[Magreve] Übersetzer meldet sich zu Wort

Vor kurzem berichteten wir  über das D&D 5-Buch Geschichten aus dem Alten Magreve und dass es kurz nach Veröffentlichung wegen des Z-Wortes eingestellt wurde. Ulisses hat mittlerweile ein ausführliches Statement abgegeben.

Zitat Homepage Ulisses:

„Inwieweit wir „Geschichten aus dem Alten Margreve“ in einer überarbeiteten Form neu auflegen werden, ist noch nicht entschieden. Dies hängt nicht zuletzt von weiteren Gesprächen mit unserem Lizenzgeber ab.

Wir sind uns zudem bewusst, dass auch die Darstellung des Volks der Vistani in dem D&D-5-Buch „Fluch des Strahd“ problematisch ist und antiziganistische Klischees bedient. Dieser Fall ist für uns als Verlag jedoch schwieriger, da wir bei der deutschen Ausgabe von „Dungeons & Dragons“ letztlich nur als Dienstleister tätig sind. Wir werden auch wegen dieses Buches mit unseren Auftraggebern ins Gespräch gehen und nach einer zeitnah umsetzbaren Lösung suchen.“


Hier der gesamte Text: https://ulisses-spiele.de/wichtige-mitteilung-zu-geschichten-aus-dem-alten-margreve/

Aber auch Autor Daniel Schuhmacher meldet sich im Tanelorn zu Wort und stellt einiges klar: 

„O.k. Ich bin also DER böse/achtlose Übersetzer, der hier das G-Wort einfach mit dem Z-Wort übersetzt hat, und obwohl ich eigentlich die Diskussion irgendwie nicht weiter befeuern wollte, ist sie ja ohnehin im vollen Gang und wir so bald nicht haltmachen. Daher wollte ich mal erklären, wie es dazu gekommen ist.

Einerseits habe ich das Buch vor zwei Jahren übersetzt. Damals war tatsächlich die Diskussion, dass auch Völker, Ethnien, Geschlechtsgruppen, LGBTQ+ in fiktiven Rollenspielen auch die reale Welt widerspiegeln noch nicht so in vollem Gang und daher leider auch noch nicht bei mir aktiv in meinem Kopf vertreten. Andererseits übersetze ich schon immer Rollenspiele und Romane (und nichts Realweltliches) und ich war mir daher damals einfach noch nicht bewusst, dass ich da auch eine Verantwortung habe auf den Rückschluss zur Echtwelt zu achten. Mein Ziel war es immer Texte so zu übersetzen, dass alle Regeln korrekt wiedergegeben werden, und dass sich der Fluff auf Deutsch auch so stimmig und spannend liest, als wäre er ursprünglich auf Deutsch geschrieben worden. Daran, dass ich vielleicht die Verantwortung habe mehr Woke oder PC zu sein, als das Original habe ich einfach nicht gedacht.

Ich habe versucht mich so gut wie möglich an meine Arbeit damals vor zwei Jahren an dem Buch zurück zu erinnern, und ich sage völlig ehrlich, dass ich, als ich die Kariv vom G-Wort zum Z-Wort übersetzt habe, leider nicht in geringster Weise daran gedacht habe, dass der Begriff in irgendeiner Weise die Brücke zu echten Roma und Sinti schlagen könnte. Vermutlich auch deswegen, weil ich Roma und Sinti ohnehin nie mit dem Z-Wort bezeichnen würde. Auch glaube ich, dass das Problem mit dem Buch in Wahrheit viel, viel weiter geht, als nur die Verwendung des Z-Worts. Die Verwendung des Z-Worts hat vielleicht so rasch und nachhaltig das Scheinwerferlicht auf das Buch gerichtet, aber die Kariv sind wirklich extrem untergriffig und negativ dargestellt und bedienen sehr stark, so gut wie alle existierenden antiziganistischen Klischees. Doch auch bei dieser Darstellung habe ich mir vor zwei Jahren nur gedacht: „He, diese Kariv kriegen aber ganz schön ihr Fett ab. Das ist ja schon ziemlich übel geschrieben“ – ohne weiterzudenken, dass man hier eine Verbindung zu realen Volksgruppen herstellen kann.

Natürlich gilt, dass ich als Übersetzer ohnehin keinen Text umschreiben oder groß verändern DARF. Dennoch habe ich meine Lektion gelernt und werde in Zukunft bei allen von mir übersetzten Texten darauf achten, ob sie nicht derartige Klischees bedienen, sei es in Form von bedenklich dargestellten Völkern, Minderheiten, Geschlechtsgruppen, ausgegrentzen Personen und so weiter und dann immer, wenn so ein Fall auftritt, meinen jeweiligen Redakteuer darauf hinweisen und versuchen mit ihm/ihr eine Lösung zu finden. Schlussendlich wird aber immer der Verlag selbst in Rücksprache mit seinem Lizenzgeber entscheiden müssen, ob er etwas verändern will oder überhaupt darf.

Das Ganze nimmt mich ehrlich schwer mit, vor allem weil ich im realen Leben absolut kein rassistischer Mensch bin, und jedem Fremden offen begegne, egal wie er aussehen mag oder wo er herkommen mag. Auch habe ich in der Realwelt schon in vielen hitzigen Diskussionen mit Verwandten und Bekannten Angehörige anderer Ethnien, die von diesen angegriffen wurden, verteidigt.

Das Ganze war also ein „honest mistake“ von mir, aber ich habe auf jeden Fall daraus gelernt. Ich habe bisher vom Volumen her ungefähr 500-600 Bücher in meiner Laufbahn übersetzt. und das mir soetwas passiert ist, war zum ersten Mal und erschüttert mich schwer. Hängt mich also nicht gleich am höchsten Turm der Koboldburg auf, ja?

P.S. Wenn ihr noch Fragen habt, beantworte ich diese gern.
P.P.S. Ich denke Ulisses hat zwar sehr radikal, aber vollkommen korrekt reagiert. Anders war es vermutlich nicht zu vermeiden, dass die Sache völlig ausufert UND ich wurde in keiner Weise von Ulisses zu diesem Statement genötigt. Es stammt voll und ganz von mir.“

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