[Karneval] Einige Gedanken zu Schätzen – Teil III: Schmuck & Kunstgegenstände

Bruder Grimm aus dem DS-Forum hat sich zum Karnevals-Thema Geld, Gold und Schätze {Diskussion} einige Gedanken gemacht {schon vor seiner DS-Zeit} und präsentiert nach Münzen und Edelsteine & Juwelen hier den dritten Teil rund um Schmuck & Kunstgegenstände.

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Häufig wird Zierrat in Schätzen als nichts weiter als „Edelsteine mit ein bisschen Gold drumherum“ betrachtet. Für unpersönliche Ringe, Ketten oder Broschen, die auch die Auslegware eines jeden Juweliers sein könnten, mag weitgehend alles zutreffen, was über Edelsteine gesagt wurde. Allerdings lässt sich die Herkunft eines Schmuckgegenstandes wiederum leichter bestimmen, teilweise fast so leicht wie die einer Münze. Ein japanisches Medaillon sieht zum Beispiel deutlich anders aus als ein aztekisches, eines aus dem Barock ganz anders als eines aus der Jugendstil-Epoche. Und so kann man allein dadurch, dass man gefundene Gegenstände näher beschreibt (oder seinen Spielern Bilder aus Schmuck-Katalogen oder Antiquitäten-Zeitschriften, oder sogar selbstgezeichnete, vorlegt), einen Eindruck vermitteln vom Stil und vom ästhetischen Empfinden der verschiedenen Regionen und Kulturen einer Spielwelt. Oft hängen diese Qualitäten direkt zusammen mit dem allgemeinen Verhalten, den Wertevorstellungen und der Moral eines Volkes. Eine Gesellschaft, die durch ein höfisches Feudalsystem geprägt ist, bringt meist deutlich andere Kunstgegenstände hervor als eine, die sich durch Feldzüge, Eroberungen und kriegerisches Auftreten auszeichnet. Aufmerksame Spieler können aus der Kunst eines Volkes herauslesen, welchen Umgangston sie von Angehörigen dieses Volkes (im Allgemeinen!) erwarten können.

Nicht alle Schmuckstücke in Schatzhorten müssen aber unbedingt Beutestücke sein. Die meisten Völker einer Fantasy-Welt werden den Wunsch verspüren, ihrem Erscheinungsbild und ihrer Umgebung ihre persönliche Note zu verleihen und nach ihrem ästhetischen Empfinden zu gestalten. Selbst die „primitive“ Kunst von Orks oder Goblins kann bei Kennern und Sammlern einen Wert besitzen, der über den bloßen Materialwert hinausgeht, und auch solche Völker werden häufig „edle“ Materialien zu Schmuckzwecken verwenden, wie z.B. Schildpatt, Elfenbein, Obsidian, Edelhölzer, oder sogar Gold, Silber und Kupfer, die sich auch ohne Schmelztechnik relativ leicht bearbeiten lassen. Darüber hinaus sind Kunstschätze, die von besiegten Monstern selbst erschaffen wurden, eine Gelegenheit (posthum?) den Spielercharakteren Informationen über Kultur, Lebensweise, Geschichte, Schönheitssinn und Religion ihrer Gegner zukommen zu lassen – sei es durch eigene Betrachtung und Rückschlüsse, sei es durch einen Experten, dem die Gegenstände zwecks Schätzung oder Verkauf vorgelegt wurden.
Dies kann dazu beitragen, daß ein Monster über seinen Status als bloße Ansammlung spieltechnischer Werte hinauswächst zu einem denkenden, fühlenden Geschöpf mit eigenen kulturellen und ethischen Vorstellungen – selbst, wenn es bereits besiegt ist…

(c) William McAusland, used with permission

(c) William McAusland, used with permission

Ungeachtet ihrer Herkunft sind Schmuckstücke meist sehr individuell – anders als Münzen oder Edelsteine, die sich untereinander kaum unterscheiden. Ein Schmuckstück ist oft eine einzigartige Einzelanfertigung einer Person, die damit, sich mit dem Stück zu schmücken oder es jemandem zum Geschenk zu machen, eine Aussage treffen wollte. So haben Schmuckstücke, die in Schatzhorten landen, gelegentlich bewegte Geschichten hinter sich, die auch für Abenteurer von Interesse sein könnten. Im folgenden will ich einige Anregungen aufführen, wie ein scheinbar normales Schmuckstück zum Aufhänger für ein neues Abenteuer werden kann.

•   ein Sammler ist hinter dem Objekt her und geht über Leichen um es zu kriegen
•   ein Sammler ist hinter dem Objekt her und bietet bis zum Zehnfachen des eigentlichen Wertes
•   der Gegenstand ist ein entwendetes Heiligtum und jemand, der es wiederbeschaffen soll, ist auf der Suche danach
•   der Name des rechtmäßigen Besitzers ist darin eingraviert
•   Mitglieder einer Geheimgesellschaft sind normalerweise im Besitz eines solchen Gegenstandes
•   das Objekt hat eine geheimnisvolle Inschrift
•   ein magischer Gegenstand funktioniert nur beim Träger dieses Objekts
•   ein Fluch lastet auf dem Gegenstand (hiermit sind eher solche Flüche gemeint, die man auch besonderen Edelsteinen nachsagt; mehr dazu oben)
•   das Objekt ist eine Art Schlüssel (erinnert ihr euch an diese komische Schatulle aus Die Mumie :) )
•   der Gegenstand ist berühmt, galt aber als verschollen
•   jemand hat eine Belohnung zur Wiederbeschaffung des Objekts ausgesetzt
•   das Objekt gehört zum geraubten Kronschatz eines Königreiches
•   der Anblick des Gegenstandes löst bei Angehörigen bestimmter Rassen Furcht, Ehrerbietung oder Zorn aus
•   ein Wesen hat eine Bindung zu diesem Objekt und tut alles um „seinen Schatz“ wiederzubekommen
•   der Gegenstand ist eine Art Ausweis, an dem ein NSC eine Zielperson erkennen soll
•   Vorlage des Gegenstandes gewährt Zugang zu einer wichtigen Person
•   ein NSC hätte exakt diesen Gegenstand gerne, könnte ihn aber nie bezahlen. Vielleicht kann er/sie etwas anderes tun, um das Schmuckstück zu kriegen?
•   ein bestimmter Erkenntnis-Zauber spricht auf den Gegenstand an, obwohl er es eigentlich nicht sollte

(c) William McAusland used with permission

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Ein besonderer Erfolg für jeden schätzeentwerfenden Spielleiter ist es wohl, wenn es ihm gelingt, einen „ganz normalen“ Schmuckgegenstand zu entwerfen, der einem Spieler so überzeugend und besonders erscheint, daß sein Charakter ihn lieber tragen möchte als ihn zu verkaufen. Dazu gehört zum einen, den Geschmack des Spielers (und seines Charakters) mit einer gelungenen Beschreibung des Gegenstandes als etwas Besonderes zu treffen. Wenn so etwas geschieht, ist das ein gutes Zeichen für charakterintensives Rollenspiel in der Gruppe, denn der Spieler hat den persönlichen Geschmack seines Charakters so gut dargestellt, dass der Spielleiter seine Beschreibungen darauf anpassen konnte, und er geht aus rein technischem Denken („Wieviel is’n der Plunder hier wert?“) dazu über, sich wirklich in seinen Charakter hineinzuversetzen und sich vorzustellen, wie er auf die Umgebung der Spielwelt wirkt („Mach’ ich mit diesem Stirnreif nicht einen gebieterischen Eindruck?“).
Zum anderen spielt es für viele Helden oft eher eine Rolle, wie sie einen Gegenstand bekommen haben als wieviel es wert ist. Meist handelt es sich hierbei um Gegenstände, die als Trophäen betrachtet werden. Einem Krieger wird die Zahn-Halskette des ersten Orks, den er je besiegt hat, stets mehr wert sein als jeder Goldschmuck, den er in einem alten Grab findet. Aber auch andere, vielleicht wenig wertvolle, Gegenstände können zu Objekten mit hohem persönlichen Wert werden, oft abhängig vom Charaktertypus: der Federhalter eines berühmten Gelehrten für einen Magier, ein durch eine Wette oder kniffliges Rätsel gewonnener Ring für einen Dieb oder ähnlichen Charakter, ein Geschenk eines „Fans“ für einen Barden, Erbstücke von Vorfahren oder Unterpfande von Geliebten.

(c) William McAusland used with permission

(c) William McAusland used with permission

Eine weitere Möglichkeit, Gegenständen, die nur dekorativen Zweck haben, eine kleine Besonderheit zu verleihen, ist, sie magische Effekte enthalten zu lassen, ohne dass diese einen spieltechnischen Wert haben müssen. Zum Beispiel:
•   ein einfacher Kupferring, der rot leuchtet
•   ein Diadem, über dem nur von magischer Kraft gehalten ein Edelstein schwebt
•   eine Brosche, die in verschieden Regenbogenfarben glitzert und/oder ihr Muster verändert
•   ein Rahmen, der das Porträt eines Fürsten als kunstvolle dauerhafte dreidimensionale Illusion enthält
•   ein Becher, der aus einem dekorativen Gestell und einem magischen Kraftfeld besteht, welches letztlich das Getränk in sich aufnimmt.
•   eine Statuette aus einem Material, das sich nur mit Hilfe von Magie dauerhaft in die entsprechende Form bringen ließ, wie z.B. Eis
Auf diese Weise lassen sich Kunstgegenstände noch ein wenig weiter aufpeppen – insbesondere für hochstufige Charaktere, die schon alles gesehen haben und bei der vierten Platinkrone mit Schwarzen Diamanten langsam ins Gähnen geraten.

Bevor man zu derartigen Spezialeffekten greift, sollte man allerdings auch erst einmal darüber nachdenken, ob man schon alle Möglichkeiten ausgeschöpft hat, die besondere Materialien bieten. Die meisten Fantasy-Welten bieten eine Reihe magischer oder mystischer Materialien (meistens Metalle) an, die nicht unbedingt zu unglaublichen Waffen und Rüstungen verarbeitet werden müssen – insbesondere wenn die dem Schmied zur Verfügung stehende Menge für so etwas zu klein ist. Warum nicht mal ein Amulett aus Mithril, ein Diadem aus Dlarun oder eine Statuette aus Mindorium (je nachdem, welches Element auf eurer jeweiligen Spielwelt vorkommt)?
Allerdings: gerade hiermit nicht übertreiben. Die fünfte Brosche aus Gold wird den meisten Spielrunden noch realistisch erscheinen, aber nach der fünften aus Adamantium beginnt allmählich die Glaubwürdigkeit der Spielwelt zu leiden…

Der bisherige Text ist davon ausgegangen, daß es sich bei Kunstgegenständen um kleine, relativ leicht transportable Dinge handelt, und normalerweise sollte man davon ausgehen, daß so sperrige Objekte wie Statuen, Wandvertäfelungen oder Möbelstücke nicht als Schätze betrachtet werden, insbesondere, wenn die Helden ausreichend mit anderweitigen Reichtümern abgespeist werden. Aber Vorsicht: Gier macht erfinderisch!
Bei Gegenständen, die nur in einem Stück wertvoll sind, wie Marmorstatuen oder riesigen Wandteppichen, werden sich die Spieler zweimal überlegen, ob sie sich damit belasten möchten – allerdings sollte man sich als Spielleiter darüber vergewissern, was den Charakteren an Telekinese- oder Verkleinerungs-Zaubern zur Verfügung steht. Zugegeben, Magieaufwand zum Abtransport sperriger Schätze ist vielleicht in vielen Fällen die Mühe nicht wert, und die verfügbare Magie ist sicherlich begrenzt. Daher kann man solche Eskapaden getrost erlauben – vor allem, wenn die Magie den Helden dann an anderer Stelle fehlt…
Andere Gegenstände mögen zwar in einem Stück kaum transportabel sein, bestehen aber vollständig aus edlem Material –  z.B. Statuen aus purem Gold, Himmelbetten aus Edelholz, Wandvertäfelungen aus Bernstein – wodurch es lohnenswert wird, die Stücke einfach zu zerlegen und zumindest noch für den Materialwert zu kassieren.
Auch Blattgold mag einige Charaktere dazu verleiten, ihre Dolche zu zücken und ausgiebige Kratzarbeiten zu beginnen. Dies ist jedoch eher eine Bemühung für den gemeinen Grabräuber (zu denen sich Ihre Helden doch sicher nicht zählen möchten), da ein Quadratmeter Blattgold, je nach Schichtdicke, lediglich 2 – 3 Gramm wiegt (für eine menschengroße Statue dürften ca. 2-4 m² Blattgold ausreichen). Das Vorhandensein von Blattgold ist jedoch ein ziemlich sicheres Zeichen dafür, daß eine Stätte bisher von Räubern unberührt blieb.

Doch der wichtigste Zweck großer Kunstgegenstände sollte nicht mit Geldwert aufzubieten sein: Informationen!
Statuen, Reliefs und Wandmalereien erzählen viel über die Geschichte und Kultur der Erbauer einer Stätte, sowie über den Zweck und die Geschichte der Stätte selbst. Allein die Qualität des Dekors verrät schon viel über den technischen Stand der Erbauer (denn detailliertere Kunstwerke erfordern schließlich feinere Werkzeuge). Stimmen Sie sie ab auf die weiteren zu erwartenden Funde an Schätzen, Magie und Wissen, aber auch auf Fallen und andere Sicherungsmaßnahmen.
Mehr noch als irgendwelche Schmuckstücke sind derartige Kunstwerke in den meisten Fällen als dauerhafte Hinterlassenschaften gedacht, als Monumente und Mahnmale an zukünftige Generationen und als Erinnerung an vergangene Kulturen.

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  1. [Karneval] Einige Gedanken zu Schätzen – Ausrüstung | Greifenklaue's Blog Says:

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