[Rezi] DestinyQuest – Die Legion der Schatten

Neu beim Mantikore-Verlag ist die deutsche Auflage des ersten Teils der Destiny Quest-Reihe Die Legion der Schatten erschienen. Die Übersetzung basiert auf dem 2010 erschienenen englischen Buch The Legion of Shadow. Der Autor Michael J. Ward hat im Englischen die Reihe bereits auf drei Bücher erweitert. Der Mantikore-Verlag bringt nun den ersten Teil auf Deutsch des über 900 Abschnitte umfassende Spielbuches für 20 € heraus. Damit gehört es definitiv zu einem der umfangreichsten Bücher dieser Art.

Ganz klassisch erstellt man am Anfang seinen Charakter. Der Mantikore-Verlag stellt dafür im Download-Bereich einen Spielbogen zur Verfügung, ansonsten findet man auch vier Stück auf den ersten Seiten des Buches. Die Regel sind einfach und in weniger als 15 Seiten erklärt und schon steht euer Abenteurer bereit sich in den Kampf um Valeron zu stürzen. Die Lebenspunkte sind mit 30 festgelegt. Bei den Attributen und Spezialfähigkeiten startet man am absoluten Minimum, nämlich mit gar keinen, dass macht die Charaktererstellung schnell und einfach. Unterschieden wird später zwischen den Attributen Flinkheit, Kraft, Magie und Rüstung. Die Werte in den einzelnen Attributen werden meist zu einem Wurf von 2W6 addiert. Ein Minuspunkt für mich, die Würfel muss man selbst stellen, das Buch besitzt weder eine Zufallstabelle wie beim Einsamen Wolf oder zufälligen Würfelergebnisse auf jeder Seite wie im Spielbuch Reiter der schwarzen Sonne.

Das erste Abenteuer ist schnell gefunden und ich erkenne, dass das Spielbuch überraschend kampflastigt ist. Euer Held muss gegen diverse Monster, Bossgegner oder sogar legendäre Ungeheuer bestehen. Die Gegner besitzen dabei die gleichen Attribute wie euer Held und viele unterschiedliche Spezialfähigkeiten. Später haben stärkere Monster oft deutlich mehr Lebenspunkt (> 100) als euer Held, was den Kampf zu einer zeitintensiven Angelegenheit werden lässt. Im Kampf selbst wird immer eine vergleichende Flinkheitsprobe abgelegt, wobei der Schnellere dann Schaden in Höhen eines W6 Plus seinem Wert in Kraft oder Magie anrichten darf. Davon wird der Rüstungswert noch abgezogen und der Rest schlägt sich in den Lebenspunkten nieder. Leider artet es bei mir in kleinen Würfelorgien aus, den 6W6 (idealerweise mit unterschiedlichen Farben) sollte man schon besitzen, damit Kämpfe halbwegs zügig abgearbeitet sind. Die Powergamer unter euch horchen jetzt vielleicht auf. Ja richtig! Nur wer die Flinkheitsprobe schafft, darf überhaupt Schaden verursachen. Damit nimmt sich das System leider etwas den Reiz, da ein Attribut deutlich wichtiger ist als die Anderen. Am Ende eines Kampfes wird der Held vollständig geheilt und sterben kann man übrigens auch nicht. Beide Punkte erklären sich aber im Laufe der Story. Ich als alter Powergamer habe das Buch daher als „Schurke“ durchgespielt.

Apropros „Schurke“, gut gemacht ist, dass man sich am Anfang auf eine Klasse spezialisiert und später klassenspezifische Berufe (z. B. Taschendieb, Hexenjäger oder Assassine) lernen darf, welche einem einzigartige Spezialfähigkeiten verleihen. Entwickeln tut sich eurer Held übrigens allein durch seine Ausrüstung, den genauso kampflastig wie das Buch ist, ist es auch Lootlastig. Hunderte Ausrüstungsgestände warten nur darauf den Krallen der Unholde entrissen und angelegt zu werden. Zugegeben, dass macht Spaß! Auch Spezialfähigkeiten wie Gift, Ausweichen, Finte, Einspinnen oder „Heureka!“ erhaltet ihr mit neuer Ausrüstung. Nachteil ist eine sehr intensive Pflege des Heldenbogens und so musste ich im Laufe des Buches dreimal einem neuen Heldenbogen anfangen, was es mir aber wert war.

In der Geschichte erwacht euer Held mit einem Schädelhirntrauma und kann sich an nichts mehr erinnern. Viel mehr darf man schon gar nicht erzählen ohne etwas Wichtiges in der Handlung vorweg zu nehmen. Das Buch ist in 3 Akten unterteilt, in welchem ihr mehr über eure Vergangenheit erfahrt und nebenbei noch die Welt Valerion retten dürft. Interessant gemacht ist, dass ihr auf den ersten Seiten des Buches drei Karten zu den drei Akten findet und euch für unabhängige Questreihen entscheiden könnt. Das Design der drei Karten kann leider nicht mit dem hochwertigen Cover des Buches mithalten. Die Quests starten dann bei der angegebenen Abschnittszahl. Diese sind in 4 Schwierigkeitsgrade unterteilt. Leider sind die Quests mehr dafür gedacht euren Charakter für den Bossgegner „hoch zu leveln“ und haben daher oft keinen direkten Bezug zur Haupthandlung. Für meinen persönlichen Geschmack gibt es außerdem zu wenigen Auswahlmöglichkeiten und Attributsproben, so dass zwischenzeitlich bei mir der Eindruck vom „Railroading“ stark war. Für alle die dies etwas abschreckt, sei aber so viel gesagt, die Qualität wird mit jedem Akt besser und im 3. Akt bin auch ich in der Story angekommen und konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

Fazit: Für mich als jemanden, der lieber mehr liest als würfelt ist Die Legion der Schatten nicht die erste Wahl. Ein Fehlkauf ist es auf keinen Fall, auch wenn an einigen Ecken meiner Meinung nach Optimierungspotenzial besteht. Jeder der auf Kampf, Loot und Würfeln steht … unbedingt kaufen! Trotzdem hat mich vor allem der letzte Akt des Buches sehr gut gefallen, so dass ich mir definitiv auch die Fortsetzung kaufen werde in der Hoffnung, dass Michael J. Ward das Niveau halten und vielleicht sogar noch steigern kann.

3 von 5 Legionen

Gemoric

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