[Karneval] Einige Gedanken zu Schätzen – Teil II: Edelsteine & Juwelen

Bruder Grimm aus dem DS-Forum hat sich zum Karnevals-Thema Geld, Gold und Schätze {Diskussion} einige Gedanken gemacht {schon vor seiner DS-Zeit} und präsentiert nach dem Münzen hier den zweiten Teil rund um Edelsteine & Juwelen.


Fast alle Kreaturen mit einem Minimum an ästhetischem Empfinden sind bereit, Edelsteine zu sammeln – und sei es nur, weil sie hübsch bunt sind und glänzen. Allein wegen dieser Eigenschaften gelten Edelsteine bei den meisten intelligenten Wesen als wertvoll. Der Grund allerdings und die daraus resultierende Einteilung, welcher Stein nun wertvoller ist als welcher andere, kann jedoch variieren.

(c) William McAusland used with permission

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Die meisten Fantasy-Welten benutzen die gleiche Einteilung wie auf „unserer Welt“, die sich grob nach der Härte des Edelsteins richtet. Das hängt damit zusammen, daß der härteste Anteil des Luftstaubs aus Siliziumoxid, also Quarz, besteht, und dieser weichere Materialien angreift. Oberflächen, die dem Luftstaub ausgesetzt sind, werden im Lauf der Zeit durch winzige Kratzer stumpf. Daher gelten bei uns nur Mineralien mit einem Mohsschen Härtegrad von 7 oder mehr als ausreichend hochwertig, um zu Schmuckzwecken geschliffen zu werden, denn das ist der Härtegrad von Quarz. Alles mit diesem Härtegrad oder mehr wird vom Luftstaub praktisch nicht mehr angegriffen. Im folgenden führe ich die Tabelle der Härtegrade der Mineralien nach Mohs mit den typischen Beispielmineralien auf:

Härtegrad 1   Speckstein
Härtegrad 2   Gips
Härtegrad 3   Calcit (Kalkspat)
Härtegrad 4   Fluorit (Flußspat)
Härtegrad 5   Apatit
Härtegrad 6   Feldspat
Härtegrad 7   Quarz
Härtegrad 8   Topas
Härtegrad 9   Korund (Saphir, Rubin)
Härtegrad 10   Diamant

(c) William McAusland used with permission

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Man erkennt deutlich den Zusammenhang zwischen dem Wert eines Edelsteins und seiner Härte. Allerdings gibt es auch für uns hier schon Ausnahmen. Opale sind zum Beispiel verhältnismäßig weich und ziemlich empfindlich (Härtegrad 6) und gehören einzig aufgrund ihres Farbenspiels zu den meistgeschätzten Edelsteinen der Welt. Und auch unter Feldspaten finden sich Varianten, die relativ häufig als Schmucksteine Verwendung finden, z.B. der sogenannte Mondstein. Und natürlich wird auch der härteste Stein nicht zum Juwel, wenn er nach nichts aussieht.
Für andere Wesen wird das Aussehen eines Edelsteins vermutlich noch einen weitaus stärkeren Ausschlag geben, vielleicht sogar soweit, daß sie bestimmte hochwertige Edelsteine achtlos liegenlassen. Orks zum Beispiel könnten nur solche Edelsteine aufbewahren, die die „Farbe von Blut“ haben.

Das Schleifen von Edelsteinen ist eine aufwendige Angelegenheit, die großes Geschick, genaue Kenntnisse über Kristallstruktur und Brechungsindex sowie komplizierte und normalerweise schlecht transportable Gerätschaften erfordert. Primitive Kulturen sowie einzelgängerische Wesen werden kaum über diese Möglichkeiten verfügen, woraus zu schließen ist, das eventuelle Edelsteine in ihren Schätzen entweder aus Beutezügen stammen oder aus Bezahlungen für irgendetwas (sofern sich die Kreaturen nicht mit bunten Glasperlen abspeisen lassen). Es sind zwar einfache Methoden denkbar, Schmucksteine mit Hilfe von feinem Sand oder anderem Gesteinsstaub zu schmirgeln und zu polieren, so daß die Färbung zur Geltung kommt, diese sind jedoch nur für relativ weiche Edelsteine geeignet und ergeben eher etwas, was von der Form her an einen glattgeschliffenen Kieselstein erinnert. Solche Steine lassen sich zwar  möglicherweise gut weiterverarbeiten, sind aber an sich bei weitem nicht soviel wert, wie sie mit richtigem Schliff wären.

(c) William McAusland used with permission

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Wirkliche Rohedelsteine kann man für Schatzhorte übrigens weitgehend vergessen. Die meisten sind nur für echte Experten (also Charaktere mit Juwelier-Berufsfertigkeiten oder ähnlichem) von gewöhnlichen Kieselsteinen zu unterscheiden. Das durchschnittliche schätzesammelnde Monster wird sich kaum die Mühe machen, sich danach zu bücken. Schöne Kristallstufen, die geschliffen auch noch das Zehn- bis Hundertfache wert sind, sind eher selten. Ein Blick in einen Mineralienführer kann aber Ideen liefern für einige hübsche bunte Kristalle, die sich in Schatzhorten finden können, wie z.B. Cuprit, Cinnabarit oder sogar eine schön gefärbte Steinsalz-Stufe, die aber als Edelsteine nicht viel taugen. Jeder Goblin kann mit etwas Glück so etwas in einer Höhle finden und beschließen, daß es hübsch genug ist, um seinem Schatz hinzugefügt zu werden. Sein Materialwert ist aber tatsächlich eher gering.

Im Allgemeinen muß man sich über die Herkunft von Edelsteinen in Schatzhorten aber nur selten konkrete Gedanken machen, da sie noch schwerer zurückzuverfolgen sind als Münzen. Edelsteine tragen keine Wappen oder Gravierungen, das würde den Schliff stören. Lediglich extrem wertvolle Steine von einzigartiger Qualität sollten unbedingt so etwas wie eine Geschichte haben. Ein gestohlener Edelstein dieser Klasse könnte sogar der Gegenstand einer kompletten Queste sein, wenn der Besitzer das Stück zurück haben will. Bestimmte Juwelen können derart legendär sein, daß sie mächtigen magischen Artefakten und den Schwertern großer Helden an Ruhm gleichkommen und sogar eigene Namen tragen. Man denke hier an den Rosaroten Panther, den Kohinoor, den Hope-Diamanten…

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Apropos Hope-Diamant: Wenn irdischer Aberglaube schon Edelsteinen mystische Kräfte nachsagt und manche Leute davon überzeugt sind, daß bestimmte Steine Flüche über ihre Besitzer verhängen, könnte dies in Rollenspiel-Welten, in denen Magie wirklich existiert, zur Realität gehören. Nur die kostbarsten und legendärsten Juwelen sollten mit Flüchen beladen sein (ansonsten wären sie wohl längst zerstört), und gerade ein solch unheimlicher Ruf kann zusätzlich zum Wert eines Edelsteins beitragen. Diese Flüche sollten nicht so etwas Banales sein, was man auf magischen Gegenständen findet, nach der Art: Du verlierst 2 Punkte Stärke, solange du den Gegenstand mit dir rumträgst.  Ein Juwelen-Fluch sollte langwierig und unheimlich sein. Der Stein muß seinen Ruf verdienen. Beispiele für geeignete Flüche wären:
•   Alpträume und schleichender Wahnsinn
•   Angstzustände und Phobien
•   Verlust von Hab und Gut
•   Verlust von Freunden und Familie
•   schleichender körperlicher Verfall, chronische Krankheiten und vorzeitiger Tod
•   eine Prophezeiung, daß der Besitzer keines natürlichen Todes sterben wird
•   die Aufmerksamkeit eines mächtigen Dämons
•   Feuer, die in der Nähe des Edelsteins ausbrechen

Besonders geschickt sind natürlich Unglücksfälle, die man auch als Zufall abtun könnte und die ein rationaler Verstand nicht unbedingt einem „lächerlichen Fluch“ zuschreiben würde.
Ich würde übrigens unbedingt davon absehen, einen Juwelen-Fluch als magische Eigenschaft zu behandeln, die man mit entsprechenden Zaubern entdecken, analysieren oder gar bannen kann. Es sollte eher eine mystische, unerklärliche Eigenschaft sein, die mit der Geschichte des Steins, dem Schicksal seiner Besitzer und dem Glauben der Leute zusammenhängt. Glaube und Schicksal lassen sich nicht einfach bannen.

Auch weniger wertvolle Juwelen könnten über ungewöhnliche Fähigkeiten verfügen, z.B. könnten sie Boni geben, wenn, man sie als (zusätzliche) Komponente für bestimmte Magie benutzt. Für weitere Anregungen über besondere Kräfte von Edelsteinen empfehle ich auch mal einen Blick in ein Buch über die Heilkräfte von Edelsteinen  zu werfen.

Eine weitere Anregung, wie man Edelsteine über ihren reinen Geldwert hinaus interessanter machen könnte, möchte ich in Form einer Anekdote geben: In einer AD&D-Runde vor Jahren habe ich mal als hilfreichen NSC, dem es auch sofort gelang, die Sympathie der Gruppe für sich zu gewinnen, einen Kupfernen Drachen vorgestellt, dessen Hobby es war, wunderschöne und unglaublich lebensechte Bilder zu malen. Die Grundlage für seine Farben waren Edelsteine – aber nur undurchsichtige. Und da ihm bei der ersten Begegnung mit der Gruppe einige Farben gerade ausgegangen waren, fragte er die SCs nach solchen Edelsteinen. Undurchsichtige Edelsteine sind normalerweise eher in den unteren Preisklassen angesiedelt, und die Charaktere waren zu dieser Zeit schon recht hochstufig. Sie besaßen eine ganze Menge geringwertige Ziersteine, aber sie hatten längst die Mühe aufgegeben sich aufzuschreiben, welche. Diese Begegnung hat das grundlegend geändert: Seit diesem Tag waren sie wie verrückt hinter Billig-Edelsteinen her und haben sich nicht mehr nur den Goldmünzenwert aufgeschrieben, sondern zumindest auch mal die Farbe. (Ich glaube, einige in der Gruppe haben sich nicht mal mehr den Goldwert aufgeschrieben). Schließlich hat sich der Drache für die Steine auch immer erkenntlich gezeigt.

Edelsteine sind beliebt, weil sie hübsch aussehen, wesentlich weniger wiegen und Platz wegnehmen als ihr Gegenwert in Münzen, und weil sie fast überall als Zahlungsmittel verwendet werden können. Edelsteine sind praktisch überall etwas wert. Man tut ihnen aber Unrecht, wenn man sie einfach nur als „noch größere Münzen“ behandelt.

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2 Antworten to “[Karneval] Einige Gedanken zu Schätzen – Teil II: Edelsteine & Juwelen”

  1. [Karneval] Einige Gedanken zu Schätzen – Teil III: Schmuck & Kunstgegenstände | Greifenklaue's Blog Says:

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