zu Pegasus, z.B. Uwe Matthes und seine Frau, die Handouts gestalten – später dann auch Joe (Joachim A. Hagen), der für Pegasus schrieb. Frank hat uns immer Mut gemacht und Unterstützung angeboten. Z.B. hat er uns Gero Pappe und Bernhard Bihler als Gastautoren vermittelt. Mit Gero entstand dann ja auch unser PDF-Sonderband „Psychedelic Interzone“.“

GK: „Ich meine mich zu erinnern, dass Euch das auch mal in schweres Fahrwasser gebracht hat als nämlich die nichtverkauften Exemplare gebündelt zurückkamen!?! Magst Du uns die Anekdote einmal zum besten geben.“

CS: „Auch das liegt schon so lange zurück🙂 Klar ist das ein Schock, wenn man soviel Zeit in etwas investiert, das man mit Liebe und Herzblut macht – aber ein Laden muss ja auch wirtschaftlich arbeiten. Letztenendes war das aber auch für uns okay – ich hab schnell eingesehen, dass es erstmal wichtig ist, dass das Heft überhaupt irgendwo angeboten wird. Finanziell war ich aber immer sicher, da hinter mir der Verein stand. Mit eigenem Geld hätte ich so manchen gewagten Schritt wahrscheinlich nicht gemacht. Die Absicherung lies mir aber so genügend Freiraum, um einen etwas derberen Humor nach außen zu tragen, oder ein, sagen wir mal, grenzwertiges Cover abzudrucken (die #10 war im Übrigen am schnellsten ausverkauft).“

GK: „Ich hab die Artefakt immer wahrgenommen als ein Fanzine mit Schwerpunkt auf etwas düsteren Abenteuern. Wie würdest Du Euer Konzept unschreiben und wie hat es sich im Laufe der Zeit geändert?“

CS: „Das lag daran, dass ich eine Vorliebe für düstere Systeme habe. Und da die Inhalte überwiegend von mir selbst kamen, gab dieser Umstand eben den Ton an. Cthulhu nahm da eine Sonderstellung ein.Wir hatten Cthulhu-Abonnenten, die nur Ausgaben wollten, wenn zu dem System was im Heft war. Also habe ich wenn möglich auch immer was dazu geliefert.

Joe hatte später einen anderen Freundeskreis und somit auch einen besseren Zugang zu anderen Systemen. Das lebt eben sehr durch „wer kennt wen“ bzw. „wer spielt mit wem welche Abenteuer“.“

GK: „Was macht für Dich die Faszination Fanzine aus – oder anders: Warum hast Du Dir den Stress angetan?“

CS: „Das ist eine schöne Geschichte. Auf den Hauptversammlungen unseres Vereins suchte man immer händeringend junge Leute für den Vorstand. Vorher wurden aber erstmal andere Ämter verteilt, z.B. das Vereinsmagazin. Dieses erschien damals sehr unregelmäßig, der letzte Chefredakteur war nach einer Ausgabe gerade gegangen. Es gab also für mich keinen Druck irgendetwas abzuliefern und ich konnte bei der Ämterverteilung für den Vorstand sagen „ne danke, hab schon“🙂.

Später wurde das zum Selbstläufer, weil das Schreiben mir großen Spaß machte und man am Ende ja auch seine Arbeit in gedruckter Form in den Händen halten konnte. Das war schon ein tolles Gefühl. Später las man dann noch im Netz über sich selbst, das motiviert schon weiter zu machen. Besonders Dogio vom Drosi hat hier einen großen Anteil, der unsere #8 megamäßig verrissen hatte – später entstand im Heft und in seinen Rezi fast schon eine Metadiskussion zwischen uns. Hätte ihn gerne mal persönlich getroffen. Rückblickend war das eine sehr witzige Zeit, damals war ich aber ganz schön angefressen, obwohl das der richtige Tritt in den Arsch zur richtigen Zeit war.“

GK: „Als Fanziner geht man ja vielen Tätigkeiten nach, Artikel schreiben, lektorieren, vielleicht auch illustrieren, mit den Mitarbeitern, Verlägen und Käufernkommunizieren, vielleicht gar selber am Kopierer stehen, oder den Vertrieb organisieren. Hast Du eine Art Lieblingstätigkeit?“

CS: „Schreibenschreibenschreiben – Layout war die Hölle (versuch mal eine Vorgabe aus Lotus in Corel Venture zu imporieren).“

GK: „Wie sieht es mit einem Lieblingsartikel aus – egal ob ein eigener oder ein im Fanzine gelesener?“

CS: „Es gibt tatsächlich ein paar Sachen, die ich ab und zu gerne nochmal lese. Vor allem waren das die beiden Artikel über die Lovecraftverfilmungen – da konnte ich mal so richtig schön vom Leder ziehen. Aber auch die Artikel über Comics haben großen Spaß gemacht – Comics wurden dann auch schnell zu einer weiteren Leidenschaft.“

GK: „Ich erinnere mich noch an einen Gastartikel von Dir in der Greifenklaue. Wo in der Szene warst Du noch aktiv?“

CS: „Ich war kaum weiter aktiv. Die Arbeit im Verein und für das Magazin haben schon großen Platz eingenommen. Später kam Stefan Sauerbier von der LORP auf mich zu – dort war ich erst Autor, dann Lektor. Dann hab ich das Artefakt abgegeben. Nach dem Studium merkt man erstmal, was man damals an Freizeit hatte. Heute könnte ich das in dieser Frequenz nicht mehr stemmen.“

GK: „Was machst Du heute und spielst Du heute noch Rollenspiele? Welche?“

CS: „Ich bin natürlich weiter leidenschaftlicher Analogspieler und besuche so oft wie möglich unseren monatlichen Spielertreff des FiS, sowie die ein oder andere lokale Convention. Allerdings hat sich meine Leidenschaft zu den Brettspielen verlagert, da diese deutlich weniger Vorbereitung brauchen und im Laufe der Zeit deutlich vielfältiger geworden sind. Aber auch hier bin ich den düsteren Systeme treu geblieben. Von der Arkham Horror Welt habe ich so ziemlich alles, was Heidelberger herausgebracht hat. Eine Zeit lang habe ich sehr intensiv Flames of War gespielt – derzeit spiele ich auch gerne X-Wing.

Ich habe aber immernoch ein paar Ideen für RPG-Abenteuer auf Halde und ein paar Systeme, die ich schon viel zu lange ungespielt im Schrank stehen habe (z.B. Colonial Gothic oder Cold City). Da wird sicher nochmal was passieren. Es ist nicht ausgeschlossen, dass mich die RPG-Leidenschaft auch mal wieder stärker packt – das geht bei mir immer sehr schnell und sehr wellenartig.“

GK: „Wenn Du heute nochmal ein Fanzine machen würdest, was würdest Du anders machen – oder würdest Du gleich auf ein anderes Medium (Blog, Podcast,…) setzen?“

CS: „Sehr schwierige Frage. Man sollte sich bewusst werden, was man will. Mit eigenem Geld würde ich nichts drucken lassen. Da ich mittlerweile auch beruflich in der Onlinewelt unterwegs bin, würde ich eher zum Blog tendieren. Ich bin zudem ein großer Podcast-Fan, wobei ich bisher noch keinen gefunden habe, der das Spielethema plastisch genug wiedergibt – zumindest bei den Audiocasts.“

GK: „Als letztes ein Tipp für angehende Jungfanziner! Welche Weisheit kannst Du ihnen mit auf den Weg geben?“

CS: „Solange Euch das was Ihr tut Spaß macht, macht Ihr alles richtig.“

GK: „Herzlichen Dank, Christoph und weiterhin immer gute Würfe, egal, ob mit oder ohne Brett!“

Linkliste
Homepage FiS e.V.
Artefakt online (Index)
Chistoph Schubert bei der LORP
Artefaktrezis beim DroSi, aber leider keine mehr zu #8.
Artefaktrezis bei der LORP

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3 Antworten to “[Karneval] Kamingespräch mit Christoph Schubert (Artefakt)”

  1. Media Monday #230 | Greifenklaue's Blog Says:

    […] Rollenspiel ^ Fanzines ^ LARP ^ Hörspiel « [Karneval] Kamingespräch mit Christoph Schubert (Artefakt) […]

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  2. GKpod #53 – Fanzines | Greifenklaue's Blog Says:

    […] unserer Projekte haben wir auch schon abgeschlossen: Kamingespräche mit Christoph Schubert (Artefakt) und Ragnar Schwefel (Thorwal Standard), einige folgen noch (aber über die Zeit hinaus), […]

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  3. [Karneval] Kamingespräch mit Joachim A. Hagen (Artefakt) | Greifenklaue's Blog Says:

    […] bevor er dann selbst dort als Chefredakteur darüber hinaus aktiv wurde. Seinen Vorgänger Christoph Schubert hatte ich kürzlich interviewt, nun steht uns Joachim im Kamingespräch Rede und Antwort im Rahmen […]

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